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Bildungspolitik in
Baden-Württemberg:
Analyse der Wahlprogramme 2026

Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl am 8. März 2026

Welche Prioritäten setzen die Parteien für die schulische MINT-Bildung?

 

Bündnis 90/Die Grünen
Bündnis 90/Die Grünen
  • Außerdem wollen wir noch mehr Frauen für MINT-Studiengänge begeistern, denn genau dort bringen wir den ökologischen und technologischen Wandel voran. (...) Dafür begeistern wir bereits Schülerinnen für die MINT-Fächer. (S. 37)
  • Mit dem seit dem Schuljahr 2025/2026 gestarteten Programm "SprachFit" wird die frühe Unterstützung von Kindern mit Sprachförderbedarf stark ausgebaut. Wir werden es fortführen und um eine Förderung von mathematischen Vorläuferfähigkeiten erweitern. (S. 27)
  • Pflichtfach "Informatik und Medienbildung" an allen weiterführenden Schulen zum Schuljahr 2025/2026 eingeführt. (...) Jetzt geht es darum, das neue Fach zu verstetigen. (...) Medienbildung und Informatik sind fest verankert und müssen als Querschnittsthema … überall verfolgt werden. (S.29)
  • Basiskompetenzen, den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, (..) haben wir am Gymnasium sowie an Gemeinschaftsschulen, Realschulen und Haupt- und Werkrealschulen gestärkt. In den kommenden Jahren wollen wir diese Aspekte weiter ausbauen (...). (S. 28)
  • Wir wollen junge Menschen über die Funktionsweise von KI und ihre Chancen und Risiken aufklären und so eine KI-Mündigkeit aller Schüler*innen erreichen. (S. 31)
  • Wir fördern mit dem Digitalpakt 2.0 des Bundes und eigenen Landesmitteln den Ausbau der digitalen Infrastruktur und wollen die Mittelvergabe bürokratiearm gestalten: Schulen benötigen stabile WLAN-Netze, moderne Endgeräte und pädagogisch einsetzbare Plattformen. Gemeinsam mit den zuständigen Schulträgern wollen wir Wege finden, um dauerhaft mehr IT-Fachkräfte an die Schulen zu bringen, die nicht nur reparieren, sondern begleiten. (S. 33)
  • Deshalb haben wir die Berufsorientierung an Schulen ausgebaut, Betriebspraktika gestärkt und Projekte wie Ausbildungsbotschafter*innen, die an Schulen von ihrer Ausbildung berichten, unterstützt. (S. 34)
  • Das Handwerk ist ein wichtiger Partner, beispielsweise bei der Umsetzung der Energiewende. In Folge des demografischen Wandels gibt es jedoch immer weniger junge Menschen, die sich für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden. Wir Grüne wollen eine Ausbildung im Handwerk wieder attraktiver machen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass junge Menschen an allen Schulen mit dem Handwerk in Kontakt kommen und unterstützen Projekte, die Frauen im Handwerk als Botschafterinnen mit Schüler*innen in Kontakt bringen. Außerdem sorgen wir dafür, dass auch die Berufsschulen bestens und auf der Höhe der Zeit ausgestattet sind. Wir wollen gezielt Geschlechterstereotype im Handwerk und bei der Berufswahl abbauen. (S. 34)

 

CDU
CDU
  • Wir sorgen dafür, dass alle Kinder mit soliden sprachlichen, mathematischen, motorischen und sozial-emotionalen Grundlagen in die Grundschule starten. (S. 35)
  • Wir setzen flächendeckend eine digital gestützte Lernverlaufsdiagnostik ein, die Lehrkräften und Kindern regelmäßige Rückmeldungen zu Lernfortschritten in Deutsch und Mathematik gibt und evidenzbasierte Fördermaßnahmen auslöst. Unser Anspruch ist klar: Immer weniger Kinder verfehlen die Mindeststandards, und zugleich wächst die Leistungsspitze. (S. 37)
  • Wir schärfen Bildungspläne und Leistungsanforderungen so, dass gesichertes Wissen, Text- und Quellenkompetenz sowie solides Rechnen und naturwissenschaftliches Grundverständnis verlässlich aufgebaut und überprüft werden. (S. 39)
  • Im Interesse des Standorts Baden-Württemberg wollen wir dabei insbesondere Kompetenzen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik weiter stärken. Sie sind die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft unseres Wirtschaftsstandorts. Das von uns vorangetriebene MINT-Exzellenzgymnasium mit Internat in Bad Saulgau sowie das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd sollen Leuchttürme einer innovativen Exzellenzstrategie des Landes werden. (S. 40/41)
  • Wir stellen sicher, dass Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen über mediale und digitale Kompetenzen verfügen. (..) Das Innovationsprogramm "Digitale Schule" führen wir mit Bausteinen wie 3D-Erleben, Robotik in der Grundschule und Computational Thinking fort. (S. 43)
  • Wir wollen mehr gleichwertige Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt, insbesondere in MINT-Berufen und Führungspositionen. Das stärkt die wirtschaftliche Unabhängigkeit und beugt Altersarmut vor. (S. 48)

 

SPD
SPD
  • Mit guter Sprachförderung gelingt Integration. Kinder mit geringen Deutschkenntnissen brauchen ab dem ersten Tag passende Angebote. Wir entwickeln Vorbereitungsklassen mit intensivem Sprachunterricht weiter und ermöglichen eine schrittweise flexible Integration in den Regelunterricht. Wir verbessern die Sprachstandserhebung und setzen sie landesweit konsequent um. Herkunftssprachlicher Unterricht wird unter staatlicher Aufsicht organisiert und pädagogisch fundiert ausgestaltet. So fördern wir Mehrsprachigkeit, stärken Identität und verbessern Bildungschancen. (S. 14)

 

FDP
FDP
  • Medienbildung muss integraler Bestandteil aller Bildungspläne und Fächer sein. Zudem muss der zunehmenden Wichtigkeit der Berufsfelder Softwareentwicklung und Informatik Rechnung getragen werden, indem Schulen Grundlagen der Programmierung vermitteln. (S. 16)
  • Wir werden Grundlagen der Informatik sowie finanzielle und wirtschaftliche Bildung verpflichtend in den Lehrplänen verankern. (S. 16)
  • (..) setzen wir uns ein für die gezielte Förderung leistungsstarker Kinder. Wettbewerbe, Zusatzangebote, MINT Schwerpunkte: Wer viel kann, soll auch viel lernen dürfen. (S. 17)
  • Wir werden: Begabtenförderung und leistungsdifferenzierende Angebote in allen Schularten ausbauen (wie zum Beispiel die Hector-Kinderakademie). (S. 17)

 

AfD
AfD
  • Eine AfD-geführte Landesregierung wird diesem Niedergang ein Ende setzen – mit einer umfassenden Bildungswende, die auf drei Prinzipien basiert: Leistung, Disziplin und Identität. Zu diesem Zweck werden wir in den ersten 100 Tagen eine fundamentale Überarbeitung der Lehrpläne in Auftrag geben, mit dem Ziel, wieder einen Schwerpunkt auf die Vermittlung von abprüfbarem Wissen zu setzen und MINT-Fächer zu priorisieren. (S. 17)
  • Wir wollen, dass Mathematik neben Deutsch in der schriftlichen Abiturprüfung verbindlich ist. (S. 54)
  • Wir fordern: Fachkräfte zurückholen und ausbilden: Konzentration auf MINT-Berufe, duale Ausbildung stärken, Abwanderung deutscher Fachkräfte durch verbesserte Standortbedingungen stoppen. (S. 100)

 

Die Linke
Die Linke
  • Differenziertes Lernen mit zusätzlicher Förderung, Unterrichtsqualität verbessern (S. 30)

 

 
EINE EINORDNUNG AUS SICHT DES STIFTERVERBANDES

Die Wahlprogramme der Parteien gehen auf die MINT‑Förderung in der Schule in sehr unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlicher Klarheit ein. Die Wahlprogramme von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU greifen die frühe Sprachförderung als wichtige Voraussetzung für die Teilhabe am Unterricht auf. Während die Wahlprogramme von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU darüber hinaus mit dem Ausbau der Lernverlaufsdiagnostik an zentralen Hebeln für eine systematische MINT‑Förderung ansetzen, konzentriert sich die SPD stärker auf allgemeine Maßnahmen der Unterrichtsqualität, ohne MINT selbst klar zu benennen. Die FDP richtet ihren Fokus überwiegend auf Exzellenzförderung im MINT‑Bereich, während die AfD auf eine stärkere Orientierung an abprüfbarem Wissen setzt, was aus Sicht des Stifterverbandes nicht zu besseren MINT‑Kompetenzen führt. SPD und Linke thematisieren MINT insgesamt nur am Rand oder gar nicht. In allen Wahlprogrammen fehlt zudem ein überzeugender Ansatz dafür, wie alle Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe – nicht nur die leistungsstarken - systematisch gefördert werden sollen und wie insbesondere Mädchen frühzeitig für MINT gewonnen werden können.

Insgesamt ist zu konstatieren, dass die MINT-Förderung in der Schule in den Wahlprogrammen einzelner Parteien zum Teil eine Priorität einnimmt, die sie aus Sicht des Stifterverbandes haben sollte, es jedoch einige weiße Flecken gibt und notwendig differenzierte Maßnahmen aus Sicht des Stifterverbandes nicht ausreichend adressiert werden.
 

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