Communicator-Preis

Der Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes gilt in Deutschland als die wichtigste Auszeichnung für die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Öffentlichkeit.

Mit dem Preis zeichnen Stifterverband und Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit dem Jahr 2000 Wissenschaftler aus, die ihre Fachgebiete und Forschungsarbeiten einem breiten Publikum vielfältig, originell und kreativ nahebringen und sich darüber hinaus um den immer notwendigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit verdient machen. Eine Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten kürt die Preisträger. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.

Die wichtigsten Kriterien für die Vergabe des Preises sind die Breite und Vielfalt sowie die Originalität und Nachhaltigkeit der Vermittlungsleistung. Bewerbungen auf Grundlage nur eines Projekts sind nicht möglich. Zudem müssen die Bewerber im deutschen Sprachraum tätig sein. Der Preis kann sowohl an einzelne Wissenschaftler als auch an eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern verliehen werden. Größere Einheiten wie Fakultäten oder ganze Universitäten mit ihren Kommunikationsstrategien können nicht berücksichtigt werden.

 

Preisträgerin 2018: Antje Boetius

Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, Leiterin der HGF-MPG-Brückengruppe für Tiefseeökologie und -Technologie am Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen. Die Meeresforscherin und Geomikrobiologin erhält die Auszeichnung für ihr vielseitiges und langjähriges Engagement in der Vermittlung ihrer eigenen Forschung über die Tiefsee und die Polarregionen sowie allgemeiner Fragen des Wissenschaftssystems und der Wissenschaftskommunikation.

Die Communicator-Preis-Jury hob bei ihrer Entscheidung insbesondere Boetius' Selbstverständnis als Wissenschaftlerin hervor, für die die Vermittlung von Forschungsarbeit und -erkenntnissen an unterschiedliche Zielgruppen und ihr politisches Engagement für eine Verbesserung des Dialogs zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammengehöre. Dabei zeichne sie eine sehr persönliche und authentische Art der Kommunikation aus. Boetius mache überdies auch das Vorläufige und Prozesshafte wissenschaftlichen Arbeitens deutlich und klammere die damit verbundenen Unsicherheiten nicht aus.

"Für mich das besondere Element in der Forschung ist das Entdecken. Dorthin gehen, wo man gar nichts weiß, und die Grenzen des Wissens zu verschieben."

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Forschergestalten: Vom Stifterverband produziertes Film-Porträt von Antje Boetius

"Mir ist wichtig, dass wir verstehen, dass das Wissen, das Forschung und Entdecken, Teil einer großen Frage ist: Wie wollen wir in Zukunft mit der Erde und den Meeren leben?"

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Film-Porträt der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Communicator-Preisträgerin Antje Boetius

 
Antje Boetius gilt mit ihrer Teilnahme an mehr als 45 seegehenden Expeditionen und der Leitung einer Vielzahl von internationalen Forschungsprogrammen als ausgewiesene Expertin der biologischen Ozeanografie, mikrobiellen Ökologie und Biogeochemie. Für ihre Forschung an methanzehrenden Mikroorganismen der Tiefsee erhielt sie 2009 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG, den wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland. Sie ist Mitglied des Senats der DFG.

Boetius ist zugleich Spitzenforscherin und Brückenbauerin zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Ihre Vermittlungsarbeit in Print- und Onlinemedien, Hörfunk und Fernsehen umfasst im Wesentlichen drei Schwerpunkte: Das "Abenteuer Tiefsee", zu dem sie unter anderem mit ihrem Vater, dem Schriftsteller Henning Boetius, 2011 ein umfassendes und gut verständliches Sachbuch verfasst hat. Zum Thema "Mensch und Ozean – Chancen und Risiken des globalen Wandels" hält Boetius zahlreiche Vorträge, in denen sie sich Fragen der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen zur Einordnung der Folgen des Klimawandels, zur Zukunft des Ozeans bei zunehmender Nutzung sowie der Naturräume und Artenvielfalt der Erde stellt. In den Jahren 2014 und 2016 leitete sie zudem zwei Aufsehen erregende Arktis-Expeditionen, die mit Dokumentationen und Medienbeiträgen direkt an die Öffentlichkeit vermittelt wurden.

Als drittes Thema ist Boetius die Karriere von Frauen in der Forschung ein Anliegen. Hier engagiert sie sich, indem sie ihre Erfahrungen als Frau auf akademischen Karrierewegen, in Leitungsfunktionen wie auch auf Expeditionen teilt. Oft hat sie Einladungen zu Kinderuniversitäten, Schulen und Veranstaltungen von Jugendlichen und Studierenden angenommen. Seit 2015 ist Boetius zudem Leiterin des Lenkungsausschusses von Wissenschaft im Dialog, einer Initiative der großen deutschen Wissenschaftsorganisationen mit dem Ziel, Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu tragen. Hier hat sie sich besonders im "Wissenschaftsjahr 2016/17 – Meere und Ozeane" engagiert.

Foto: Rainer Unkel
DFG-Präsident Peter Strohschneider (li.) und Stifterverband-Präsident Andreas Barner gratulieren der Preisträgerin Antje Boetius.
Foto: Rainer Unkel
Offizielle Preisverleihung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung am 2. Juli 2018 in Bonn: Festvortrag von Antje Boetius
Foto: Rainer Unkel
Antje Boetius, wissenschaftliche Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, mit ihrem Lieblingsstudienobjekt – einer "Tiefseeanglerfischin"

Weitere Preisträger

2008: Günter M. Ziegler
2007: Arbeitsgruppe Glaziologie
2006: Friedemann Schrenk
2005: Harald Lesch
2004: Hubert Wolf
2003: Wolf Singer
2002: Wolfgang Heckl
2001: Gerold Wefer
2000: Albrecht Beutelspacher