Data Literacy Education an Hochschulen: Die Wettbewerbssieger

"Wir hoffen, dass wir etwa zehn Prozent der Studierenden wirklich für das Thema begeistern können. Die sagen: Davon möchte ich mehr haben."

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Ohne Daten analysieren und interpretieren zu können, wird künftig kaum ein Studium zu absolvieren sein. Drei Hochschulen haben den Wettbewerb Data Literacy Education von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung gewonnen, der Konzepte zur Vermittlung von Datenkompetenzen zu Tage fördern wollte. Wer sind die drei Sieger und was haben sie vor, um ihren Studierenden einen geschulten Umgang mit Daten zu vermitteln?

Mit O-Tönen von:

  • Burkhardt Funk, Professor für Wirtschaftsinformatik, Leuphana Universität Lüneburg
  • Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes (Jurymitglied)
  • Peter Baumgartner, Professor für Technologieunterstütztes Lernen und Multimedia, Donau-Universität Krems, Österreich (Jurymitglied)
  • Jana Lasser, Promovierende, Georg-August-Universität Göttingen und Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation
  • Till Nagel, Professor für Visual Analytics, Hochschule Mannheim

 

Jede Woche neu beim Stifterverband: 
Die Zukunftsmacher und ihre Visionen für Bildung und Ausbildung, Forschung und Technik

Autorin: Corina Niebuhr
Produktion: Webclip Medien Berlin
für den YouTube-Kanal des Stifterverbandes

 

Transkript des Videos

(Burkhardt Funk)
Wir hoffen, dass wir etwa zehn Prozent der Studierenden wirklich für das Thema begeistern können. Die sagen: Davon möchte ich mehr haben.

Wir glauben, dass es aber auch einen größeren Teil geben wird, vielleicht in der Größenordnung zwei Drittel, die zumindest ein Verständnis dafür haben, was eigentlich Data Literacy ausmacht, und hoffentlich auch ein bisschen die Angst vor dem, was an Techik damit verbunden ist, halt verlieren.

(Volker Meyer-Guckel)
Wir sind der Überzeugung, dass der Umgang mit Daten in jedem Berufszweig, in jeder Branche und in jeder Disziplin in Zukunft eine Rolle spielen wird. Und wir glauben, dass das eine Querschnittskompetenz ist, die wie die Schlüsselkompetenzen früher für alle Fächer vermittelt werden sollte. Es gibt gute Beispiele aus den Vereinigten Staaten, wo das tatsächlich in einem strukturierten Prozess erfolgt, und wir haben nach Beispielen in Deutschland gesucht. Und wir haben viele gefunden.

(Peter Baumgartner)
Wir haben 47 Anträge bekommen. Es gibt drei Sieger. Es ist ein Wettbewerb, also ein Preisausschreiben. Ich bin überzeugt, gerade Preisausschreiben haben, ich sage dazu, die Funktion eines Change Agents. Es werden Kriterien aufgestellt. Diese Kriterien bewirken etwas an den Hochschulen. Das haben wir jetzt auch von vielen Hochschulen erfahren, auch wenn jetzt sie nicht gewonnen haben. Es hat zum Nachdenken angeregt, und die Bedeutung von Data Literacy ist über diese Ausschreibung enorm gewachsen.

(Volker Meyer-Guckel)
Wir haben dann in einer Auswahlsitzung acht Finalisten hier eingeladen nach Berlin, um dann drei Preisträger zu küren, die mit jeweils 250.000 Euro diese Projekte in Gang setzen können.

(Jana Lasser)
Ich bin von der Georg-August-Universität Göttingen, und wir wollen an unserer Universität ein neues Lehrkonzept umsetzen, wo wir flächendeckend unseren Bachelor-Studierenden Datenkompetenzen, grundlegende Werkzeuge im Bereich Data Literacy beibringen. Data Literacy ist im kleinen Kreis bei uns an der Hochschule schon länger Thema, gerade die Promovierenden, die forschungsnah arbeiten, haben sich natürlich aus der Anwendung heraus schon länger beschäftigt. Und die Idee, das hochzuskalieren auf den Campus, auf unsere Studierenden, ist jetzt relativ neu und auch durch die Ausschreibung des Stifterverbandes angeregt worden.

(Burkhardt Funk)
An der Leuphana Universität Lüneburg wollen wir das DATAx-Programm etablieren. Und Gegenstand dieses Programms ist, dass wir allen Erstsemestern die Möglichkeit geben werden, ein Modul zu belegen, wo es eben um Data-Literacy-Kompetenzen geht. Und dieses Modul soll für alle verpflichtend sein.

(Till Nagel)
Wir als Hochschule Mannheim sind eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das heißt, wir sind auch sehr praxis- und projektorientiert in unserer Lehre. Dass unsere Absolventen dann auch direkt eben angewandt arbeiten können und das natürlich fundiert auf die neuesten Erkenntnisse auch aus der Forschung. Und wir wollen eben auch reale Probleme aus der echten Welt bearbeiten. Und das wollen wir eben mit unserem modularisierten  Konzept der Lehre unterstützen. Im Grundmodul, im "unimodal", da sollen Studierende aller Fakultäten, aller Disziplinen, ganz grundlegende Data-Literacy-Kenntnisse sich aneignen. Es geht auch darum, dass wir auch interdisziplinär die Studierenden zusammenbringen wollen. Dafür haben wir die bimodale, das ist die mittlere Stufe, und trimodal, die oberste Stufe, und in denen ist das deutlich projektorientierter. Das heißt, die Studierenden arbeiten praxisnah und eigenständig an ergebnisoffenen Problemen und sollen dafür dann datengestützte Lösungen entwickeln.

(Jana Lasser)
In den nächsten drei Jahren werden wir die schon existierenden Konzepte, wir haben auch schon Lehrmaterialien, wir haben schon technische Konzepte, hochskalieren auf größere Studierendenzahlen, natürlich ein bisschen auch adaptieren noch auf Bachelor-Studierende, werden vor allem auch sehr viel Ressourcen reinstecken, praxisnahe Beispiele, praxisnahen Datensatz zu sammeln sowohl aus der Forschung als auch von den regionalen Wirtschaftsbetrieben. Und insbesondere werden wir auch Ressourcen stecken in eine enge Betreuung. Weil gerade wenn man Leuten ohne Programmiererfahrung versucht, diese Kompetenzen zu vermitteln, ist enge Betreuung am Anfang sehr, sehr wichtig.

(Burkhardt Funk)
Das Preisgeld von 250.000 Euro wird im wesentlichen uns ermöglichen, eine Koordinatorin bzw. einen Koordinator einzustellen. Es geht also weniger um die Entwicklung jetzt der Lehrkonzepte, sondern viel stärker um die Vernetzung innerhalb der Universität. Wir haben ja viele Fachdisziplinen, und die sind natürlich entsprechend miteinzubetten. Und das braucht einfach viel Kommunikation. Das wird sozusagen ein Aufgabenfeld sein, und das andere Aufgabenfeld ist nachher, wenn es dann wirklich auch in die Lehre halt geht, dann gibt es auch dort natürlich viel Koordinationsaufwand.

(Till Nagel)
Insgesamt ist die Pyramide, die wir uns vorstellen, hauptsächlich und vorrangig an die Studierenden unserer Hochschule gerichtet. Wir haben aber diese Säule "multimodal", die sich dann wieder an die Lehrenden richtet, das heißt "Train the trainer". Wir wollen dort eben kontinuierlich die Lehre dann auch evaluieren. Und wir wollen sicherlich eben auch dann unsere eigenen Lessons learned, also das, was wir daraus selber auch eben mitgenommen haben, dann anderen zur Verfügung stellen, eben durch Konferenzen, durch Austausch mit Kollegen anderer Hochschulen.