Forschergestalten: Stefan Kröpelin

"Ich glaube, dass unsere Forschung in der Ostsahara es sehr anschaulich macht, den Klimawandel nachzuvollziehen. Man sieht sehr gut den Zusammenhang zwischen Klima, Umwelt und Mensch."

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Die Wüste ist eine faszinierende Landschaft – und ein einzigartiges Forschungslabor: Seit Jahrzehnten untersucht Stefan Kröpelin von der Universität zu Köln die geologische Entwicklung der Sahara. Und er weiß viel von ihr zu erzählen.

Der Stifterverband und die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben Stefan Kröpelin im Jahr 2017 mit dem Communicator-Preis ausgezeichnet.
 

Der YouTube-Kanal des Stifterverbandes:
Die Zukunftsmacher und ihre Visionen für Bildung und Ausbildung, Forschung und Technik

Ein Film von Damian W. Gorczany und Stoyan Radoslavov
für den YouTube-Kanal des Stifterverbandes
Motion Grafik: Johannes LDC Guerreiro
Musik: Lubomir Brashnenkov

 

Transkript des Videos

Ich habe wahrscheinlich an die zehn Jahre meines Lebens in der Wüste verbracht und habe da natürlich eine ganz enge Beziehung zu dieser Landschaft entwickelt.

Es ist meine Heimat. Das ist die absolute Freiheit. Das ist dieser 360-Grad-Horizont um einen herum, wo man tagelang durch Gelände fährt, ohne irgendeinen Menschen, irgendein Tier, irgendeine Pflanze zu sehen.

Mein Name ist Stefan Kröpelin. Ich arbeite an der Uni Köln, bin von der Ausbildung her Geowissenschaftler, bezeichne mich aber als Wüstenforscher.

Mein Forschungsfeld ist hauptsächlich der Klima- und Umweltwandel in heutigen Wüstengebieten und ganz speziell in der östlichen Sahara. Die Sahara als Wüste ist so groß wie die USA, und der östliche Teil liegt hauptsächlich in Libyen, in Ägypten, im Sudan und im nördlichen Tschad. Das ist der trockenste Raum auf der gesamten Erde mit Niederschlägen von weniger als zwei Millimetern pro Jahr.

Auf den ersten Blick ist die Ostsahara ein sicherlich langweiliger Raum. Wenn man dann näher hinguckt, entpuppt es sich als wirklich ideales, natürliches Forschungslabor. Dann kommen zuerst die Geowissenschaftler, untersuchen die Ablagerungen und wissen: Da gab es Seen und Flüsse. Die Botaniker finden kleine Pflanzenreste, irgendwelche Holzkohle. Die wissen dann, welche Bäume damals gewachsen sind. Die Zoologen finden Knochenreste von Krokodilen, von Elefanten, von Nashörnern, die ja auch eine sehr anspruchsvolle Flora benötigen, um überleben zu können. Und dann kommen die Archäologen, machen die Ausgrabungen und finden die Hinterlassenschaften der prähistorischen Menschen, die wiederum zeigen, wie der Mensch in diesen damaligen Umweltbedingungen gelebt hat und wie er auf die wechselnden Klimaverhältnisse reagiert hat. So ist eben aus dieser scheinbar langweiligen Wüste inzwischen durch die Arbeiten der letzten vier Jahrzehnte ein sehr lebendiges, anschauliches Bild entstanden über die früheren Klima-/Umweltbedingungen und die menschliche Besiedlung.

Der große Vorteil unserer Forschungsstelle Afrika besteht darin, dass dort Archäologen, Geowissenschaftler und Botaniker eng zusammenarbeiten. Ich habe immer Archäologen mit auf den Expeditionen gehabt, weil ich kann Aussagen machen über das damalige Milieu, in dem die Menschen gelebt haben. Die Archäologen wissen dann, wovon haben sie gelebt. Der Mensch ist ein sehr sensibler Klimaanzeiger, denn er braucht Regen, und er braucht Pflanzen, und er braucht Tiere, sonst kann keiner dort leben.

Das sind Dung-Proben, die wir gefunden haben, auf den Routen. Das sind halt die typischen Tiere, die verwendet worden sind. Und weißt du, was das ist? - Ja, Esel wahrscheinlich, aber schon stark verfestigt. - Das ist der Esel, genau, das sind die großen Köttel, und das ist das Kamel, das kommt dann erst wesentlich später. Das ist natürlich extrem häufig vertreten.

Wir haben ja den Eindruck, dass quasi die Austrocknungen auch so ein bisschen der Motor dieser Karawanenbewegung ist. Dass die Entwicklung im Prinzip losgeht, wenn die Sahara trocken wird, also, wenn die Bedingungen schlechter werden und man eigentlich nicht mehr von den Ressourcen leben kann.

Ich glaube, dass unsere Forschung in der Ostsahara es sehr anschaulich macht, den Klimawandel nachzuvollziehen. Dazu sind diese Ergebnisse aus der Vergangenheit sehr wichtig. Man sieht sehr gut den Zusammenhang zwischen Klima, Umwelt und Mensch, was in anderen Gebieten viel schwieriger ist.

Ich bin auch wie die meisten meiner Kollegen überzeugt, dass wir von einer globalen Erwärmung ausgehen können. Was mich oft stört in der Diskussion, das sind diese Katastrophenszenarien. Man kann eben nicht sagen, dass eine Klimaerwärmung zwangsläufig für die gesamte Erde nur Nachteile bringt. Wir wissen aus der geologischen Vergangenheit, dass bei der letzten Erwärmung vor etwa 11.000 Jahren die Sahara ergrünt ist und sich von einer Extremwüste zu einer Savanne entwickelt hat. Wenn man jetzt sagt, eine ähnliche Erwärmung über mehrere Grad global wird wieder kommen, dann ist meiner Sicht, dass die Sahara wieder grüner wird und einen neuen Lebensraum darstellen wird. Dann ist das zumindest ein Lichtblick für Afrika.

Ich bin halt ein Feldforscher und war immer der Überzeugung, dass die Musik im Gelände spielt. Das hat mich immer gereizt, in diese letzten, noch wenig erforschten Regionen zu kommen und dort Grundlagenforschung zu betreiben.

Es ist tatsächlich so, dass ich ein Auslaufmodell bin. Diese Art von Geländeforschung hat sicher ihren Zenit lange unterschritten und wird wahrscheinlich bald aussterben. Also, wenn jetzt ich und die paar anderen, die weiter in der Sahara forschen, mal nicht mehr da sind, dann wird das wieder zu einem unbekannten Ort werden, weil auch die Wissenschaft vergisst sehr schnell.