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Gravierender Nachwuchs­mangel bei Lehr­kräften der beruf­lichen Bildung erfordert Umdenken

04.12.2017

Deutsche Berufsschulen haben gravierende Nachwuchsprobleme bei pädagogisch voll ausgebildeten Lehrkräften. Dies gilt besonders für die gewerblich-technischen Fächer. Die Absolventenzahlen dieser Lehramtsstudiengänge verharren auf einem sehr niedrigen Niveau und lassen perspektivisch nicht erwarten, den steigenden Lehrkräftebedarf zu decken.

Bildungsexperten sehen mittelfristig die berufliche Bildung gefährdet. In einer Publikation des Monitors Lehrerbildung fordern sie attraktivere Bedingungen und einen Ausbau von Möglichkeiten des qualitätsgesicherten Quereinstiegs ins Lehramt an beruflichen Schulen.

Der Lehrerbedarf an den beruflichen Schulen in Deutschland kann schon seit geraumer Zeit nicht einmal annähernd aus dem klassischen Lehramtsstudium gedeckt werden. Deshalb ist der Rückgriff auf Seiteneinsteiger ohne pädagogische Qualifikation in den meisten Ländern gängige Praxis. Dies gilt besonders für die gewerblich-technischen Fächer wie Metall- oder Elektrotechnik. Zwei Drittel aller neu eingestellten Seiteneinsteiger an beruflichen Schulen entfielen im Jahr 2016 auf diese Fächergruppe.

Die Nachwuchsprobleme an den beruflichen Schulen werden sich in den kommenden Jahren durch eine Pensionierungswelle noch weiter verschärfen. Im Schuljahr 2015/16 waren 48 Prozent der Lehrkräfte an beruflichen Schulen 50 Jahre oder älter. Steigende Schülerzahlen sowie eine wachsende Vielfalt in den Klassenzimmern erhöhen zudem die Nachfrage nach pädagogisch gut ausgebildetem Lehrpersonal an den beruflichen Schulen.

Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, besteht unmittelbar Handlungsbedarf. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, fordert: "Von der Qualität des Fachunterrichts hängt letztlich auch die Qualität des dualen Ausbildungssystems und damit die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ab. Es bedarf dringend nachhaltiger Maßnahmen und gemeinsamer Anstrengungen von Ländern, Hochschulen, Verbänden, Schulen und Unternehmen, um mehr gut ausgebildete Lehrkräfte für die beruflichen Schulen zu gewinnen."

Die Bildungsexperten des Monitor Lehrerbildung entwerfen in der Publikation "Attraktiv und zukunftsorientiert?! – Lehrerbildung in den gewerblich-technischen Fächern für die beruflichen Schulen" ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Sicherstellung der Lehrkräfteversorgung. Dazu gehört eine Erweiterung der Zugangswege zum Lehramt in den gewerblich-technischen Fachrichtungen, so dass der qualitätsgesicherte Quereinstieg als gleichwertige Alternative neben dem grundständigen Lehramtsstudium institutionalisiert wird. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, macht deutlich: "Wenn der Lehrkräftebedarf in den gewerblich-technischen Fächern ohnehin schon seit Jahren zu großen Teilen über Seiteneinsteiger aus der Industrie gedeckt wird, ist es an der Zeit, aus der Not eine Tugend zu machen und Möglichkeiten für einen qualitätsgesicherten Umstieg ins Lehramt dauerhaft zu etablieren. Unsere Publikation benennt attraktive Modelle für Quereinstiegsmaster, die unbedingt in die Breite getragen werden müssen."

Wie wird man Berufsschullehrer in den gewerblich-technischen Fächern?

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Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Auf der Website sind relevante Daten zu dieser ersten Phase der Lehrerbildung übersichtlich dargestellt. 69 Hochschulen und alle 16 Länder beteiligten sich an der Erhebung des Monitors Lehrerbildung 2016. Sämtliche Daten sowie viele weitere Informationen zum Thema sind frei zugänglich. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband.

 
Faktenblätter zur Situation in den einzelnen Bundesländern (PDF):

Pressekontakt

Nadine Bühring

ist Kommunikationsmanagerin im
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Britta Hoffmann-Kobert
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