Data Literacy Education an Hochschulen: Die Wettbewerbsjury

"So wie Lesen oder Schreiben eine Grundfähigkeit ist, wird auch das Lesen von Daten jetzt immer wichtiger."

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Wird die Fähigkeit, Daten zu analysieren und zu interpretieren, künftig fast so wichtig werden wie Lesen und Schreiben? Davon sind der Stifterverband und die Heinz Nixdorf Stiftung überzeugt. Und deshalb haben sie 2018 den Hochschulwettbewerb Data Literacy Education gestartet. Es ging darum, neue Konzepte zu finden, um Studierende aller Fächer Datenkompetenzen zu vermitteln. Mitglieder der Expertenjury erklären, wieso Data Literacy heute eine Schlüsselqualifikation ist.

Mit O-Tönen von:

  • Imke Buss, Abteikungsleiterin Studium und Lehre, Hochschule Ludwighafen am Rhein
  • Peter Baumgartner, Professor für Technologieunterstütztes Lernen und Multimedia, Donau-Universität Krems, Österreich
  • Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes
  • Cathryn Carson, Faculty Lead, Data Science Education Program at University of California Berkeley

Jede Woche neu beim Stifterverband: 
Die Zukunftsmacher und ihre Visionen für Bildung und Ausbildung, Forschung und Technik

Autorin: Corina Niebuhr
Produktion: Webclip Medien Berlin
für den YouTube-Kanal des Stifterverbandes

 

Transkript des Videos

(Peter Baumgartner)
Entscheidend ist eigentlich, dass wir sehen, dass so wie Lesen oder Schreiben eine Grundfähigkeit ist, auch das Lesen von Daten natürlich jetzt immer wichtiger wird.

(Imke Buss)
Data Literacy ist aus meiner Sicht deswegen so wichtig, weil wir in einer datengetriebenen Welt ja ohne eine Kompetenz in dem Verstehen, wie Daten entstehen, welche Daten auch von uns gesammelt werden mit oder ohne unserem Wissen, wie sie gespeichert werden, wie sie ausgewertet werden können, gar nicht mehr gut handeln können, sowohl privat als auch beruflich. Nehmen wir den privaten Bereich: Wenn wir die Zeitung aufschlagen, sehen wir jeden Tag Grafiken, die zum Beispiel politische Entscheidungen untermauern sollen. Wie können wir, ohne zu verstehen, was Daten uns sagen, entscheiden, ob jetzt diese Argumentation überhaupt Sinn macht? Also, als mündige Bürgerin brauche ich Datenkompetenz.

(Peter Baumgartner)
Die Frage ist auch, dass Daten öffentlich zugänglich sein sollen. Wir sprechen auch von Open Data. Es ist eine Frage der Zivilgesellschaft. Wie gehen wir mit diesen Daten um? Daten, jetzt im Wissenschaftsbetrieb gesehen, sind eigentlich auch ein Produkt. Das gehört kuratiert. Die Daten gehören gepflegt. Von daher treten wir jetzt immer stärker ein, dass zu jeder entsprechenden Forschungsarbeit auch die Daten hinterlegt werden müssen. Das ist auch eine Frage der Transparenz.

(Volker Meyer-Guckel)
In den USA werden diese Kompetenzen als Schlüsselkompetenzen für Studierende aller Fächer vermittelt. In Deutschland passiert das mittlerweile in den Fächern, noch nicht so, wie man das vielleicht sich vorstellen könnte. Also, wenn ich mir zum Beispiel die Lehramtsausbildung anschaue, da ist dann noch viel Potenzial, aber auch viele andere Fächer, die jetzt nicht so ganz datenaffin traditionell sind, Geisteswissenschaften, Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften, aber in Zukunft auch deutlich in der Forschung, in den Forschungsmethoden von Big Data profitieren und abhängen werden.

(Cathryn Carson)
So with the many different kinds of data that are available to our students now they find ways to draw them together and give meaning to them especially in projects that have societal impact. So finding ways to bring together data from companies with government data in order to improve social welfare or reduce poverty or find ways to do health interventions. Those kinds of things are so motivating for our students, and the data is now there for them to work with.

(Imke Buss)
Ich glaube, dass es auf jeden Fall einen Aufbruch braucht, um Data Literacy breit zu verankern. Es ist bisher so, dass eben nicht alle Fächer sehr stark mit Daten arbeiten, auch wenn für alle Fächer selbstverständlich Daten heutzutage eine ganz große Rolle spielen und die Studierenden auch unterschiedlich nahe an dieser Datenkompetenz dran sind, also, das heißt, einen unterschiedlich guten Zugang zu den Daten haben. Und diese Studierenden alle dazu zu bringen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und ihren eigenen Zugang zu finden und ein eigenes Interesse zu entwickeln, das sollte meiner Meinung nach im Mittelpunkt stehen bei der Entwicklung von Data-Literacy-Angeboten.