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Bildungspolitik in
Rheinland-Pfalz:
Analyse der Wahlprogramme 2026

Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz

Der Stifterverband hat sich den bildungspolitischen Teil der Wahlprogramme der sieben wichtigsten Parteien angesehen, die bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026 antreten werden. Schwerpunkte bilden dabei die Lehrkräftebildung sowie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern.

Zusammenfassende Kommentierung
aus Sicht des Stifterverbandes

 
Für die Lehrkräftebildung wurden in Rheinland-Pfalz bereits wichtige Schritte eingeleitet: Das Land ist bisher das einzige, in dem der Erwerb von KI-Kompetenzen in allen Lehramtsstudiengängen verbindlich verankert ist, und es setzt seit Jahren eine umfangreiche MINT-Strategie um. Gleichzeitig verdeutlichen aktuelle Daten zu Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot den massiven Handlungsdruck: Während für das Grundschullehramt und Sonderpädagogik voraussichtlich mehr als doppelt so viele Lehrkräfte zur Verfügung stehen als benötigt werden, ist für die Sekundarstufe I und die beruflichen Fachrichtungen davon auszugehen, dass nur ca. 30 bis 40 Prozent des Bedarfs gedeckt werden können. Zudem dokumentiert der aktuelle IQB-Bildungstrend 2024 auch in Rheinland-Pfalz trotz der MINT-Strategie einen besorgniserregenden Leistungsabfall in den Naturwissenschaften.

Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Lehrkräftebildung in den Wahlprogrammen strukturell nicht die bildungspolitische Priorität erhält, die sie aus Sicht des Stifterverbandes haben müsste, um den Lehrkräftebedarf nachhaltig decken zu können. Die durch Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) eröffneten Möglichkeiten für Ein-Fach-Lehrkräfte oder duale Lehramtsstudiengänge werden von den Parteien bedauerlicherweise nur zögerlich aufgegriffen. Zwar thematisieren einige Parteien konkrete Ansätze, jedoch bleibt der im Lehrkräftetrichter beschriebene massive Schwund insbesondere zu Studienbeginn in allen Programmen nahezu unberücksichtigt. Auch die Risiken durch die ungeregelten Bedingungen für den Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte (sogenannte "PES-Lehrkräfte") bleiben in den Programmen gänzlich außer Acht.

Beim Thema der Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnern zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Ganztag. Die Parteien heben finanzielle Mittel und Qualitätsentwicklung im Ganztag sowie punktuelle Kooperationen in Bereichen wie MINT, Sport oder Berufsorientierung hervor. Es mangelt jedoch an einer klaren Strategie, wie Kooperationen curricular verankert und für alle Schüler zugänglich gemacht werden können. Auch die von der KMK vorgeschlagene neue, erweiterte Rolle der Schulaufsicht findet in den Wahlprogrammen keine Beachtung.

Insgesamt zeigt die Analyse der Wahlprogramme: Rheinland-Pfalz verfügt über wertvolle Einzelbausteine, insbesondere bei der digitalen Bildung und MINT-Infrastruktur, doch steht eine kohärente, langfristige Gesamtstrategie und Evaluation bisheriger Maßnahmen bisher aus. Die Programme enthalten viele Absichtserklärungen, bleiben aber oft vage bei der Frage, wie neue Zielgruppen für den Lehrerberuf erschlossen oder der Schwund im Studium adressiert werden sollen. Um die Qualität schulischer Bildung nachhaltig zu sichern, müssen strukturelle Reformen in der Lehrkräftebildung sowie eine konsequente Einbeziehung außerschulischer Partner eine deutlich stärkere bildungspolitische Priorität erhalten. 

 
DIE WAHLPROGRAMME DER PARTEIEN

Zukunftsmission Bildung (Logo)
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2024 hat der Stifterverband die Zukunftsmission Bildung gestartet, um das Bildungssystem in die Lage zu versetzen, schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterzubilden. Dies geschieht in vier thematischen Allianzen – darunter die Allianz für Lehrkräfte und die Allianz für Schule Plus.

Unser zentrales Ziel für die Lehrkräftebildung ist es, die prognostizierte Lehrkräftelücke von bundesweit ca. 68.000 Lehrkräften bis 2030 (mindestens) zu halbieren. Hinsichtlich der Kooperation von schulischen und außerschulischen Akteuren möchten wir die systemische Verzahnung von schulischem und außerschulischem Lernen erreichen, damit Schule und Ganztag zum Bildungsraum für alle werden, in dem Schülerinnen und Schüler Talente entdecken und Kenntnisse vertiefen können. Die bildungspolitischen Rahmenbedingungen auf Landesebene sind hierfür zentral.

Website der Zukunftsmission Bildung

 

Kontakt

Judith Koeritz (Foto: Marcel Schwickerath)
Judith Koeritz (Foto: Marcel Schwickerath)

Judith Koeritz

ist Programmmanagerin im Bereich
"Programm und Förderung".

T 030 322982-550

Bettina Jorzik (Foto: Damian Gorczany)
Bettina Jorzik (Foto: Damian Gorczany)

Bettina Jorzik

ist Programmleiterin für Hochschullehre, Lehrkräftebildung und MINT sowie Leiterin der Zukunftsmission Bildung.

T 0201 8401-103

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