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Zukunftsmission Bildung · außerschulisches Lernen

„Ohne Notendruck Neues lernen“

Sven Teuber, Bilcungsminister Rheinland-Pfalz, bei einem MINT-Experiment mit Äpfeln. Mehrere Grunsschulkinder schauen zu
Foto: Kristina Schäfer
Text Alexandra Mankarios
Veröffentlicht am 03.02.2026
Lesezeit 6 Minuten

Rheinland-Pfalz will Kinder für Technik begeistern. Im Interview erklärt Sven Teuber, Bildungsminister des Landes, warum klassischer Unterricht allein nicht reicht und wie die Kooperation mit der „Allianz für Schule Plus“ Barrieren abbauen soll.

INSIGHTS: Im Rahmen der MINT-Strategie des Landes hat Rheinland-Pfalz in einem Modellprojekt (siehe Kasten) mit der Allianz für Schule Plus kooperiert. Was war das Ziel der Kooperation und wie fügt sie sich in die MINT-Strategie ein?
Sven Teuber: Kooperationen von Schulen mit außerschulischen Partnern sowie regionale Vernetzung sind zentrale Punkte unserer Strategie „MINT läuft“. Rheinland-Pfalz hat sich damit bereits im Jahr 2016 auf den MINT-Weg gemacht. Mittlerweile sind fünf von neun Landesministerien Teil der MINT-Strategie, zuletzt kam im Herbst 2025 das Frauenministerium dazu. Wir haben elf MINT-Regionen und 22 regionale MINT-Projekte gefördert und bisher mehr als 400 Kooperationspartnerinnen und -partner in den Regionen zusammengeführt. Man kann sagen: MINT läuft bei uns landesweit und auf ganz viele Ebenen.

Deshalb war jetzt der richtige Zeitpunkt, mit der Allianz für Schule Plus einen Schritt weiterzugehen. Wir haben dabei die uns so wichtige Verzahnung von schulischem und außerschulischem Lernen in den Blick genommen und uns die Frage gestellt: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit MINT-Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Anbietern gut gelingen – und was sind mögliche Hindernisse?

Welche Erkenntnisse haben Sie für die MINT-Strategie des Landes gewonnen? 
Grundsätzlich sehen wir uns bestätigt, denn eine Studie im Rahmen des Modellprojekts zeigt, dass außerschulische Kooperationen das MINT-Interesse positiv beeinflussen. Wir werden deshalb unseren Weg fortsetzen, diese Kooperationen durch den Aufbau von Netzwerkstrukturen zu unterstützen. Derzeit profitieren insbesondere an MINT interessierte Schülerinnen und Schüler von außerschulischen Angeboten. Wir möchten aber auch diejenigen erreichen, die sich im Unterricht mit diesen Fächern schwerer tun – egal ob Mädchen oder Jungen. Speziell für diese Schülerinnen und Schüler wollen wir mit unseren Partnerinnen und Partnern Maßnahmen weiterentwickeln, die beispielsweise durch Bezugnahme auf den Alltag der Kinder und Jugendlichen niederschwellige Zugänge zu MINT eröffnen. Zudem sehen wir den Bedarf an passenden Qualifizierungsangeboten, die die Verzahnung von schulischen und außerschulischen MINT-Angeboten unterstützen. Den befriedigen wir bereits mit Formaten wie dem Fachtag Ganztag@MINT, aber wir werden natürlich auch für die Zukunft entsprechende weitere Qualifizierungsformate planen.

Das Modellprojekt

Gemeinsam haben die Allianz für Schule Plus und das Ministerium für Bildung in Rheinland-Pfalz ein Modellprojekt aufgesetzt, um die Erfolgsfaktoren und möglichen Hürden für MINT-Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Anbietern zu identifizieren. Daraus werden Handlungsempfehlungen für die MINT-Strategie des Landes Rheinland-Pfalz entwickelt und Maßnahmen abgeleitet. Kern des Projekts war eine zweistufige Befragung von Schulen verschiedener Schulformen: Im Mai 2025 nahmen die Schulen an einer digitalen Umfrage teil, von Juni bis September 2025 folgten qualitative Interviews. 

Porträtbild Sven Teuber, Bildungsminister Rheinland-Pfalz
Foto: Ministerium für Bildung/Linda Blatzek

„Außerschulische MINT-Partner sollen keine Lehrkräfte oder den Schulunterricht ersetzen. Sie erweitern und ergänzen das Angebot der Schulen sinnvoll, denn sie bieten andere Zugänge und Praxiseinblicke.“

Sven Teuber
Bildungsminister Rheinland-Pfalz

Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz die qualitätsvolle Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern?
Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland, dem tragen wir mit unserer MINT-Strategie Rechnung. Wir haben Förderwettbewerbe für den Aufbau von regionalen Netzwerken ausgerichtet mit dem Ziel, externe Partner in die MINT-Bildung einzubinden. Wir geben Geld für MINT-Mobile, die hochwertige und praxisnahe MINT-Angebote in den ländlichen Raum tragen. Zudem schneiden wir Angebote speziell auf Schularten zu: Im Raum Trier starten gerade Maßnahmen zur Einbindung externer MINT-Angebote in den schulischen Ganztag.

Das Projekt „MINT-Space Trier“ der Hochschule Trier nimmt gezielt die Realschule plus in den Blick. In Kooperation mit der Kurfürst Balduin Realschule plus wird eine MINT-AG angeboten, die Raum für Bau- und Programmierprojekte und Projekte im Lehrgarten bietet. Das Projekt „FINE – Forschen durch interaktives Entdecken“ der Universität Trier richtet sich an Grundschulkinder, die im Ganztag spielerisch an mathematisches Denken herangeführt werden. Die kleine Feldmaus „Fine“ – ausgestattet mit Lupe, Notizbuch und Stift – lädt sie dazu ein, Zahlen, Formen und Muster in ihrer Umwelt zu entdecken und zu erforschen. Außerdem wollen wir Mittel aus dem Startchancen-Programm nutzen, um MINT-Bildung in Schulen zu tragen, die aufgrund ihrer Lage im Sozialraum mit großen Herausforderungen umgehen müssen. Für Ganztags- und Startchancen-Schulen gibt es Empfehlungslisten mit MINT-Akteuren, die Interesse an der Zusammenarbeit mit Schulen haben.

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Welche Rolle spielen außerschulische MINT-Partner im Schulsystem – insbesondere mit Blick darauf, dass deutschlandweit an vielen Schulen MINT-Lehrkräfte fehlen und viele Schülerinnen und Schüler die Mindeststandards in den MINT-Fächern verfehlen?
MINT-Lehrkräfte sind unverzichtbar für gute schulische MINT-Bildung. Die Lehrkräfte erreichen alle jungen Menschen und sie wissen, wie man die kindliche Neugier und Begeisterung für MINT wecken und fördern kann. In Rheinland-Pfalz sind wir in der glücklichen Lage, auch in diesem Jahr alle Planstellen mit ausgebildeten Lehrkräften besetzen zu können. Dennoch sehen wir natürlich die Herausforderungen bei den MINT-Basiskompetenzen, weshalb wir verstärkt auf datengestützte Schulentwicklung und den Einsatz von Förder- und Diagnoseprogrammen wie zum Beispiel „bettermarks“ für Mathematik setzen. Die Tools helfen dabei, Fehlermuster und Wissenslücken aufzudecken – in der Lerngruppe und bei den einzelnen Schülerinnen und Schülern –, und ermöglichen so eine zielgerichtete Förderung.

Außerschulische MINT-Partner sollen und müssen keine Lehrkräfte oder den Schulunterricht ersetzen. Sie erweitern und ergänzen das Angebot der Schulen sinnvoll, denn sie bieten andere Zugänge und Praxiseinblicke. Und Schülerinnen und Schüler können dort freier und ohne Notendruck Neues lernen. Das ist für mich entscheidend.

Die Allianz für Schule Plus ist ein breites Bündnis, das die Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnern verbessern möchte. Wie kann die Allianz aus Ihrer Sicht am besten ihren Beitrag leisten?
Das Bündnis schafft vor allem Transparenz und zeigt gute Beispiele. Wir können daraus lernen, wie gute Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Partnern aussehen – und daraus weitere Maßnahmen entwickeln, um MINT-Bildung gemeinsam noch besser zu machen.

Allianz für Schule Plus

Deutschlands Schülerinnen und Schüler fallen im internationalen Vergleich zurück. Ein wichtiger Baustein, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind außerschulische Initiativen. Sie bieten die Chance, die Leistungsspitze zu fördern, die Bildungsgerechtigkeit zu verbessern, bei der Berufsorientierung zu unterstützen und MINT-Kompetenzen und Demokratie­verständnis zu stärken. Ziel der Allianz ist es deshalb, sie nachhaltig und flächendeckend im Schulsystem wirksam werden zu lassen - als zentralen Bestandteil eines übergreifenden Bildungsraums: von der Schule zu Schule Plus. 

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