Integration durch Bildung

Chancen für Flüchtlinge:
Menschen fördern – Veränderungen anstoßen

Die Flüchtlingsinitiative des Stifterverbandes

Die Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft und in unseren Arbeitsmarkt ist eine der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre. Mehr als jeder zweite Flüchtling ist jünger als 25 Jahre. Bildung ist damit der Schlüssel zur Integration.

Mit seinem Sonderprogramm "Integration durch Bildung" will der Stifterverband einen Beitrag dazu leisten, Flüchtlingen eine bessere Zukunft in Deutschland zu ermöglichen, sie für beide Seiten gewinnbringend in unsere Gesellschaft aufzunehmen und somit auch ihre Potenziale für den Arbeitsmarkt bestmöglich zu nutzen.

Nach sorgfältiger Analyse der Bedarfe und Möglichkeiten verfolgt der Stifterverband dabei gemeinsam mit seinen Partnern aus Wirtschaft, Bildung, Politik und Zivilgesellschaft zwei sich ergänzende und in ihrer Wirkung verstärkende Lösungsansätze:

  • Die individuelle Förderung von Flüchtlingen und
  • den gleichzeitigen Aufbau von Strukturen, die dauerhaft die bestmögliche Integration von Flüchtlingen in unser Bildungssystem sicherstellen.
Foto: Dominik Asbach
Mehr als 50 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland sind jünger als 25 Jahre.

Die fünf Aktionslinien

Integration durch Spracherwerb

Die Herausforderung: Die sprachliche Integration von Flüchtlingen und Migranten ist essenziell für ihre gesellschaftliche, kulturelle und politische Teilhabe, und eine solide Beherrschung der deutschen Sprache ist nicht zuletzt eine grundlegende Voraussetzung für den Arbeitsmarkteintritt. 

Trotz der zahlreichen Förderprogramme und Budgeterhöhungen fehlt es an qualifiziertem Lehrpersonal für den Sprachunterricht an Schulen. Die vorhandenen personellen Ressourcen sind inzwischen größtenteils ausgeschöpft, und so gilt es, an anderer Stelle Personalressourcen zeitnah zu aktivieren. Im Rahmen der DaZ-/DaF-Ausbildung im Lehramtsstudium (Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache), die in einigen Bundesländern für alle Lehramtsstudierenden verpflichtend ist, sowie mittels Service-Learning-Angeboten ließen sich für Studierende Praxisfelder erschließen, in denen sie ihr an der Hochschule erworbenes Wissen in der Praxis anwenden. Gleichzeitig können sie die im Unterricht gewonnen Erfahrungen in der Lehrerausbildung reflektieren. 

Die Ziele: Konkret soll es gelingen,

  • Lehramtsstudierende in den (Schul-)Sprachunterricht für Flüchtlinge zu integrieren;
  • DaZ-/DaF-Kompetenzen in der Lehrerausbildung auszubauen;
  • Lehramtsstudierenden die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen praktisch anzuwenden und diese Praxiserfahrung wiederum an der Hochschule zu reflektieren.

Die Maßnahmen: Im Rahmen einer Ausschreibung werden Hochschulprojekte mit jeweils bis zu 60.000 Euro gefördert, die den Einsatz von Studierenden im Bereich der Sprachvermittlung ermöglichen und begleiten. Dabei wird gleichermaßen auf einen Gewinn für die Ausbildung der Studierenden wie für den Spracherwerb der Flüchtlinge geachtet.

Integration durch Vorbilder

Die Herausforderung: Junge (unbegleitete) Flüchtlinge haben – ebenso wie viele deutsche Jugendliche mit Migrationshintergrund – erhebliche Probleme, die Möglichkeiten des deutschen Bildungssystems zu durchschauen und für sich zu nutzen. Es fällt ihnen nicht nur aufgrund fehlender Sprachkenntnisse schwer, den passenden Bildungsweg für sich zu identifizieren.

Die Ziele: VorbilderAkademien vermitteln das Orientierungswissen für eine erfolgreiche Bildungsbiographie. Sie unterstützen Jugendliche mit Migrationshintergrund und junge Flüchtlinge dabei, ihr Leistungspotenzial voll zu entfalten und ein förderliches Netzwerk aufzubauen. Der Fokus der Förderung liegt auf der Unterstützung und Beratung an den Schnittstellen zwischen Schulen und weiterführenden Bildungseinrichtungen.

Die Maßnahmen: Das Talentförderwerk Bildung & Begabung veranstaltet achttägige Akademien, die in den Schulferien in einem Internat oder Tagungshaus stattfinden und für die Jugendlichen kostenfrei sind. In unterschiedlichen Kursen können die Teilnehmenden im Alter von etwa 15 bis 17 Jahren Berufe und Studiengänge für sich entdecken und herausfinden, wie es nach der Haupt- und Realschule oder dem Gymnasium für sie weitergehen kann. Durch das Format werden die individuelle Motivation und Leistungsbereitschaft der Jugendlichen gefördert. Potenzialchecks unterstützen bei der Entscheidung für den eigenen Bildungsweg.

Die Akademie vermittelt den Teilnehmenden den Kontakt zu (Aus-) Bildungsinstitutionen sowie ein Netzwerk aus Vorbildern und Peers – sowohl der eigenen Akademiegruppe als auch von mehreren Hundert ehemaligen Teilnehmern. Vorbilder mit Migrationshintergrund aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichten, wie sie ihre Karriere gemeistert und Schwierigkeiten überwunden haben. Vorgesehen ist die Organisation und Durchführung von drei Akademien (jährlich eine Akademie einschließlich Nachfolgetreffen mit individuellen Coachings) mit jeweils bis zu 48 Jugendlichen. 

Es ist angestrebt, drei Akademien in drei Jahren durchzuführen. Zu jeder Akademie gehört ein Folgeseminar zur weiteren beruflichen Orientierung und Zukunftsplanung.

Förderer haben die Möglichkeit, eine Akademie für eine bestimmte Region zu etablieren. Im Rahmen der Akademie und der Folgeseminare besteht die Gelegenheit, mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und sie beim Aufbau weiterer Netzwerke zu unterstützen oder zum Beispiel Praktikumsplätze zu vermitteln.

Hochschulzugang und Qualifizierung

Die Herausforderung: Flüchtlinge können aus finanziellen, sprachlichen und statusbedingten Gründen oftmals erst mit großer Verzögerung ein Studium in Deutschland aufnehmen.

Die Ziele: Die Aktionslinie verfolgt das Ziel, Flüchtlingen ein niederschwelliges Angebot zur Aufnahme eines Studiums zu bieten, das zu einem akkreditierten Bachelorabschluss führt.

Die Maßnahmen: In Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen bietet Kiron Open Higher Education Flüchtlingen die Möglichkeit, noch während langer Wartezeiten zur Klärung ihres Aufenthaltsstatus direkt ein Online-Studium beginnen zu können. Angeboten werden dabei Tracks in Business & Economics, Engineering, Computer Science und Social Sciences. Dabei können sich die Studierenden im Laufe ihres Studiums spezialisieren. 

Die ersten beiden Studienjahre werden online absolviert, das dritte an einer Partnerhochschule mit akkreditierten Studiengängen. Die angebotenen Online-Kurse stammen dabei von weltweit führenden Hochschulen wie Harvard, Stanford oder dem MIT. Diese werden flankiert von Angeboten wie Online-Sprachkursen, psychologischer Betreuung sowie einem Tandem-Programm mit lokalen Studierenden. 

Der Programmstart erfolgte zum Wintersemester 2015/16 mit knapp 1.000 eingeschriebenen Studierenden. Der Stifterverband möchte möglichst vielen Flüchtlingen die Teilnahme an Online-Kursen von Kiron Open Higher Education ermöglichen. Dafür gründet der Stifterverband einen Förderfonds "Digital Education for Refugees". Je 3.000 Euro ermöglichen die Teilnahme eines weiteren Flüchtlings an einem dreijährigen Bachelor-Studium und einem dazugehörenden Sprachkurs. Unterstützer erhalten Gelegenheit, den geförderten Stipendiaten weiterführende Angebote wie Job- und Praktikumsmöglichkeiten zu unterbreiten.

Unterstützung beim Arbeitsmarkteintritt

Die Herausforderung: Mangelnde berufliche Orientierung ist schon für viele Bildungsinländer ein Hauptgrund dafür, dass sie ohne Ausbildungsplatz bleiben oder ihre Ausbildung frühzeitig abbrechen. Bei Flüchtlingen ist eine entsprechend größere Wissenslücke zu erwarten. Hauptprobleme sind eine ungenügende Reflexion der eigenen Stärken und Interessen sowie eine eingeschränkte Vorstellung von der deutschen Arbeitswelt.

Die Ziele: Die Aktionslinie verfolgt das Ziel einer ganzheitlichen Förderung mit Hilfestellungen bei der Berufswahl für jugendliche Flüchtlinge. Neben Informationen zu konkreten Berufsbildern, Ausbildungswegen und -bedarfen in Deutschland sollen die jungen Menschen dabei lernen, eigene Neigungen und Fähigkeiten zu erkennen und zu reflektieren.

Die Maßnahmen: Der Stifterverband richtet einen Förderfonds "Integration durch Unterstützung beim Übergang in den Arbeitsmarkt" ein, mit dem Projekte und Initiativen unterstützt werden, die Flüchtlingen und Personen mit Migrationshintergrund Informationen über Bildungswege, Berufsfelder und Berufsvorbereitung geben und sie beim erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt begleiten und fördern.

Offener Integrationsfonds

Die Herausforderung: Das Engagement und die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge sind groß. Gleichzeitig sind sowohl der konkrete Unterstützungsbedarf als auch die Rahmenbedingungen für das Engagement ständigen Veränderungen unterworfen, denen sich Hilfsangebote anpassen müssen oder die neue Hilfsangebote entstehen lassen. Dabei ist der Zeitfaktor, also die Geschwindigkeit der Umsetzung und Anpassung, in besonderem Maße entscheidend für den Erfolg der Maßnahmen.

Die Ziele: Gezielte und nachhaltige Förderung von Integration sollte flexibel und schnell auf diese neuen Bedarfslagen und Lösungsansätze reagieren können. Damit können Herausforderungen einerseits schon im Entstehen angegangen werden. Andererseits entstehen so Blaupausen für weitere Maßnahmen, etwa die dauerhafte und flächendeckende Förderung durch staatliche Stellen.

Die Maßnahmen: An den Stifterverband werden immer wieder innovative Förderideen herangetragen, sei es von Partnern im Stiftungsbereich, Akteuren im Bildungswesen, unseren Mitgliedsunternehmen oder Einzelpersonen. Der Offene Integrationsfonds des Stifterverbandes ermöglicht die flexible und qualitätsgesicherte Förderung solcher Ideen. 

In den Anträgen an den Offenen Integrationsfonds werden Projektziele und Partner benannt und dargelegt, ob und inwieweit das Projekt modellbildend und damit übertragbar ist. Der Stifterverband prüft die Anträge und wählt die Förderprojekte aus. Die Entscheidung über die Förderung treffen Präsident und Generalsekretär, ggf. gemeinsam mit den Förderern, die am Fonds beteiligt sind.

Förderer können auf Wunsch in die Auswahl der Förderprojekte eingebunden werden. Darüber hinaus können je nach Beschaffenheit der Projekte und den Anliegen der Förderer weitere Beteiligungsmöglichkeiten gemeinsam entwickelt werden.

Foto: Dominik Asbach
Die Sprachbarriere ist das größte Integrationshindernis.

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