INSIGHTS: Im Rahmen der MINT-Strategie des Landes hat Rheinland-Pfalz in einem Modellprojekt (siehe Kasten) mit der Allianz für Schule Plus kooperiert. Was war das Ziel der Kooperation und wie fügt sie sich in die MINT-Strategie ein?
Sven Teuber: Kooperationen von Schulen mit außerschulischen Partnern sowie regionale Vernetzung sind zentrale Punkte unserer Strategie „MINT läuft“. Rheinland-Pfalz hat sich damit bereits im Jahr 2016 auf den MINT-Weg gemacht. Mittlerweile sind fünf von neun Landesministerien Teil der MINT-Strategie, zuletzt kam im Herbst 2025 das Frauenministerium dazu. Wir haben elf MINT-Regionen und 22 regionale MINT-Projekte gefördert und bisher mehr als 400 Kooperationspartnerinnen und -partner in den Regionen zusammengeführt. Man kann sagen: MINT läuft bei uns landesweit und auf ganz viele Ebenen.
Zukunftsmission Bildung · außerschulisches Lernen
„Ohne Notendruck Neues lernen“
Rheinland-Pfalz will Kinder für Technik begeistern. Im Interview erklärt Sven Teuber, Bildungsminister des Landes, warum klassischer Unterricht allein nicht reicht und wie die Kooperation mit der „Allianz für Schule Plus“ Barrieren abbauen soll.
„Außerschulische MINT-Partner sollen keine Lehrkräfte oder den Schulunterricht ersetzen. Sie erweitern und ergänzen das Angebot der Schulen sinnvoll, denn sie bieten andere Zugänge und Praxiseinblicke.“
Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz die qualitätsvolle Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern?
Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland, dem tragen wir mit unserer MINT-Strategie Rechnung. Wir haben Förderwettbewerbe für den Aufbau von regionalen Netzwerken ausgerichtet mit dem Ziel, externe Partner in die MINT-Bildung einzubinden. Wir geben Geld für MINT-Mobile, die hochwertige und praxisnahe MINT-Angebote in den ländlichen Raum tragen. Zudem schneiden wir Angebote speziell auf Schularten zu: Im Raum Trier starten gerade Maßnahmen zur Einbindung externer MINT-Angebote in den schulischen Ganztag.
Das Projekt „MINT-Space Trier“ der Hochschule Trier nimmt gezielt die Realschule plus in den Blick. In Kooperation mit der Kurfürst Balduin Realschule plus wird eine MINT-AG angeboten, die Raum für Bau- und Programmierprojekte und Projekte im Lehrgarten bietet. Das Projekt „FINE – Forschen durch interaktives Entdecken“ der Universität Trier richtet sich an Grundschulkinder, die im Ganztag spielerisch an mathematisches Denken herangeführt werden. Die kleine Feldmaus „Fine“ – ausgestattet mit Lupe, Notizbuch und Stift – lädt sie dazu ein, Zahlen, Formen und Muster in ihrer Umwelt zu entdecken und zu erforschen. Außerdem wollen wir Mittel aus dem Startchancen-Programm nutzen, um MINT-Bildung in Schulen zu tragen, die aufgrund ihrer Lage im Sozialraum mit großen Herausforderungen umgehen müssen. Für Ganztags- und Startchancen-Schulen gibt es Empfehlungslisten mit MINT-Akteuren, die Interesse an der Zusammenarbeit mit Schulen haben.
Außerschulische MINT-Partner sollen und müssen keine Lehrkräfte oder den Schulunterricht ersetzen. Sie erweitern und ergänzen das Angebot der Schulen sinnvoll, denn sie bieten andere Zugänge und Praxiseinblicke. Und Schülerinnen und Schüler können dort freier und ohne Notendruck Neues lernen. Das ist für mich entscheidend.
Die Allianz für Schule Plus ist ein breites Bündnis, das die Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnern verbessern möchte. Wie kann die Allianz aus Ihrer Sicht am besten ihren Beitrag leisten?
Das Bündnis schafft vor allem Transparenz und zeigt gute Beispiele. Wir können daraus lernen, wie gute Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Partnern aussehen – und daraus weitere Maßnahmen entwickeln, um MINT-Bildung gemeinsam noch besser zu machen.
Allianz für Schule Plus
Deutschlands Schülerinnen und Schüler fallen im internationalen Vergleich zurück. Ein wichtiger Baustein, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind außerschulische Initiativen. Sie bieten die Chance, die Leistungsspitze zu fördern, die Bildungsgerechtigkeit zu verbessern, bei der Berufsorientierung zu unterstützen und MINT-Kompetenzen und Demokratieverständnis zu stärken. Ziel der Allianz ist es deshalb, sie nachhaltig und flächendeckend im Schulsystem wirksam werden zu lassen - als zentralen Bestandteil eines übergreifenden Bildungsraums: von der Schule zu Schule Plus.