Forschergestalten: Volker Quaschning

"Das ist immer ein sehr schönes Gefühl, weil man diese krasse Kraft der Sonne spürt. Es ist viel zu schade, dass wir die einfach nicht nutzen."

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In Zukunft wird sich die Energieversorgung ganz aus regenerativen Quellen speisen, zum Beispiel aus der Kraft der Sonne. Die Technik, mit Solarzellen Strom zu erzeugen, ist inzwischen ausgereift. Doch Dächer insbesondere in Großstädten sind als Flächen für die Kollektoren noch weitgehend ungenutzt. Dieses Riesenpotenzial will der Forscher Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin heben.
 

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Die Zukunftsmacher und ihre Visionen für Bildung und Ausbildung, Forschung und Technik

Ein Film von Damian W. Gorczany und Stoyan Radoslavov
für den YouTube-Kanal des Stifterverbandes
Motion Grafik: Johannes LDC Guerreiro
Musik: Lubomir Brashnenkov

 

Transkript des Videos

Es ist immer sehr schön, da oben zu sein und einfach auch wieder zu fühlen, die Sonne ist da, und die Energie der Sonne, die kann ich in meinem Leben gut gebrauchen. Nun hat die Sonne aber auch ein enormes Potenzial. Wenn ich jetzt hier den Blick über die Stadt schweifen lasse, dann kann man auch sehr schön sehen: Auf der einen Seite, da haben wir Unternehmen, die schon was gemacht haben für die Energiewende, und dann gibt es diese unendlichen Potenziale, die wir in Berlin haben, die einfach nicht erschlossen sind. Diese enormen Ressourcen, die nutzen wir gar nicht.

Mein Name ist Volker Quaschning. Ich bin Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin. Eine Hauptaufgabe meiner Forschungsaktivitäten ist, das Riesenpotenzial der Sonne für unsere Gesellschaft nutzbar zu machen.

Unsere künftige Energieversorgung wird ausschließlich auf erneuerbaren, klimaneutralen Energieträgern basieren. Eine der wichigsten Energieformen dabei ist die Solarenergie. Diese wird gemeinsam mit anderen erneuerbaren Energien die Versorgung erstmal sicherstellen. Sicherstellen bedeutet aber auch, dass wir uns Gedanken machen müssen über die Zeiträume, wo wir weder Sonne noch Wind zur Verfügung haben. Und dafür brauchen wir Speicher.

Wir haben uns hier einige Punkte aus diesem künftigen Energieszenario herausgepickt und dort Forschungsthemen identifiziert. Zum Beispiel: Wie kann ich die Effizienz von Batteriespeichern bewerten und verbessern? Wie setzt man einen Batteriespeicher optimal ein? 

Wie schaffen wir, Mehrfamilienhäuser, die heute fast gar nicht genutzt werden, mit Photovoltaikanlagen nutzbar zu machen? Und dann natürlich auch die Frage: Welche Potenziale hat die Solarenergie und wie können wir diese dann auch in der Stadt nutzen?

Ich arbeite hier an der Hochschule für angewandte Forschung. Das heißt: Wir machen jetzt keine Grundlagenforschung, die in 20 Jahren irgendwelche Ergebnisse produziert. Ich will mit meinen Ergebnissen versuchen, jetzt etwas zu verändern.

Wir haben zum Beispiel einen Sonnensimulator. Damit können wir die Sonnenverhältnisse im Labor nachbilden, und wenn wir draußen keine guten Bedingungen haben, im Labor Solarmodule vermessen und testen.

Das ist immer ein sehr schönes Gefühl, weil man diese krasse Kraft der Sonne spürt. Wenn man einfach dieses grelle Licht im Sonnensimulator sieht, sieht man: Oh, wow, da ist also draußen viel Energie, und es ist viel zu schade, dass wir die einfach nicht nutzen.

Viele können sich gar nicht vorstellen, dass wir eine Energiewende haben ausschließlich auf der Basis von Solarenergie. Das heißt, wir müssen hier in den Forschungseinrichtungen Lösungen entwickeln, dass wir auch nachts die Energieversorgung sicherstellen können. Und das testen wir hier aus, indem wir einfach Batteriespeicher aufbauen.

Wir haben einen besonderen Ort an der Hochschule, das ist unser Solarhaus. Dieses Haus hat natürlich eine Photovoltaikanlage und eine Batterie, das ist logisch, und wir haben verschiedene Verbraucher, also haben hier Kühlschrank, Spülschrank, Waschmaschine. So können wir wirklich den Lastgang eines Einfamilienhauses nachfahren und zeigen, dass das Haus sich im realen Betrieb optimal verhalten wird.

Die technische Lösung für die Solarenergie ist die eine Seite. Hier sind wir in den letzten Jahren sehr, sehr weit vorangekommen. Solaranlagen sind effizient und preiswert geworden. Aber wir kriegen diese Solaranlagen nicht in dem Tempo in die Städte, das wir für die Energiewende bräuchten. Städte wie Berlin müssen sich künftig zu 30 Prozent mit eigenem Solarstrom versorgen, und dazu müssen wir eigentlich alle verfügbaren Dachflächen nutzen.

Wir haben ein Forschungsprojekt Piwi2City. Das heißt, hier kommt es, wie der Forschungsname schon sagt, darauf an: Wie bekommen wir die Photovoltaik in die Stadt? Hier haben wir die Stadt nachgebaut und können jetzt hier wirklich anhand der Geodaten identifizieren: Wo befinden sich Gebäude? Wo befinden sich die Verbraucher? Und wo sind die Potenziale für die Solarenergie?

Das sind die Einfamilienhaus-Gebiete am Stadtrand. Die können sich etwa zur Hälfte selbst über Solarenergie versorgen. Und hier das Gelbe im Innenstadtbereich, das sind die Mehrfamilienhäuser. Also, wenn wir hier insgesamt von 6 Gigawatt sprechen, dann sind 2,5 Gigawatt allein bei den Mehrfamilienhäusern zu finden. Die sind eigentlich der große Hebel, um in Berlin das Potenzial zu erschließen.

Hier müssen wir einfach schauen: Woran liegt das? Es hilft ja nichts, wenn Solaranlagen im Labor funktionieren und am Schluss dann nicht auf die Dächer kommen.

Wie viel Kohle spart ein Solarmodul?

Ich betreibe einen YouTube-Kanal, der versucht, kleine Probleme der Energiewende allgemeinverständlich darzustellen. Manchmal werde ich von Kollegen auch kritisiert, die gesagt haben: Also, was du da machst, ist ja irgendwo nicht mehr wissenschaftlich. Die Welt verändert sich. Wir haben Parteien, die im Bundestag sitzen, die sagen: Kohlendioxid ist kein Schadstoff, der ist gut für die Pflanzen. Wenn man so etwas in Wahlprogramme auch reinschreiben kann, dann sieht man, dass hier auch einfach Wissen fehlt. Wir müssen schauen, dass wir dieses Wissen, das wir hier an der Hochschule haben, über die Zusammenhänge von Energiewende, Klimawandel dann auch so verständlich formulieren, dass es auch der Letzte draußen versteht. Und da hat einfach YouTube mittlerweile eine ganz gute Reichweite und auch ganz neue Chancen, die wir eigentlich vor zehn Jahren so nicht gehabt haben.

Naja, mein Ziel ist eigentlich, dass wir die Energiewende bis zu meiner Rente durchgezogen haben. Es ist vielleicht relativ ambitioniert, aber wenn wir das wirklich schaffen, dann kann ich mich ganz entspannt in den Garten setzen, die Enkelkinder auf den Arm nehmen und sagen: Ja, wir haben es geschafft, euch die Lebensgrundlagen zu erhalten, und die Forschung, die wir in unserem Leben gemacht haben, die hat wirklich Sinn gemacht.