Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl am 22. März 2026
Wie wollen die Parteien auf Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz in der Lehrkräftebildung reagieren?
- Wir nutzen die Chancen von Künstlicher Intelligenz, um Lernen individueller und selbstbestimmter zu gestalten. Dafür stellen wir auch zukünftig allen Schulen eine kostenfreie KI-Plattform zur Verfügung und qualifizieren Lehrkräfte, damit sie moderne KI-Tools sicher und kreativ im Unterricht einsetzen können. (S. 17)
- Die Infrastruktur von Schülerinnen und Schülern so-wie Lehrerinnen und Lehrern werden wir dementsprechend konsequent weiter ausbauen. Unsere Schulen sind an leistungsfähige digitale Netze angebunden. (S. 17)
- Das Lernen der Zukunft braucht auch die Lehrerbildung der Zukunft: Insbesondere die digitale Bildung und moderne Unterrichtsformen prägen heute nicht nur den Unterricht, sie verändern auch den Lehrerberuf. Lehrkräfte werden zu Lernbegleitern und Talentförderern, die individuell unterstützen, Lernfreude wecken und Kompetenzen stärken. Neben der Fachkompetenz rücken die pädagogische Begleitung und die Förderung selbstständigen Lernens in den Mittelpunkt. So wird jede Lehrkraft in der Rolle und Persönlichkeit weiter gestärkt. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir die Lehramtsausbildung weiter. Zudem stärken wir gezielt, praxisnah und bedarfsorientiert Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte. (S. 21)
- Qualifikationen der Lehrkräfte sind für den Einsatz digitaler Werkzeuge unerlässlich. (S. 48)
- Insbesondere in Bezug auf KI, Deepfakes und Quellenkritik müssen Schüler:innen und Lehrkräfte geschult und sensibilisiert werden. (S. 48)
- Das digitale Lernen kann barrierefreies und lebensnahes Lernen unterstützen. Anstelle von kategorischen Handyverboten setzen wir auf Medienkompetenz und sichere Nutzungsräume. (S. 48)
- Für die Lehrkräfte konnten wir Laptops und Tablets als dienstliche Leihgeräte etablieren sowie mit dem digitalen Kompetenzzentrum eine Anlaufstelle für Fortbildungen und Beratung schaffen. Mit FOBIZZ stellt das Land KI-Anwendungen den Schulen kostenlos zur Verfügung. Mit dem KI-Campus Rheinland-Pfalz und der landesweiten KI-Initiative haben wir zudem die Grundlagen für den Einsatz von KI im Bildungsbereich geschaffen. (S. 3)
- Wir werden die Möglichkeiten, die KI für die individuelle Förderung und Lernbegleitung bietet, nutzen. Dabei sollen digitale Technologien die Lehrkräfte als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter unterstützen. (S. 11)
- Digitalassistentinnen und Digitalassistenten für alle Schulen etablieren, die die technische Ausstattung einrichten und warten und auch für Fragen der Lehrerschaft beim Einsatz der Technik zur Verfügung stehen (S. 11)
- Wir werden Module zur "Didaktik digitalen Lernens" in der Ausbildungsverordnung für das zweite Staatsexamen verankern und so zu einem festen Bestandteil der Lehrerausbildung machen. (S. 11)
- Wir werden das Angebot des Pädagogischen Landesinstituts für Fortbildungen zur Didaktik des digitalen Lernens deutlich ausbauen und in der Fläche des Landes verfügbar machen. (S. 11)
- Wir bauen die KI-Forschung und -Lehre weiter aus. (S. 17)
- Sowohl Schulen als auch Hochschulen müssen technisch und pädagogisch in der Lage sein, digitale Werkzeuge sinnvoll einzusetzen. (S. 18)
- Jede Lehrkraft, jede Schülerin und jeder Schüler ab Klasse 8 soll über ein digitales Endgerät verfügen. IT-Fachkräfte kümmern sich um die technische Infrastruktur, damit Lehrkräfte mehr Zeit für den Unterricht haben. Dazu gehört aber auch, dass Lehrkräfte digitale Didaktik tatsächlich beherrschen. Deshalb werden Fortbildungen praxisorientiert und durch ein landesweites Programm unterstützt. Wir setzen auf Kooperationen mit Wirtschaft und Hochschulen, etwa nach dem Vorbild der KI-Skilling-Initiative von Nordrhein-Westfalen. (S. 18)
- Digitale Bildung bedeutet mehr als Technik, und sie verlangt neue Formen des Lernens. Deshalb gilt es, von Anfang an die digitalen Kompetenzen als Schlüssel- und Querschnittsaufgabe zu begreifen und zu fördern. (S. 18)
- Die AfD fordert, digitale Technik dort einzusetzen, wo sie den Unterricht verbessert. Künstliche Intelligenz kann Lehrer entlasten, darf aber Lehrer nicht ersetzen. Grundschulen bleiben frei von Tablet-Computern. (S. 43)
- Künstliche Intelligenz verstehen wir nicht als Bedrohung, sondern als Chance, um Bildung, Verwaltung und Wirtschaft zukunftsfähig zu machen. Schulen und Hochschulen müssen digitale Kompetenzen vermitteln, die Landesverwaltung KI sinnvoll einsetzen (S. 8)
- Wir setzen uns für flächendeckende Glasfaser- und WLAN-Netze ein sowie für zentrale IT-Services, da-mit Lehrkräfte unterrichten können, statt technische Probleme zu lösen. (S. 10)
- Unterrichtsqualität sichern wir über (...) KI-Assistenz – als Werkzeug im Unterricht, nicht als Ersatz für Leistung. (S. 11)
- Es braucht einen Hochschul-Digitalpakt, der zusätzliche finanzielle Mittel von Bund und Ländern vorsieht. (S. 23)
EINE EINORDNUNG AUS SICHT DES STIFTERVERBANDES
Um Schülerinnen und Schüler bestmöglich für eine Zukunft vorzubereiten, aus der KI nicht mehr wegzudenken ist, hält der Stifterverband die Integration Künstlicher Intelligenz sowohl als Lerninhalt als auch als lernunterstützende Technologie in allen Phasen der Lehrkräftebildung für erforderlich. Der Stifterverband befürwortet den Einsatz von zielgruppenorientierten, datenschutzkonformen und transparent gestalteten KI-Anwendungen für das Lernen und Lehren. Insbesondere offene und kollaborative Ansätze sollten dabei verfolgt werden: Bildungsressourcen sollten länderübergreifend als OER entwickelt und genutzt werden, und Bildungstechnologien sollten gemeinwohlorientiert und auf Open Source ausgerichtet sein. Rheinland-Pfalz ist bisher das einzige Bundesland, in dem der Erwerb von KI-Kompetenzen für alle Lehramtsstudiengänge vorgegeben ist.
In den Wahlprogrammen zeigt sich insgesamt eine große Offenheit für das Thema KI. Lediglich die AfD nimmt eine stark technikskeptische Position ein. Die SPD konzentriert sich vor allem auf Infrastruktur, während BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Sensibilisierung von Lehrkräften betonen. Die FDP legt Wert auf curriculare Verbindlichkeit und verweist auf entsprechende Module im Vorbereitungsdienst; die CDU setzt auf ein flächendeckendes Fortbildungsprogramm. Die FREIEN WÄHLER adressieren KI grundsätzlich positiv, bleiben aber bei der Lehrkräftebildung vage.
Insgesamt zeigt sich: Überlegungen zu einer durchgängigen, phasenübergreifenden verbindlichen Verankerung von KI-Kompetenzen in der zweiten und dritten Phase fehlen weitgehend. Die Programme verlieren sich häufig in Einzelmaßnahmen. Für eine nachhaltige und wirksame Verankerung von KI im Bildungssystem braucht es klare Vorgaben, abgestimmte Inhalte und verbindliche Standards über alle Phasen der Lehrkräftebildung hinweg.
DIE WEITEREN THEMEN DER WAHLPROGRAMM-ANALYSE
- Welche Ziele verfolgen die Parteien in der Lehrkräftebildung?
- Welche Maßnahmen zur Erreichung neuer Zielgruppen und zur Weiterentwicklung des dualen Lehramtsstudiums sind geplant?
- Welche Maßnahmen planen die Parteien, um Schwund während des Lehramtsstudiums und Vorbereitungsdienstes zu reduzieren und die Attraktivität beider Phasen zu steigern – insbesondere in Mangelfächern?
- Welche Maßnahmen planen die Parteien, um die Probleme beim Einsatz von sogenannten studentischen "PES-Lehrkräften" (als Lehrkräfte eingesetzte Lehramtsstudierende) zu adressieren?
- Wie sollen Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren flächendeckend gestärkt und systematisiert werden?
- Wie können Schulen dabei unterstützt werden, Unterricht und Kooperationen besser zu verzahnen, damit alle Schülerinnen und Schüler ihre Bildungspotenziale bestmöglich entwickeln?
- Wie wird die Schulaufsicht auf ihre neue Rolle gemäß KMK-Beschluss vom 16. Oktober 2025 vorbereitet?
- Welche Prioritäten setzen die Parteien für die schulische MINT-Bildung?