Communicator-Preis: Preisträger 2016

Andreas Zick, Sozialpsychologe und Konfliktforscher von der Universität Bielefeld, erhält die Auszeichnung für die vielfältige, langjährige und besonders engagierte mediale und öffentliche Vermittlung seiner Forschungsergebnisse zu Ursachen, Formen und Folgen innergesellschaftlicher Konflikte, Diskriminierung und Gewalt.

Foto: Universität Bielefeld
Communicator-Preisträger 2016: Andreas Zick
Foto: DFG/Stefan Strussione
Verleihung des Communicator-Preises am 4. Juli 2016 an Andreas Zick durch DFG-Präsident Peter Strohschneider (li.) und Stifterverband-Präsident Andreas Barner (re.)

Andreas Zick ist, nach der Promotion in Marburg und Stationen in Wuppertal, Bielefeld, Dresden und Jena sowie der Habilitation in Halle-Wittenberg seit 2008 Professor für Sozialisation und Konfliktforschung in Bielefeld. Dort war er Co-Leiter des DFG-Graduiertenkollegs "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" und wirkt an der in der Exzellenzinitiative geförderten Bielefeld Graduate School in History and Sociology mit. Seit 2013 ist Zick Direktor des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Bielefelder Universität.

Zick hat sich nicht erst im Zuge der aktuellen Ereignisse, sondern bereits weitaus früher und über einen längeren Zeitraum mit diesen Fragen befasst – und die Kommunikation seiner Forschungen dabei von Beginn an als wichtigen Teil seiner Arbeit betrachtet. Bereits in den 1990er-Jahren thematisierte er in Buchveröffentlichungen, Zeitungs- und Zeitschriftbeiträgen die zunehmende Ausländerfeindlichkeit in Deutschland ("Den Türken geht es besser als uns – Wie Fremde zu Feinden werden", "Kann der Solinger Brandanschlag etwas lehren?") oder die Entstehung und Erscheinungsformen von Vorurteilen, Rassismus und Rechtsextremismus. Ebenso früh vermittelte er seine Forschungen auch in die breitere Öffentlichkeit und an betroffene Zielgruppen, etwa mit der Entwicklung interkultureller und antirassistischer Trainingsprogramme.

Einem größeren Publikum ist Andreas Zick auch durch die "ARD-Themenwoche Toleranz" bekannt, bei der er 2014 an über 30 Sendungen mitwirkte. Über die Medienarbeit und seine intensive öffentliche Vortrags- und Veranstaltungstätigkeit hinaus bringt er seine Expertise zudem in zahlreiche Gremien, Kommissionen und Organisationen ein, unter anderem in den Expertenkreis der Bundeskanzlerin zum Dialog über Deutschlands Zukunft, den Rat für Migration oder den Expertenbeirat des Deutschen Forums Kriminalprävention. An der Bielefelder Universität hat Zick eine Fachstelle für die Beratung bei Konflikten und Gewalt im Fußball eingerichtet und ist am Projekt "Universität ohne Vorurteile" beteiligt. Aktuell entwickelt er für die Amadeu-Antonio-Stiftung ein "Science to Action-Workshop-Konzept", mit dem Nachwuchswissenschaftler und Praktiker gemeinsam Konzepte für eine bessere Prävention und Intervention bei Diskriminierung, Gewalt und Kriminalität erarbeiten sollen.

Zick selbst versteht die Vermittlung seiner wissenschaftlichen Arbeit, ebenso wie diese selbst, nicht zuletzt als Eintreten für die Demokratie, die "kein Selbstläufer" sei. Auch diesen zivilgesellschaftlichen Antrieb – für den sich Zick auch persönlichen Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt sieht – würdigt die Jury des Communicator-Preises mit der Auszeichnung ausdrücklich.