Bildungspolitisches Panel
Am 18. Februar 2026 hat der Stifterverband eine Diskussion mit Bildungspolitikerinnen und -politikern zur bevorstehenden Landtagswahl veranstaltet. Der Videomitschnitt ist nun online.
Der Stifterverband hat sich den bildungspolitischen Teil der Wahlprogramme der sechs wichtigsten Parteien angesehen, die bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 antreten werden. Schwerpunkte bilden dabei die Lehrkräftebildung sowie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern.
Für die Lehrkräftebildung wurden in Baden-Württemberg bereits wichtige Schritte eingeleitet: Ein duales Lehramtsstudium ist an drei Hochschulen möglich, vier Universitäten bieten Quereinstiegsmaster an, der Direkteinstieg wurde spürbar ausgeweitet und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind in die Lehrkräftebildung für die beruflichen Fachrichtungen einbezogen. Gleichzeitig zeigen zentrale Indikatoren, wie groß der Handlungsdruck weiterhin ist: Gemäß Lehrkräftetrichter schließen nur etwa zwei Drittel das Lehramtsstudium ab – der größte Schwund erfolgt bereits zu Beginn des Studiums. Rund 1.400 Lehrerstellen blieben zu Beginn dieses Schuljahres unbesetzt. Die Analyse zeigt, dass die Wahlprogramme die Herausforderungen sehr unterschiedlich aufgreifen.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Lehrkräftebildung in den Wahlprogrammen leider nicht die Priorität hat, die sie aus Sicht des Stifterverbandes haben müsste, um den Lehrkräftebedarf zu decken, die Qualität schulischer Bildung zu sichern und die von den Parteien selbst propagierten Ziele zu erreichen. Die durch Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 13. Juni 2024 eröffneten Möglichkeiten für Quereinstiegsmaster, Ein-Fach-Lehrkräfte und duale Lehramtsstudiengänge werden nur zurückhaltend genutzt und dadurch Potenzial verschenkt, um neue Zielgruppen zu gewinnen. Der Schwund zwischen Studienbeginn und Eintritt in den Beruf wird von keiner Partei als eine zentrale Herausforderung benannt, die bildungspolitische Konsequenzen nahelegt. Ebensowenig wird die Frage einer systematischen und politischen Steuerung der Lehrkräftebildung adressiert, obwohl sie angesichts der wiederkehrenden Schwankungen im Lehrkräfteangebot von zentraler Bedeutung wäre. Neben einer Verbesserung des Datenmonitorings wäre hierbei nach Auffassung des Stifterverbandes insbesondere an eine gezielte Nutzung der Ziel- und Leistungsvereinbarungen sowie finanzielle Anreize zu denken.
Beim Thema der Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern zeigt sich ein ähnliches Muster. Zwar erkennen alle Fraktionen – mit Ausnahme der AfD – deren Potenzial grundsätzlich an, doch konzentrieren sich die Vorschläge weitgehend auf den Ganztag sowie auf Kultur, Sport und Arbeitsgemeinschaftsangebote. Es fehlt jedoch an einer klaren Strategie, wie Kooperationen curricular verankert, strukturell verstetigt und für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich gemacht werden können. Gleiches gilt für die Überlegungen zur MINT-Förderung: Bisher fehlt eine umfassende Strategie, die alle Leistungsgruppen adressiert und insbesondere Mädchen frühzeitig systematisch für mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer begeistert.
Insgesamt zeigt die Analyse der Wahlprogramme: Baden-Württemberg verfügt bereits über wichtige Bausteine einer zukunftsfähigen Lehrkräftebildung. Gleichzeitig werden die entscheidenden Zukunftsaufgaben – vom Zugang in den Beruf über den Studienerfolg, die Verankerung digitaler und KI-bezogener Kompetenzen bis hin zu einer zeitgemäßen Steuerungslogik – nur teilweise und mit sehr unterschiedlicher Tiefe aufgegriffen. Die Chancen, Bildungspotenziale durch eine systematische Kooperation mit außerschulischen Partnern umfassend zu heben – auch und gerade im MINT-Bereich –, werden zu wenig gesehen. Aus Sicht des Stifterverbandes braucht Baden-Württemberg eine klare, kohärente und langfristig angelegte Gesamtstrategie, die bestehende Reformschritte verzahnt, strukturelle Lücken schließt und die Lehrkräftebildung und Schulentwicklung im Land nachhaltig stärkt.
2024 hat der Stifterverband die Zukunftsmission Bildung gestartet, um das Bildungssystem in die Lage zu versetzen, schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterzubilden. Dies geschieht in vier thematischen Allianzen – darunter die Allianz für Lehrkräfte und die Allianz für Schule Plus.
Unser zentrales Ziel für die Lehrkräftebildung ist es, die prognostizierte Lehrkräftelücke von bundesweit ca. 68.000 Lehrkräften bis 2030 (mindestens) zu halbieren. Hinsichtlich der Kooperation von schulischen und außerschulischen Akteuren möchten wir die systemische Verzahnung von schulischem und außerschulischem Lernen erreichen, damit Schule und Ganztag zum Bildungsraum für alle werden, in dem Schülerinnen und Schüler Talente entdecken und Kenntnisse vertiefen können. Die bildungspolitischen Rahmenbedingungen auf Landesebene sind hierfür zentral.
Website der Zukunftsmission Bildung
ist Programmmanagerin im Bereich
"Programm und Förderung".
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ist Programmleiterin für Hochschullehre, Lehrkräftebildung und MINT sowie Leiterin der Zukunftsmission Bildung.
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