Berufsschullehrerinitiative: Die duale Ausbildung sichern!

Ziel der Berufsschullehrerinitiative ist, die Attraktivität des Berufsschullehrer-Studiums zu steigern und mehr Studierende für das Lehramt an den berufsbildenden Schulen zu gewinnen. Bestehende Reformansätze, die bisher aber nur punktuell wirken, sollen mittelfristig bundesweit ausgerollt werden.

Das duale Ausbildungssystem ist international anerkannt und wird oft als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Allerdings ist die Qualität der dualen Ausbildung zunehmend durch eine strukturell (nicht demografisch) bedingte Unterversorgung der beruflichen Schulen mit qualifizierten Lehrkräften bedroht, insbesondere in den gewerblich-technischen Fachrichtungen (Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik): Einem jährlichen Nachwuchsbedarf von ca. 1.700 Lehrkräften im fraglichen Bereich standen im Wintersemester 2013/14 nur 863 Studienanfänger gegenüber. Trotz der verbreiteten Einstellung von Quer- und Seiteneinsteigern (die über keine pädagogisch-didaktische Qualifikation verfügen) fehlen jährlich ca. 500 qualifizierte Fachlehrer für den ausbildungsbegleitenden Unterricht in den gewerblich-technischen Fachrichtungen.

Überdies birgt die geringe Studiennachfrage und die damit einhergehende Unterauslastung des entsprechenden Studienangebotes die Gefahr, dass die Studiengänge eingestellt werden, was eine Abwärtsspirale nach sich zieht.

Zwar sind – unter anderem im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" – eine Reihe von Reformansätzen entstanden (zum Beispiel an den Technischen Universitäten Dresden und München, den Universitäten Erfurt und Stuttgart), diese wirken jedoch nur punktuell und lokal und wurden bisher nicht systematisch ausgerollt. Mit Ausnahme der Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die mit einer Änderung ihrer Lehrerausbildungsgesetze und gezielter Programme auf die Mangelsituation reagieren, fehlt es bisher an Ansätzen, die das skizzierte Problem systematisch angehen und über einzelne Reformmodelle hinauswirken.

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Programmziele

Ziel der Berufsschullehrerinitiative ist, die Attraktivität des Studiums zu steigern und darüber mehr Studierende für das Lehramt an den berufsbildenden Schulen zu gewinnen. Eine konsequente Umsetzung des Bologna-Prozesses beispielsweise böte die Chance, die Durchlässigkeit zwischen rein ingenieurwissenschaftlichen und lehramtsbezogenen Studiengängen zu erhöhen. Gegebenenfalls könnte ein lehramtsbezogenes Masterstudium auch für Meister geöffnet werden. Bestehende Reformansätze, die bisher aber nur punktuell wirken, sollen mittelfristig bundesweit ausgerollt werden.

"Wir haben einen extrem hohen Lehrkräftemangel im gewerblich-technischen Bereich."

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Statements von der Auftaktveranstaltung der Berufsschullehrerinitiative

Das Programm ist mit einer bundesweiten Kick off-Tagung am 4. Juli 2016 in Dortmund gestartet, bei der sich unter anderem bestehende Reformmodelle präsentiert haben. Diese Tagung sollte die öffentliche und politische Aufmerksamkeit für das Problem schärfen und alle Stakeholder ins Boot holen.

In der anschließenden, auf zwei Jahre angelegten Programmphase wird ein bundesweites Innovationsnetzwerk Lehramt Berufsbildende Schulen (I-LaBS) gebildet, in dem Hochschullehrer aus allen Bundesländern vertreten sein sollen.

In vom Stifterverband moderierten Netzwerktreffen werden die Erfolgsfaktoren der bestehenden Reformmodelle analysiert und auf dieser Grundlage konkrete Transferkonzepte erarbeitet. Bei Bedarf werden einzelne Aspekte in Arbeitsgruppen des Netzwerks vertieft.

 

Lehrkräftebildung für berufliche Schulen innovieren

Die Ausbildungswege für das Lehramt an beruflichen Schulen sollen attraktiver und bekannter werden. Außerdem soll mehr Nachwuchs gewonnen werden. Dies fordert das Innovationsnetzwerk Lehramt Berufsbildende Schulen in einem am 8. Dezember 2017 veröffentlichten Positionspapier. Die Autoren sehen die Ursachen für das Nachwuchsproblem vor allem in unbegründeten Imageproblemen des Berufsbildes, in zu hohen Anforderungen des Studienganges und in den Studienstrukturen. Hinzu kommt der harte Wettbewerb um technisch interessierte Studierende, die von der Wirtschaft oft abgeworben werden.

Positionspapier

Lehrerbildung in den gewerblich-technischen Fächern für die beruflichen Schulen

Deutsche Berufsschulen haben gravierende Nachwuchsprobleme bei pädagogisch voll ausgebildeten Lehrkräften. Dies gilt besonders für die gewerblich-technischen Fächer. Die Absolventenzahlen dieser Lehramtsstudiengänge verharren auf einem sehr niedrigen Niveau und lassen perspektivisch nicht erwarten, den steigenden Lehrkräftebedarf zu decken. Bildungsexperten sehen mittelfristig die berufliche Bildung gefährdet. In einer am 4. Dezember 2017 veröffentlichten Publikation des Monitors Lehrerbildung fordern sie attraktivere Bedingungen und einen Ausbau von Möglichkeiten des qualitätsgesicherten Quereinstiegs ins Lehramt an beruflichen Schulen.

Publikation

 

 

Programmförderer

Wilo-Foundation
Fritz Henkel Stiftung
Otto Wolff Stiftung

Kontakt

Bettina Jorzik

leitet im Stifterverband den Programmbereich "Lehre und akademischer Nachwuchs".

T 0201 8401-103
F 0201 8401-215

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