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Innovationssystem · Science Entrepreneurship

„Start-ups sind ein Motor des Aufschwungs“

Ilustration Start-ups als Wirtschaftsmotoren
Foto: KI-generiert mit Nano Banana

Herr Brüll, Sie haben 2020 mit Partnern das Unternehmen FibreCoat als Spin-off der RWTH Aachen gegründet. Wo stehen Sie mit Ihrem Unternehmen heute?
Wir fertigen eine Basaltfaser, die wir in einem von uns entwickelten Verfahren kosteneffizient mit Metall und inzwischen auch mit Kunststoff beschichten. Unser Produktionskapazität für dieses Material beträgt mittlerweile bei 20 Tonnen Produktionskapazität. Beschichtete Metallfasern können beispielsweise gegen die elektromagnetische Strahlung von Batterien in Elektroautos abschirmen und sie kommen auch zur Tarnung gegen Radarsysteme und in vielen anderen sicherheitskritischen Anwendungen zum Einsatz. Wir haben Kunden in Europa, Asien und in den USA. In Deutschland haben wir 70 Beschäftigte. Dazu kommen 80 Beschäftigte, die bei einem Partner von uns in Georgien angestellt sind. Unseren Hauptumsatz erzielen wir zurzeit in der Rüstung. Da sind die Nachfrage und der Innovationsdruck stark gestiegen. Wir haben zwei Finanzierungsrunden abgeschlossen und sind dabei zu skalieren. 

Wie kam es zur Gründung? Von welchen Unterstützungsangeboten haben Sie am meisten profitiert? 
Die erste Idee, Faserverbundwerkstoffe günstiger herzustellen, hatten wir 2014 an der Uni. Wir haben ganz klassisch Forschungsmittel eingeworben. Nach der Promotion fanden wir es zunehmend frustrierend, dass das Thema ewig nur beforscht wird und nicht in die Industrie kommt. Wir wollten aber eigentlich sehen, wie es das Leben von Menschen verändert.

Zusammen mit meinen Mitgründern Alexander Lüking und Richard Haas haben wir dann beschlossen, selbst aktiv zu werden. Als 2019 unser exist-Antrag bewilligt wurde, war das der Gamechanger. Wir haben 1,2 Millionen Euro bekommen und konnten uns ganz auf das Start-up fokussieren. Es gab sehr viel Unterstützung aus der RWTH heraus, mit Hilfen bei Förderanträgen und Zugang zu Inkubatoren und Netzwerken wie German Entrepreneurship. Und wir konnten die Labore und Geräte benutzen. Über die RWTH haben wir auch unseren ersten Investor gefunden. 2021 haben wir angefangen zu produzieren.

Zur Person

Robert Brüll, 37, ist promovierter Maschinenbauingenieur mit dem Schwerpunkt Textiltechnik und hat einen Masterabschluss in Wirtschaftswissenschaften. Der Mitgründer und CEO des Aachener Scale-ups FibreCoat ist heute einer von fünf Landessprechern im Startup-Verband NRW. Seit 2025 ist FibreCoat Mitglied beim Stifterverband und engagiert sich hier im Netzwerk Junger Unternehmen. 

Seither sind Sie gewachsen. Was waren die Herausforderungen? Welche Hilfen gab es hier? 

Insgesamt gab es viele „kleine“ Hilfsmittel, die zusammen eine Riesenunterstützung für uns waren. Mit der Forschungszulage der Bundesregierung konnten wir beispielsweise unsere großen Ausgaben für die Forschung ausgleichen. Wir haben mit der Sparkasse und der Wirtschaftsförderung in Aachen und mit der NRW.Bank gesprochen. Das hat uns noch einmal deutlich mehr Spielraum eröffnet. 

 

An dem Übergang von einem kleinen Produktionsvolumen und wenigen Kunden zu großen Volumen und vielen Kunden kommen viele neue Themen auf. In unserem Fall beispielsweise die Logistik. Plötzlich mussten wir mit Tonnen von Material umgehen. Das Programm Scale-up.NRW hat uns dann unter anderem einen Logistik-Mentor an die Seite gestellt. Das war für uns ein großer Gewinn.

Porträt Robert Brüll, CEO und Gründer von FibreCoat
Foto: Falling Walls Foundation/Thomas Trutschel_Photothek

„Es gibt in Deutschland sehr viel Unterstützung in der frühen Gründungsphase. Aber wir haben ein riesiges Finanzierungsloch in der Scale-up-Phase.“

Robert Brüll
Mitgründer und CEO von FibreCoat

Wo müssen aus Ihrer Sicht die Förderung und das Klima für Unternehmensgründungen in Deutschland noch besser werden? 

Es gibt heute viele Förderprogramme, aber die Unterstützung ist gerade für Gründerinnen und Gründer aus dem technischen Bereich nicht so sichtbar, wie sie es sein könnte. Wir selbst haben deshalb erst sehr spät den Kontakt zur Wirtschaftsförderung und den Banken gehabt. 

 

Ein anderer Punkt ist die Bürokratie. Wir haben einen Beschäftigten, der sich nur um unsere Förderanträge kümmert. Da bräuchten wir vereinfachte Prozesse. Ein Stichwort ist Digitalisierung. Dass man heute Formulare ausdrucken und unterschreiben muss, ist nicht mehr zeitgemäß. Das Dritte ist die Finanzierung. Es gibt in Deutschland sehr viel Unterstützung in der frühen Gründungsphase. Aber wir haben ein riesiges Finanzierungsloch in der Scale-up-Phase. Generell ist man in Deutschland im Vergleich mit den USA, aber auch mit Frankreich immer noch extrem risikoavers. Das Kapital ist deshalb nicht so im Markt, wie wir es bräuchten.

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Die Bundesregierung arbeitet an einer Startup- und Scaleup-Strategie. Zum richtigen Zeitpunkt? Was muss Ihrer Meinung nach unbedingt Bestandteil dieser Strategie sein? 

Der Zeitpunkt ist genau richtig. Und es ist gut, dass die Regierung dazu auch mit den Stakeholdern spricht. Wir leben in Krisenzeiten. Vielen Industrien in Deutschland geht es nicht gut und Unternehmen wandern ab. Start-ups können der Motor der Veränderung und des Aufschwungs sein. Wir sehen das in den USA, wo die wertvollsten Unternehmen junge Unternehmen sind. 

 

Wie schon gesagt, müssen wir die Bürokratie vereinfachen. Nicht nur für Gründerinnen und Gründer, sondern insbesondere auch für Investoren. Optimal wäre, wenn amerikanische und andere ausländische Investoren so gute Konditionen vorfinden, dass sie ihr Kapital lieber hier als im Ausland einbringen. Generell muss die Politik Anlegerinnen und Anlegern mehr Anreize bieten, Geld, das heute in Pensionsfonds und Versicherungen geparkt ist, stärker in Risikobeteiligungen und Start-ups zu investieren. Auch der Zugang zu internationalen Fachkräften muss schneller werden. Wir haben ein Jahr gebraucht, um eine Fachkraft nach Deutschland zu bekommen.

Wie Hochschulen den Unternehmergeist fördern

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Deutschland hat einige der weltweit renommiertesten Unternehmen hervorgebracht. Doch wenn es um Start-ups geht, bleibt oft das Potenzial ungenutzt. In diesem Video erklären Fachleute, wie wir das mit einem innovativen Ökosystem rund um Universitäten ändern können. Und was wir von internationalen Vorbildern lernen können.

Zur Langfassung des Videos geht es hier entlang

Der Stifterverband fördert Science Entrepreneurship, also Unternehmergeist und gründerfreundliche Strukturen an Hochschulen. Müssen Hochschulen hier noch mehr tun? 

Hochschulen müssen dringend den IP-Transfer in Start-ups standardisieren und vereinfachen. Die Universitäten wünschen sich Rechtssicherheit und eine marktgerechte Wertermittlung. Das führt heute noch zu komplizierten, langen Prozessen. Wir haben selbst fast ein Jahr verhandelt, um das Patent zu bekommen. Politische Vorgaben könnten helfen, das zu verbessern.

 

Wir brauchen ein Ende der Zivilklausel an Unis. Wir können es uns nicht mehr leisten, dass sich unsere Forschungen nur auf den Frieden beziehen. Hochschulen sollten sich noch stärker austauschen und vernetzen. Viele Unis haben ihren Gründungsinkubator sehr lokal oder regional aufgebaut. Ich denke, wir könnten sehr viel stärker sein, wenn wir deutschlandweit ein Ökosystem schaffen, statt viele kleine Ökosysteme zu bauen.

 

Haben Sie Tipps für andere Gründerinnen und Gründer? 

Man muss an seine Idee glauben und überzeugt sein gegen alle. „Das kann doch nicht funktionieren“ – wie oft ich das schön gehört habe. Man sollte selbstbewusst, aber dabei nicht naiv sein. Am besten hört man gut zu und nutzt die Angebote, die da draußen sind. Für uns waren beispielsweise die Business-Wettbewerbe ein großer Gewinn, weil wir dadurch Feedback bekommen haben und unsere Organisation stark verbessern konnten. Die Kommunikation und das Feedback von erfahrenen Leuten aus dem Markt sind wichtig. Wir haben dadurch viele falsche Wege vermieden. Das schafft Geschwindigkeit und Sicherheit. 

 

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Wo wollen Sie in ein paar Jahren stehen? Haben Sie eine Vision?

Wir erweitern unser Produktportfolio und haben gerade ein neues Material auf den Markt gebracht, das Radarstrahlen absorbiert. Neben der Rüstungs- und Automobilindustrie ist der Weltraum für uns ein Wachstumsmarkt. Wir fliegen im nächsten Mai zum ersten Mal hoch oder genauer gesagt ein Satellit, der von uns geschirmt wurde. Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen und in den nächsten fünf bis sechs Jahren an die Börse zu gehen. Und dass wir an den Punkt kommen, wo jeder Mensch auf der Erde in irgendeiner Form von unseren Produkten profitiert.

Warum das wichtig ist

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Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, gilt es, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu Schlüsseltechnologien noch stärker in die Anwendung zu bringen. Der Stifterverband stärkt mit seinen Aktivitäten den Wissens- und Technologietransfer in Deutschland und unterstützt Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen dabei, mehr und besser finanzierbare, forschungsbasierte Ausgründungen hervorzubringen, in dem er den Aufbau von Gründungsökosystemen unterstützt. Mit der Initiative UNIPRENEURS  beispielsweise fördert der Stifterverband Professorinnen und Professoren, die neben Lehre und Forschung einen Schwerpunkt auf Transfer und Unternehmertum legen (siehe Video)

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