Die Aufgabe klang im ersten Moment unlösbar: „Wir bauen jetzt einen Chatbot“, sagte die Dozentin zu den Studierenden, „und ihr habt ab jetzt 40 Minuten Zeit!“ Um Künstliche Intelligenz ging es in dem Seminar an der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU), um mögliche Anwendungen und ihre Grenzen. Für eine Praxisübung kam die Vertreterin einer High-Tech-Firma aus der Region an die Uni und brachte die Aufgabe mit dem Chatbot mit, der an ihre tägliche Praxis angelehnt ist. Die Studierenden krempelten die Ärmel auf – und tatsächlich war das Konzept für ihren Chatbot schließlich nach einer Dreiviertelstunde einsatzbereit. Darauf aufbauend reflektierten sie kritisch, was Chatbots können – und wo ihre Grenzen liegen.
„Das ist eines unserer meistbesuchten Seminare“, sagt Wibke Matthes, die das Konzept entwickelt hat: Neben dem Seminar zu KI-Grundkenntnissen hat sie an der CAU ein vertiefendes Seminar „KI als Schlüssel zu gesellschaftlichen Herausforderungen“ und eine „KI-Tool-Werkstatt“ ins Leben gerufen. Angesprochen sind alle Studierenden – explizit auch jene aus nicht-technischen Disziplinen. Und weil örtliche Unternehmen mit eingebunden sind, gelingt es immer wieder, die theoretischen Fragen und Kenntnisse mit konkreten Projekten anzureichern. Wibke Matthes leitet an der Kieler Universität das Zentrum für Schlüsselqualifikationen, das sich seit fast zwei Jahrzehnten mit der Frage beschäftigt, was Absolventen über fachliche Inhalte hinaus idealerweise noch lernen sollten.
„Solche Zukunftskompetenzen werden immer mehr zum entscheidenden Schlüssel für Lernende“, sagt Florian Rampelt vom Stifterverband: „Wer sie besitzt, kann den Wandel nicht nur verstehen, sondern aktiv mitgestalten.“ Rampelt leitet beim Stifterverband die Programme rund um Future Skills und KI. Dazu gehört auch das „Future Skills Framework 2030“, mit dem der Stifterverband Pionierarbeit leistet: Er bringt Fachleute aus der Wirtschaft, aus Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen zusammen, um zu identifizieren, was zu diesen Future Skills gehört. Daneben verantwortet er beim Stifterverband den KI-Campus – eine Lernplattform, die KI-Kompetenzen für ein breites Publikum zugänglich macht. Eine zentrale Erkenntnis aus der Zusammenarbeit mit mehr als 50 Hochschulen lautet: Neben technischem Grundverständnis und der praktischen Anwendung müssen gute Lernangebote immer auch von kritischer Reflexion begleitet werden. Und eines habe sich schon jetzt gezeigt, so Florian Rampelt: „Wir reden nicht von einem statischen Gerüst an Kompetenzen. Die Anforderungen verändern sich so rapide, dass wir unser Future-Skills-Framework regelmäßig aktualisieren müssen.“