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Future Skills · KI Skills

Nachfragen statt Nachmachen: Future Skills im KI-Zeitalter

Porträt Luca Mahncke
Illustration: Sven Sedivy

Welche Fähigkeiten werden in einer Welt wichtig, in der Künstliche Intelligenz (KI) immer stärker unseren Alltag, unsere Arbeit und unsere Bildung prägt? Darüber wird viel diskutiert – doch oft bleiben die Antworten abstrakt. Mit unserer neuen Reihe „Der Zukunftsfragebogen“ möchten wir deshalb den persönlichen Blick in den Mittelpunkt stellen. Wir stellen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft immer dieselben Fragen – und erhalten überraschend unterschiedliche Antworten.

Dieses Mal antwortet Luca Mahncke: Er ist Spieleentwickler und Game Designer. Er beschäftigt sich seit seinem 16. Lebensjahr mit Spieleentwicklung und nahm 2020 an der GamesTalente-Akademie teil. Er gründete gemeinsam mit weiteren ehemaligen Akademie-Teilnehmern das Entwicklerkollektiv Styxcon, das seit 2020 Spiele entwickelt und seit 2022 als Unternehmen organisiert ist.

Neben seiner Arbeit als Entwickler studiert er Medienwissenschaft und Medienpraxis an der Universität Bayreuth. Zu seinen Projekten zählen unter anderem das Action-Adventure Far From Life, das Strategieprojekt VOID sowie die Mobile-App Math Clash.

Moodbild Spieleentwicklung
KI-Illustration

DER ZUKUNFTSFRAGEBOGEN MIT: LUCA MAHNCKE

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind 18 Jahre alt. Mit Ihrem heutigen Wissen: Wohin würden Sie beruflich gehen – und was lassen Sie bewusst bleiben?
Das ist mit meinen 22 Lenzen noch gar nicht so lange her, aber es wäre mit Sicherheit trotzdem die Game Development bzw. Gaming-Branche. Trotz aller Herausforderungen, die diese Industrie mit sich bringt, würde ich sie nicht eintauschen wollen. Was ich definitiv bleiben lassen würde, ist mein Perfektionismus und mein Overthinking

Früher wollte ich Sachen immer zu 100 Prozent fertig haben, bevor ich damit an die Öffentlichkeit gegangen bin. Heute weiß ich wie weit man mit einer Einfach-mal-machen-Attitüde plus die richtigen Leute zu kennen, kommen kann. Man lernt im Prozess und durch das Fehlermachen so viel mehr als durch ewig lange Planung, ohne dass man jemals etwas davon umsetzt. 

Die Berufswahl selbst ist meiner Meinung nach gar nicht so relevant wie zu lernen, eigenständig zu denken, zu handeln und Vertrauen in sich zu haben. Ich denke das bringt einen in jedem Lebensbereich weiter.

Welche Fähigkeit wird in den nächsten fünf Jahren über beruflichen Erfolg entscheiden – und welche in 15 Jahren?
Ich kann hier nur für meine Branche sprechen, aber ich denke in den nächsten Jahren wird es sehr wichtig sein, sich selbst gut verkaufen zu können. Sich eine reale Gegenantwort parat zu legen für die Frage Warum sollte ich dich nicht mit AI ersetzen? Ob diese Frage gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber in dieser Zeit des KI-Hypes ist es sehr wichtig, Leuten klarmachen zu können, wieso du und dein Gehalt mehr wert sind als eine KI.

In 15 Jahren wird sich meiner Meinung nach KI vollständig im Alltag etabliert haben und dann wird es darauf ankommen, wer sich an diesen Paradigmenwechsel angepasst hat. Wer nicht jetzt lernt, KI als Tool und Erweiterung der eigenen Fähigkeiten verantwortungsvoll und effizient einzusetzen wird schwer mit den vermutlich bis dahin neu gesetzten Industriestandards mithalten können.

Porträt Mahncke
Illustration: Sven Sedivy

„Neugierde und Eigeninitiative, nachfragen und selbst nachdenken – ich schwöre es, Lernen kann Spaß machen!“

Luca Mahncke
Spieleentwickler und Game Designer

Was wünschen Sie sich, wie unsere Bildungssysteme oder Unternehmen mit dem Thema Future Skills umgehen sollten – und warum ist der Stifterverband hier ein wichtiger Partner?
Ich wünsche mir von unseren Bildungssystemen, dass sie mehr Hilfe zur Selbsthilfe geben. Was das einzelne Individuum interessiert, ist so vielfältig, dass es kein Bildungssystem allein abdecken kann. Aber man kann der nächsten Generation die richtigen Tools an die Hand geben, um sich selbst ein Leben lang Wissen anzueignen: Wie schule ich mich in Medienkompetenz und kritischem Denken? Wie finde ich mich im Internet zurecht? Wie nutze ich neue Technologien für mich und laufe dabei nicht in die Konsum-Falle?

Unternehmen stehen hier genauso in der Pflicht, sich um die nächste Generation dahingehend zu kümmern. Wenn nicht aus moralischen Beweggründen, sind die Nachwuchskräfte immer noch das profitabelste Langzeit-Investment, das man haben kann.

Der Stifterverband setzt genau an der angesprochenen Lücke in den Bildungssystemen an. Durch diese vielseitigen Programme und der engen Zusammenarbeit mit den Institutionen können individuelle Talente und Interessen deutlich besser gefördert und bedient werden.

KI ist in aller Munde. Was sind für Sie persönlich die entscheidenden Skills, um KI nicht nur zu nutzen, sondern damit wirklich besser zu werden?
Sapere aude - man muss weiterhin fähig sein, seinen eigenen Verstand zu nutzen. KI kann ein mächtiges Tool für praktisch alles sein: Recherche, Erstellung von Inhalten, Softwareentwicklung et cetera. KI kann das alles vor allem deutlich schneller als wir.

Aber das alles ist nichts wert, wenn man die Ergebnisse der Recherche nicht auf Fakten prüfen kann oder das mit KI gebaute Tool mit mehr Zeit nicht auch selbst bauen könnte. Meiner Meinung nach sollte man KI als Assistenten nutzen, der die bereits erworbene Kompetenz erweitert und/oder optimiert.

Im Optimalfall baut man mit KI eine Symbiose auf, in der man KI nutzt, um seinen Alltag zu optimieren und seine Fähigkeiten zu erweitern, während die KI von einem lernt und damit zuverlässigere Ergebnisse liefert. Damit kann man meiner Meinung nach am nachhaltigsten mit der KI wachsen.

Grundsätzlich rate ich persönlich aber immer dazu, mit KI so zu arbeiten, als könnte sie morgen weg sein. So läuft man nie Gefahr seine eigene Existenz abzuschaffen.

Was würden Sie jungen Menschen (oder Studierenden) raten: Woran sollten sie heute arbeiten, das in keinem Zeugnis steht – aber ihre Zukunft prägt?
Neugierde und Eigeninitiative, nachfragen und selbst nachdenken – ich schwöre es, Lernen kann Spaß machen!

Zukunftsmission Bildung

Junge, lachende Frau setzt sich eine VR-Brille auf
Allianz für Future Skills

Transformationsprozesse wie die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeits- und Lebenswelt erfordern Kompetenzen, deren Erwerb an unseren Hochschulen und Bildungseinrichtungen noch nicht ausreichend ermöglicht wird. Die Zukunftsmission Bildung des Stifterverbandes hat deshalb die Allianz für Future Skills gestartet - mit dem Ziel, dass sich der Anteil der Hochschulen, die KI-Kompetenzen und Future Skills fest in ihr Bildungsangebot aufnehmen, signifikant erhöht.

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