Welche Fähigkeit wird in den nächsten fünf Jahren über beruflichen Erfolg entscheiden – und welche in 15 Jahren?
Nach meiner Erfahrung hängt beruflicher Erfolg nie nur von einer einzelnen Fähigkeit ab. Wenn ich dennoch zuspitzen soll, würde ich mit Blick auf unsere Absolventinnen und Absolventen sagen: In den nächsten fünf Jahren wird entscheidend sein, KI nicht nur zu nutzen, sondern sie klug in das eigene Arbeiten zu integrieren.
Dazu gehört, sich ein persönliches Netzwerk aus spezialisierten KI-Werkzeugen und Assistenzsystemen aufzubauen. Das beschleunigt Arbeitsschritte und ermöglicht eine enorme Skalierung. Besser werden die Ergebnisse dadurch jedoch nicht automatisch, denn KI gibt keine Richtung vor. Darin liegt ein Spannungsfeld: Je schneller Systeme Ergebnisse erzeugen, Empfehlungen aussprechen oder Handlungen anstoßen, desto wichtiger wird die Fähigkeit, bewusst innezuhalten und ein begründetes Handlungsurteil zu fällen: Trägt die Empfehlung im konkreten Fall, und welche Folgen hätte ihre Umsetzung?
Was in fünfzehn Jahren beruflich gefragt sein wird, kann heute niemand seriös vorhersagen. Wir wissen nicht einmal, welche Berufsbilder dann noch in vergleichbarer Form existieren werden. Ich glaube aber: Erfolgreich werden diejenigen sein, die lernen, bevor sie lernen müssen – die Veränderungen früh wahrnehmen, neugierig bleiben und sich immer wieder neues Wissen und neue Fähigkeiten erschließen.
Was wünschen Sie sich, wie unsere Bildungssysteme oder Unternehmen mit dem Thema Future Skills umgehen sollten – und warum ist der Stifterverband hier ein wichtiger Partner?
Ich werde skeptisch, sobald Future Skills wie eine Einkaufsliste klingen: etwas Kreativität, etwas Kollaboration und noch eine Portion KI-Kompetenz. So funktioniert Bildung nicht. Wir können heute nicht verlässlich festlegen, welche einzelnen Fähigkeiten zukünftig gefragt sein werden.
Für mich geht es deshalb um ein größeres Bildungsziel: um das, was der Wissenschaftsrat als intellektuelle Souveränität bezeichnet – Informationen einordnen, Widersprüche aushalten, selbstständig urteilen und Verantwortung übernehmen. Gerade wenn KI in Sekundenschnelle überzeugende Antworten liefert, wird diese Fähigkeit immer wichtiger.
Dafür reicht kein zusätzliches Modul. Bildungssysteme und Unternehmen müssen Lernräume schaffen, in denen Menschen ausprobieren, scheitern, reflektieren, fachliche Grenzen überschreiten und an realen Herausforderungen wachsen können. Der Stifterverband ist dabei ein wichtiger Partner, weil er nicht nur Themen auf die Tagesordnung setzt, sondern unterschiedliche Akteure zusammenbringt und dabei unterstützt, aus Debatten und Ideen konkrete Veränderungsprozesse entstehen zu lassen.