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Zukunftsmission Bildung · außerschulisches Lernen

Bildung als Teamaufgabe

Schülergruppe bauen im Technikunterricht ein Fahrzeug
Foto: Getty images via unsplash.com

Wer sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT, interessiert, ist an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Morbach gut aufgehoben. Die rheinland-pfälzische Schule hat sich MINT-Förderung fest ins Schulkonzept geschrieben. Interessierte Schülerinnen und Schüler nehmen an Wettbewerben teil, besuchen Museen und Hochschulen oder bauen in AGs eigene Photovoltaikanlagen. Aktuell errichtet die Schule ihren eigenen Makerspace. Dass solche Angebote möglich sind, liegt auch an den starken Kooperationen der Schule: mit den MINT-Netzwerken des Bundeslandes, Stiftungen, Hochschulen. „Wir brauchen Fördergelder, um die Schule gut auszustatten. Und bei unseren MINT-Fahrten bekommen die Jugendlichen Einblicke, die wir ihnen hier nicht bieten können“, sagt Lehrerin Susanne Ruhk. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Feil ist sie MINT-Koordinatorin an der Schule.

Noch vor vier Jahren spielte MINT kaum eine Rolle an der IGS Morbach. „Eine Praktikantin hat uns auf die Idee gebracht. Sie war vorher an einer Schule mit vielen MINT-Aktivitäten. So etwas wollten wir auch anbieten“, erzählt Ruhk. Das Beispiel zeigt, wie viel engagierte Lehrkräfte mithilfe von Kooperationen in wenigen Jahren aufbauen können. Es zeigt auch: Ob Schulen Kooperationen eingehen, hängt vom Zufall und von dem Einsatz einzelner Lehrkräfte ab.

Allianz für ein besseres Bildungssystem

Der Stifterverband will das ändern – zu wichtig sind außerschulische Lernpartner, um ihre Zusammenarbeit mit Schulen dem Zufall zu überlassen, nicht nur im MINT-Bereich. Kooperationen bringen dringend benötigte Förderung in verschiedenen Schulfächern und auf weiteren wichtigen Gebieten, darunter sozial-emotionale Kompetenzen oder Demokratiebildung, sowie wertvolle Praxiseinblicke an die Schulen. 

Im Rahmen seiner Zukunftsmission Bildung hat der Stifterverband deshalb zusammen mit Partnern 2025 die Allianz für Schule Plus gestartet – als eine von vier Allianzen, um das Bildungssystem zukunftsfähiger zu machen. In dem Bündnis kommen Akteure aus Schulsystem, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zusammen. Gemeinsam wollen sie außerschulische und schulische Angebote strukturell besser verzahnen. Studien zeigen unter anderem, dass viel Potenzial verpufft, wenn etwa außerschulische Akteure an den Schulen kaum eingebunden sind oder außerschulische Lernangebote nicht mit dem Unterrichtsstoff verknüpft werden.

Um Schulen und außerschulische Partner zusammenzubringen, geht die Allianz für Schule Plus verschiedene Wege: Unter anderem ermittelt sie zunächst in Modellprojekten in verschiedenen Bundesländern, was zum Gelingen von außerschulischen Kooperationen beiträgt. Darüber hinaus erarbeitet sie Service- und Qualifikationsangebote für Schulen und außerschulische Partner.

Um außerschulische Initiativen besser mit Schulen zu verknüpfen, bringt die Zukunftsmission Bildung zentrale Akteure in der Allianz für Schule Plus zusammen. Drei Veränderungshebel stehen im Fokus:

Bessere Rahmenbedingungen: Modellprojekte zeigen, wie Kooperationen gelingen – etwa zur MINT-Bildung in Rheinland-Pfalz oder zum Thema Bildungsgerechtigkeit im Ruhrgebiet.

Mehr Orientierung: Der Kompass Bildungsförderung Deutschland unterstützt Schulen bei der Suche nach außerschulischen Kooperationspartnern.

Qualifizierung & Dialog: Angebote wie Fachtagungen stärken die Kompetenzen von schulischem Personal und außerschulischen Partnern für eine bessere Zusammenarbeit

Wie außerschulische Kooperationen gelingen

In einem Modellprojekt in Rheinland-Pfalz hat die Allianz für Schule Plus zusammen mit dem Bildungsministerium des Landes ermittelt, welche Faktoren zum Gelingen außerschulischer MINT-Kooperationen beitragen. Auch die Erfahrungen der IGS Morbach sind in das Modellprojekt eingeflossen. Insgesamt zehn Gelingensbedingungen konnte das Projekt identifizieren. So sollten Kooperationen unter anderem in Schulkonzept und ‑organisation verankert sein und zielgruppengerecht, lebensweltorientiert und diversitätssensibel alle Schülerinnen und Schüler ansprechen. Sowohl Lehrkräfte und Schulleitungen als auch außerschulische Partner brauchen Kompetenzen, um Kooperationen einzugehen und Projekte zu entwickeln. Ebenfalls wichtig: Verlässlichkeit, langfristige Perspektiven und persönliche Beziehungen zwischen Lehrkräften und Partnern. Zentral sind außerdem die zeitlichen, personellen und organisatorischen Ressourcen an der Schule, um Kooperationen strategisch zu gestalten.

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Wie wichtig die Ressourcen auf Schulseite sind, lässt sich gut an der Grundschule Osburg sehen, die ebenfalls am Modellprojekt teilgenommen hat. Seitdem hier vor zehn Jahren Räume frei geworden sind und die Schülerinnen und Schüler in einer Umfrage Interesse an Natur und Computern bekundet hatten, hat die Schule einen beachtlichen MINT-Schwerpunkt aufgebaut. Außerschulische Partner haben dabei eine zentrale Rolle gespielt, unter anderem die Stiftung Kinder forschen, die Wissensfabrik KiTec und das rheinland-pfälzische Landesprojekt RoboLab. Inzwischen wurde die Schule mehrfach ausgezeichnet und ist in regionalen Netzwerken aktiv. Der Erfolg bestärkt Schulleiter Ronny Blügel. „Wir können den Kindern mehr Perspektiven auf mathematische, technische und logische Zusammenhänge bieten. Kinder, die in den schriftlichen Leistungsnachweisen nicht ihr Potenzial zeigen können, blühen durch unsere MINT-Lernangebote auf“, sagt Blügel. 

An Grenzen stößt er allerdings bei dem Besuch außerschulischer Lernorte. Die 2.200-Seelen-Gemeinde Osburg ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut angebunden, deshalb muss er für Fahrten zu außerschulischen Lernorten jedes Mal einen Bus für bis zu 600 Euro anmieten. „Dafür haben wir kein Budget“, sagt Blügel. Darum lädt er, wann immer möglich, Expertinnen und Experten an die Schule ein, etwa von den regionalen Kooperationspartnern. Damit alles pädagogisch gut eingebettet ist, sprechen sich die Lehrkräfte im Vorfeld genau mit den Partnern ab und entwickeln ihren Unterricht um den Besuch herum.

„Ich wünsche mir, dass Schulen zu Lebensknotenpunkten werden, an denen sich nicht nur Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler begegnen, sondern auch Eltern und andere engagierte Menschen aus dem Stadtteil.“

Oliver Beddies
Bereichsleiter Bildungslandschaft und Sprachbildung bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)

Bildung ist die gemeinsame Aufgabe von Schule und Zivilgesellschaft

Nicht nur in Osburg hängt viel davon ab, wie gut sich Schulen und außerschulische Partner abstimmen. Häufig gibt es an Schulen keine festen Ansprechpersonen für Kooperationen. Im stressigen Unterrichtsalltag bleibt nur wenig Zeit, um außerschulische Partner enger einzubinden und zum Beispiel über Unterrichtsthemen oder Schulentwicklungsziele zu informieren. Umgekehrt fällt es außerschulischen Partnern nicht immer leicht, passgenaue Angebote für die Kinder und Jugendlichen zu entwickeln. Sind sie nur punktuell an einer Schule aktiv, können sie den Wissensstand kaum einschätzen. Hinzu kommt: Pädagogisch sind sie häufig nicht so gut ausgebildet wie Lehrkräfte.

Deutschsommer: teilnehmende Kinder lächeln in die Kamera
Foto: SPTG/Eichler
Sommercamp zur Deutschförderung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Spielerisch lernen im Klassenzimmer
SPTG/Eichler
Spielerisch deutsch lernen

Allerdings sei es auch gar nicht ihr Anspruch, Lehrkräfte zu ersetzen, sagt Oliver Beddies, Bereichsleiter Bildungslandschaft und Sprachbildung bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG). Dafür seien Lernangebote außerschulischer Partner häufig spielerischer und dadurch besonders motivierend. Die SPTG fördert Bildungs- und Teilhabeprojekte in Frankfurt, zum Beispiel ein Sommercamp zur Deutschförderung oder ein Stipendium, das begabte Kinder und ihre Eltern bei dem Übergang auf die weiterführende Schule begleitet. „Wir verstehen Bildung als Gemeinschaftsaufgabe von Schulen und Zivilgesellschaft – heute mehr denn je, weil die Bedarfe der Kinder sehr gestiegen sind“, sagt Beddies. „Als Frankfurter Stiftung verfolgen wir das Ziel, dass sich Menschen für diese Stadt engagieren. Unsere Projekte sollen sie dazu befähigen. Zum Beispiel nehmen wir Sprachförderung so ernst, weil ohne Sprachkenntnisse Kommunikation und Teilhabe sehr schwierig sind.“

Beddies ist Mitglied im Sounding Board der Allianz für Schule Plus, zusammen mit 29 weiteren Vertreterinnen und Vertretern von Stiftungen, Verbänden und Unternehmen. Das Gremium tauscht sich zu den Aktivitäten der Allianz aus und bestimmt zusammen mit einer Impulsgruppe die Marschrichtung. Gemeinsam mit dem Stifterverband und weiteren Partnern haben alle Beteiligten eine Charta verabschiedet, die die Ziele und Arbeitsweisen der Allianz für Schule Plus beschreibt. Dort heißt es: „Zum Bildungssystem gehören unserem Verständnis nach Schulen und außerschulische Bildungsakteure gleichermaßen – sie leisten eigenständige und gleichwertige Beiträge dafür, dass jedes Kind bestmöglich und frühestmöglich entsprechend seinen Interessen und Stärken gefördert werden kann, um sein individuelles Potenzial voll ausschöpfen zu können.“ Diversität und Vielfalt gelten laut der Charta als Normalität, die Förderung von Chancengerechtigkeit gehört zu den Grundprinzipien der Allianz. Beddies möchte mit seinem Einsatz erreichen, dass Schulen und außerschulische Partner enger zusammenwachsen. „Ich wünsche mir, dass Schulen zu Lebensknotenpunkten werden, an denen sich nicht nur Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler begegnen, sondern auch Eltern und andere engagierte Menschen aus dem Stadtteil“, beschreibt Beddies seine Vision. „Schulen sollen Orte sein, an denen eine vielfältige und ganzheitliche Bildungsarbeit für Geist und Körper stattfindet.“

Warum das wichtig ist

Die Zukunftsmission Bildung

Mit der Zukunftsmission Bildung will der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet. Dazu bringt er relevante Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einer Gemeinschaftsinitiative zusammen und entwickelt gemeinsam mit ihnen Aktivitäten in vier starken Allianzen. Denn um die großen Herausforderungen im Bildungssystem zu lösen, braucht es wirkungsvolle Umsetzungspartnerschaften – die gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen, gemeinsame Ziele verfolgen und die Rahmenbedingungen so förderlich gestalten, dass langfristige Verbesserungen im Bildungssystem wirksam werden.

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