Clever konfigurieren: Hochschulkooperationen die geeignete Form geben

Future Lab: Kooperationsgovernance – Diskussionspapier 3

  • Nach Abschluss der Orientierungsphase, in der die Kooperationspartner den Zweck des Vorhabens festgelegt und sich auf Ziele und Rahmenbedingungen verständigt haben, erfolgt in der Konfigurationsphase die Festlegung auf ein Kooperationsformat.
  • Hierbei sollten Organisations- und Rechtsform getrennt betrachten werden und auf Basis eigener Organisationsprinzipien in einem partizipativen Prozess ein zieladäquates Organisationsmodell entwickelt werden.
  • Die dringend benötigte Professionalisierung der Phase muss durch fachliche Expertise und ausreichende Ressourcen sichergestellt werden. Die Rahmenbedingungen sollten durch Gesetzgeber und Fördermittelgeber verbessert werden. Der Gesetzgeber ist aufgerufen, für Wissenschaftskooperationen eine wissenschaftsadäquate rechtliche Infrastruktur bereitzustellen (enabling law).

 
Ansätze für eine Typenbildung für Hochschulkooperationen
hat der Stifterverband in zwei bereits veröffentlichten Diskussionspapieren zum Thema Kooperationsgovernance vorgestellt und typische Problemlagen in Kooperationen herausgearbeitet. Ausgehend von einem Phasenmodell für den idealtypischen Verlauf von Kooperationen werden erste Empfehlungen für die Anbahnung von Kooperationen – die sogenannte Orientierungsphase – gegeben.

Dieses im Februar 2020 veröffentlichte Diskussionspapier wirft nun einen Blick auf zentrale Schritte innerhalb der zweiten Verlaufsphase von Kooperationen – der Konfigurationsphase. Ausgehend von einem Orientierungskonsens, der unter anderem ein gemeinsames Verständnis der Kooperierenden zu Zielen, Arbeitsweisen, Rollen und Ressourcen beinhaltet, stehen im Zentrum der nun folgenden Phase die Entscheidung für einen rechtlichen Ordnungsrahmen, für grundlegende Organisationsprinzipien und zentrale Prozesse.

Vor dem Hintergrund gesetzlicher und finanzieller Rahmenbedingungen stehen den Handelnden grundsätzlich drei Ansätze der Konfiguration einer Kooperationsgovernance zur Verfügung: (1) traditionelle, (2) externe oder (3) minimale Kooperationsformate.

  • Minimalisten: schlanke Strukturen, informelle Prozesse, keine eigene Organisations- und Rechtsform
  • Traditionalisten: Modifikation bestehender Strukturen und Prozesse innerhalb des Ordnungsrahmens von Hochschulen
  • Externalisierer: Nutzung privatrechtlicher Organisationsformen außerhab des Ordnungsrahmens von Hochschulen

Die Herausforderung besteht darin, dass die hinter diesen Ansätzen liegenden Organisations- und Rechtsformen, die nicht genuin auf wissenschaftliche Kooperationen zugeschnitten sind, durch Kooperationspartner und Wissenschaftsmanagement aufwändig auf die eigenen Bedarfe angepasst werden müssen. In Folge entstehen pragmatische Not- und Individuallösungen, die bei den Verantwortlichen eine rechtliche Unsicherheit hinsichtlich der Tragfähigkeit ihrer gefundenen Lösung hinterlässt.

Wichtige Schritte in der Konfigurationsphase:

  • Organisationsprinzipien basierend auf Normen und Werten der Kooperationspartner formulieren
  • Referenzbeispiele für Kooperationsformate identifizieren und auf Stärken und Schwächen prüfen
  • eigenes Organisationsmodell auf Grundlage von Organisationsprinzipien und Kooperationsziel entwickeln und hierbei rechtliche Expertise hinzuziehen
  • Bereitstellung ausreichender Ressourcen sicherstellen und Kooperation verbindlich vereinbaren
  • in Vorbereitung der Umsetzungsphase von Kooperationsvorhabens die räumliche und technische Arbeitsfähigkeit sicherstellen
  • professionelles Projektmanagement fortführen sowie regelmäßige Team-Building-Maßnahmen etablieren

Autoren
Nick Wagner
Sebastian Nieveler
Marte Sybil Kessler

Herausgeber
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Diskussionspapiere

Ziel der Papiere ist es, Orientierung für die Organisation und Gestaltung von Kooperationen zu geben, um häufige Problemlagen vermeiden zu können. Die Ausführungen und Empfehlungen basieren auf Erkenntnissen aus dem Future Lab: Kooperationsgovernance des Stifterverbandes.

Im ersten Diskussionspapier nimmt das Future Lab die Herausforderungen bei der Organisation und Gestaltung kooperativer Wissenschaft unter die Lupe: Hochschulen arbeiten auf vielfältige Weise mit Partnern zusammen – in agilen Netzwerken, komplexen Verbundstrukturen und hochschulübergreifenden Einrichtungen.
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Im zweiten Diskussionspapier stellt das Future Lab ein Vier-Phasen-Modell für Hochschulkooperationen vor: Sie unterliegen einer Art Lebenszyklus, den das Wissenschaftsmanagement mittels spezifischer Schritte und Instrumente gestaltet und begleitet.
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Das vierte Diskussionspapier betrachtet die Umsetzungsphase in Kooperationen. Die Empfehlungen fokussieren insbesondere auf agiles wissenschaftliches Projektmanagement, die kooperationsadäquate Zusammenstellung von Teams und die effiziente Durchführung von Besprechungen in heterogenen Partnerstrukturen.
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Das fünfte Diskussionspapier wirft einen Blick auf zentrale Schritte innerhalb der vierten Verlaufsphase von Kooperationen – der Evaluationsphase. Wie können die Erfüllung von Erwartungen und das Erreichen von Zielen erfasst und beurteilt werden?
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Kontakt

Nick Wagner

ist Programmmanager im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes.

T 030 322982-509
F 030 322982-569

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Mit dem Future Lab bringt der Stifterverband Vertreter aus Hochschulen und Partnereinrichtungen mit Governance-Experten zusammen und erarbeitet Lösungen für Governance-Herausforderungen. Begleitet wird das Future Lab durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Integrationsprojekt "Determinanten und Effekte von Kooperationen in homogenen und heterogenen Forschungsverbünden" des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, der Universität Düsseldorf und des Stifterverbandes.