Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl am 8. März 2026
Welche Ziele verfolgen die Parteien in der Lehrkräftebildung?
- Mit neuen Studienplätzen im Lehramtstudium und vereinfachten Wegen für Quer- und Direkteinstiege sichern wir die Unterrichtsversorgung und stärken die Qualität. (S. 29)
- Um die verschiedenen Anforderungen des Lehrerberufs besser abbilden zu können, wollen wir die Prüfungskultur im Referendariat weiterentwickeln und neue Prüfungsformate einführen. (S. 29)
- Wir setzen uns für eine Verbesserung der Qualität in allen Lehramtsstudiengängen und für einen stärkeren Praxisbezug im Lehramtsstudium in Baden-Württemberg ein. (S. 29)
- Ein stärker praxisorientierter Ansatz in der Lehrerbildung sowie eine verstärkte Integration pädagogischer Anteile im gymnasialen Lehramtsstudium sind wichtig, um angehende Lehrer*innen besser auf ihre vielfältigen beruflichen Aufgaben im Schulalltag vorzubereiten. (S. 30)
- Dafür werden wir die Unterrichtsversorgung landesweit verbessern. Schulen sowie Lehrerinnen und Lehrer wollen wir bei ihrem wichtigen Bildungsauftrag noch besser unterstützen. (S. 18)
- Wir setzen uns für eine echte Unterrichtsgarantie ein, mit ausreichend Lehrkräften, funktionierenden Vertretungskonzepten und klaren Standards. Bildungsgerechtigkeit beginnt mit verlässlichem Unterricht. Die Garantie für diesen wollen wir gesetzlich verankern. (S. 13)
- Dem Lehrkräftemangel begegnen wir mit mehr Studienplätzen, attraktiveren Bedingungen im Studium und im Referendariat und guter Begleitung im Berufseinstieg. Wir müssen den Quereinstieg erleichtern und unbürokratisch ermöglichen, ohne dass die Qualität leidet. Zusätzlich braucht es professionelle Vertretungsstrukturen. Die Krankheitsvertretungsreserve bauen wir aus. Den Berufseinstieg junger Lehrkräfte vereinfachen wir mit guter Begleitung durch erfahrene Lehrkräfte. (S. 13)
- Lehrkräfte erhalten gezielte Fortbildungen zur digitalen Didaktik. (S. 14)
- Inklusive Pädagogik muss verbindlicher Bestandteil in der Aus‑ und Weiterbildung von Lehrer:innen und pädagogischen Fachkräften sein. (S. 14)
- Die Lehrkräfteausbildung muss gestärkt werden, indem wir den Fokus auf die fachliche und pädagogische Qualität der Ausbildung statt auf Tempo legen. (S. 18)
- Die Differenzierung der Lehrkräfteausbildung wieder stärken. (S. 18)
- Auch die Lehrkräfteausbildung muss attraktiver und zugänglicher werden. (S. 21)
- Dazu gehört auch die angemessene Wertschätzung der Grundschullehrkräfte mit der höheren Besoldungsstufe A13, ohne deren Spezialisierung oder Einsatz in der jeweiligen Schulform zu ändern. (S. 25)
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- Ein attraktives Lehramtsstudium, das fundierte Fachkenntnisse und pädagogisch-didaktische Inhalte auf wissenschaftlicher Basis vermittelt, sowie ein Referendariat, in dem die zielgerichtete Ausbildung und Stärkung der zukünftigen Lehrer*innen und ihrer Kooperationsbereitschaft im Vordergrund steht. (S. 31)
- (..) mehr Studienplätze zur Ausbildung von Lehrkräften (S. 31)
EINE EINORDNUNG AUS SICHT DES STIFTERVERBANDES
Zum Schuljahresbeginn 2025/26 blieben in Baden-Württemberg über 1.400 Lehrerstellen unbesetzt. Die Folgen für die schulische Bildung sind nicht zu übersehen: Unterrichtsausfall, weniger individuelle Förderung, eine noch höhere Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte, die versuchen, den Mangel bestmöglich zu kompensieren. Aus Sicht des Stifterverbandes muss die Schließung der Lehrkräftelücke deshalb oberste bildungspolitische Priorität haben. Für die Lehrkräftebildung geht es vornehmlich darum, durch die Öffnung und Flexibilisierung der Zugangswege mehr Studierende zu gewinnen und sie durch eine professionsadäquate Ausbildung zu befähigen, Schule in einer Welt im Wandel erfolgreich zu gestalten.
Die von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD verfolgten Ziele und Maßnahmen, wie attraktivere Bedingungen im Studium und Referendariat oder erleichterte Quereinstiege, setzen grundsätzlich an richtigen Hebeln an und sind aus Sicht des Stifterverbandes zu befürworten. Der von beiden Parteien ebenfalls geplante Ausbau der Studienplätze wäre hingegen nur zielführend, wenn bestehende Zulassungsbeschränkungen in Lehramtsstudiengängen dadurch abgebaut werden können – insbesondere für die Unterrichtsfächer oder Schulformen, in denen der Lehrkräftemangel auf absehbare Zeit eine große Herausforderung bleibt. Die Programme der anderen Parteien bleiben in Bezug auf ihre Ziele zur Lehrkräftebildung recht allgemein und lassen nicht erkennen, welche Veränderungsbedarfe sie sehen, um den Lehrkräftebedarf künftig decken zu können.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Lehrkräftebildung in den Wahlprogrammen leider nicht die Priorität hat, die sie aus Sicht des Stifterverbandes haben müsste, um die Qualität schulischer Bildung zu sichern und die von den Parteien selbst propagierten Ziele zu erreichen.
DIE WEITEREN THEMEN DER WAHLPROGRAMM-ANALYSE
- Welche Maßnahmen zur Erreichung neuer Zielgruppen und zur Weiterentwicklung des dualen Lehramtsstudiums sind geplant?
- Wie lässt sich der Schwund im Lehramtsstudium und Vorbereitungsdienst reduzieren – insbesondere in Mangelfächern?
- Wie wollen die Parteien auf Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz in der Lehrkräftebildung reagieren?
- Welche Schritte planen sie, um die politisch-strategische Steuerung der Lehrkräftebildung zu verbessern?
- Wie sollen Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren flächendeckend gestärkt und systematisiert werden?
- Wie können Schulen dabei unterstützt werden, Unterricht und Kooperationen besser zu verzahnen, damit alle Schülerinnen und Schüler ihre Bildungspotenziale bestmöglich entwickeln?
- Wie wird die Schulaufsicht auf ihre neue Rolle gemäß KMK‑Beschluss vom 16. Oktober 2025 vorbereitet?
- Welche Prioritäten setzen die Parteien für die schulische MINT-Bildung?