Skip to main content

Future Skills

Ohne Future Skills verliert der Mittelstand seine Zukunft

Reinhard Zinkann (Foto: David Ausserhofer)

In den letzten Jahren hat sich die Geschwindigkeit technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen signifikant erhöht. Wenn Sie heute durch Ihre Produktionshallen oder Büros gehen: Wo spüren Sie ganz persönlich am stärksten, dass die Anforderungen an Ihre Beschäftigten heute andere sind als noch vor zehn Jahren?
Die Arbeitswelt ist deutlich dynamischer geworden. Digitalisierung und KI verändern Prozesse und Anforderungen in immer kürzeren Zyklen. Besonders spürbar zeigt sich dies in der Art der Zusammenarbeit sowie in der Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden müssen. Gute Lösungen entstehen zunehmend interdisziplinär und international. Gleichzeitig sind Beschäftigte heute stärker gefordert, Verantwortung zu übernehmen, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen auch dann zu treffen, wenn noch nicht alle Informationen vollständig vorliegen. Der vielleicht größte Unterschied zu früher besteht jedoch darin, dass Veränderung nicht mehr nur umgesetzt, sondern aktiv mitgestaltet werden soll. 

 

Im Framework des Stifterverbandes werden Future Skills als Handlungskompetenzen für eine Welt im Wandel definiert. Fachleute betonen, dass es dabei weniger um rein „handwerkliche“ Fertigkeiten geht, sondern vielmehr um ein grundsätzlich neues Mindset. Wie definieren Sie für Ihr Unternehmen den Unterschied zwischen klassischem Fachwissen und diesen neuen Zukunftskompetenzen?
Fachwissen bleibt weiterhin die Grundlage. Zunehmend entscheidend ist jedoch die Fähigkeit, Wissen flexibel anzuwenden und offen für Neues zu bleiben. Gerade im Hinblick auf generative KI wird es darauf ankommen, wie schnell und reflektiert Menschen diese Technologien sinnvoll in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Lernbereitschaft, Eigenverantwortung und Problemlösungskompetenz gewinnen dadurch weiter an Bedeutung. Es geht heute nicht mehr nur darum, etwas zu beherrschen, sondern darum, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ein Mindset, das auch unserer Unternehmensphilosophie „Immer Besser“ entspricht.

Das neue Framework identifiziert fünf zentrale Megatrends: Klimawandel, KI, Digitalisierung, Demokratische Kultur und Desinformation. Welcher dieser Trends ist für die Wettbewerbsfähigkeit eines mittelständischen Unternehmens wie dem Ihren aktuell der kritischste „Treiber“?
Der derzeit wohl stärkste Treiber für Wettbewerbsfähigkeit ist KI, da sie inzwischen nahezu alle Unternehmensbereiche verändert – von der Produktion bis hin zu Führung und Zusammenarbeit. Gleichzeitig dürfen wir KI nicht isoliert betrachten, denn ihre Auswirkungen reichen weit über einzelne Anwendungen hinaus. Für uns bedeutet das: Wir brauchen ein breites Grundverständnis für KI, klare Leitplanken für ihren verantwortungsvollen Einsatz und eine Unternehmenskultur, in der Menschen kritisch denken, Verantwortung übernehmen und offen für neue Arbeitsweisen bleiben.
 

Future Skills 2030 (Cover der Publikation)
Future Skills 2030 (Cover der Publikation)

Das Future-Skills-Framework des Stifterverbandes umfasst 30 zentrale Zukunftskompetenzen für die nächsten fünf Jahre. Entwickelt von der Future-Skills-Community im Stifterverband, bündelt es Perspektiven aus Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik.

Das Framework stellt die Kompetenzen wie ein Gebäude dar: mit einem breiten Fundament für alle und hochspezialisierten „Funkmasten“ an der Spitze für Technologien wie Cybersecurity oder AI Engineering. Wie gelingt es Ihnen im Mittelstand, die technologische Spitze zu besetzen, wenn Sie dabei im direkten Wettbewerb um Fachkräfte mit starken internationalen Playern stehen? 
Im Wettbewerb um Tech-Talente können wir nicht allein über Größe oder internationale Sichtbarkeit überzeugen. Unsere Stärke liegt vielmehr darin, Menschen echte Gestaltungsmöglichkeiten und die Nähe zu konkreten Herausforderungen zu bieten. Gleichzeitig ist es entscheidend, eigene Talente gezielt weiterzuentwickeln, Fachkarrieren zu stärken und Expertinnen und Experten langfristig attraktive Perspektiven zu eröffnen. Auch Kooperationen mit Hochschulen spielen dabei eine wichtige Rolle – sowohl im Recruiting als auch für Innovation und Wissenstransfer. Gerade im Mittelstand entsteht technologische Spitzenkompetenz häufig dort, wo Menschen früh Verantwortung übernehmen und die Wirkung ihrer Arbeit unmittelbar erleben können.

„Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die Veränderungen frühzeitig aufgreifen und Lernen als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur verankern.“

Reinhard Zinkann (Foto: David Ausserhofer)
Reinhard Zinkann
Geschäftsführender Gesellschafter der Miele-Gruppe

In der modernen Personalentwicklung geht es darum, die Leidenschaft zur Selbstentwicklung zu wecken, statt nur Schulungskataloge abzuarbeiten. Welche Formate nutzen Sie in Ihrem Unternehmen, um Ihren Beschäftigten den konkreten Nutzen neuer Technologien – wie etwa generativer KI – für deren individuellen Arbeitsalltag aufzuzeigen?
Lernen findet heute deutlich stärker direkt im Arbeitsalltag statt. Klassische Trainings bleiben insbesondere für fachliche Themen wichtig, werden jedoch zunehmend durch Formate ergänzt, die Lernen und konkrete Anwendung miteinander verbinden. Gerade im Kontext generativer KI zeigt sich, wie entscheidend praxisnahe Formate und konkrete Anwendungsbeispiele sind. So haben wir im Frühjahr dieses Jahres beispielsweise einen internen Data & AI Summit organisiert, der Miele Know-how mit externen Impulsen und Fachvorträgen kombiniert hat. Gleichzeitig schaffen wir mit Angeboten wie unserer Offenen Weiterbildung bewusst Räume für selbstgesteuertes Lernen und neue Perspektiven – auch über den eigenen Aufgabenbereich hinaus.

Das Framework bietet Orientierung für die nächsten fünf Jahre. Wenn wir im Jahr 2030 wieder hier sitzen: Welche der heute besprochenen Future Skills werden dann in Ihrem Unternehmen den größten Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg gemacht haben?
Bis 2030 werden vor allem Lernfähigkeit, ein verantwortungsvoller Umgang mit Technologie sowie bereichsübergreifende Zusammenarbeit entscheidend sein. Der eigentliche Unterschied wird darin liegen, wie schnell Menschen und Organisationen bereit sind, sich weiterzuentwickeln und konstruktiv mit Veränderung umzugehen. Es wird nicht ausreichen, nur einige wenige Expertinnen und Experten für KI oder Cybersecurity zu beschäftigen. Erfolgreich werden vielmehr jene Unternehmen sein, die Veränderungen frühzeitig aufgreifen und Lernen als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur verankern.

Zur Person

Reinhard Zinkann ist geschäftsführender Gesellschafter der Miele-Gruppe und Schatzmeister im Stifterverband. Er engagiert sich seit vielen Jahren für die Themen MINT, chancengerechte Bildung sowie die Förderung von Talenten und Begabungen. Das Unternehmen Miele ist bereits seit 1962 Mitglied im Stifterverband. 

Tauchen Sie tiefer in unsere Insights-Themen ein.
Zu den Insights
Back to top