Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen?
Ergebnisse einer Befragung von 1.001 Führungskräften
Die im September 2026 vom Stifterverband mit Unterstützung der Haufe Akademie veröffentlichte Studie untersucht ausgehend vom Framework "Future Skills 2030", welche Zukunftskompetenzen in der Wahrnehmung deutscher Unternehmen fehlen. Sie adressiert im Rahmen einer Befragung von 1.001 Führungskräften aus deutschen Unternehmen die Notwendigkeit, Kompetenzbedarfe nicht nur allgemein zu benennen. Ausgehend von wahrgenommenen Lücken und Herausforderungen in Unternehmen gilt es vielmehr, konkrete Prioritäten zu setzen und geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um Future Skills nachhaltig zu stärken. Die sichtbarste neue Herausforderung entsteht dabei rund um KI und ihre Nutzung im Unternehmen. Zugleich zeigen die Unternehmensperspektiven, dass KI-Kompetenz allein nicht genügt. Entscheidend wird die Fähigkeit, technologische Möglichkeiten in konkrete, kontextspezifische Anwendungen zu übersetzen, ihren Einsatz in Teams und Organisationen gewinnbringend auszugestalten sowie sich durch kontinuierliches Lernen auf neue Entwicklungen einzustellen.
Zentrale Ergebnisse der Studie:
- Future Skills sind ein Wettbewerbsfaktor für Unternehmen in der Breite.
Die fünf im Future-Skills-Framework des Stifterverbandes unterschiedenen Future-Skills-Kategorien werden von jeweils 80 Prozent der befragten Führungskräfte als wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens eingeschätzt. Die Relevanz beschränkt sich damit ausdrücklich nicht auf technologische Kompetenzen.
- Die deutlichste wahrgenommene Future-Skills-Lücke zeigt sich rund um das Thema der Künstlichen Intelligenz.
Laut einem Drittel der Befragten fehlt AI Literacy in der Breite der Belegschaft. Bei spezialisierter Expertise zeigen sich ähnlich hohe Werte für AI Engineering sowie Autonome Systeme & Robotik.
- Die KI-Lücke ist keine allgemeine Digitalkompetenzlücke.
Während KI-Kompetenzen in vielen Unternehmen noch zu fehlen scheinen, ist dies für allgemeine Digitalkompetenzen nicht der Fall. Digital Literacy und Data Literacy werden im Vergleich zu KI-Kompetenzen erheblich seltener als fehlend wahrgenommen.
- Die eigentliche Herausforderung liegt in der erfolgreichen Anwendung neuer Technologien.
Unternehmen suchen nicht allein nach Personen, die neue Technologien verstehen oder bedienen können. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, technologische Möglichkeiten mit branchenspezifischem Fachwissen, konkreten Problemstellungen und Geschäftsprozessen zu verbinden und produktiv im Unternehmenskontext einzusetzen.
- Technologische Kompetenzen wirken besonders gut im Zusammenspiel mit anderen Future Skills.
In Interviews wurde durch Führungskräfte besonders hervorgehoben, dass nicht-technologische Future Skills zentral für die wirksame Entfaltung technologischer Future Skills sind und daher immer mitgedacht werden müssen. Gleichzeitig gehören Ambiguitätskompetenz, kritisches Denken und Kreativität zu den häufig genannten Lücken abseits der Technologischen Kompetenzen.
- Neue Technologien stellen neue Anforderungen an Zusammenarbeit und Führung.
Die Interviews zeigen, dass Führungskompetenz sowie Kompetenzen für Zusammenarbeit und für den Umgang mit Veränderung entscheidend dafür sind, neue Technologien erfolgreich in Teams und Organisationen zu integrieren und ihren Einsatz aktiv zu gestalten.
- Die Kompetenz und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen werden zentral.
In einer durch Unsicherheit und Veränderung geprägten Welt wird das kontinuierliche Lernen wichtiger denn je. Im Fokus stehen aus Sicht von Führungskräften dabei neben allgemeiner Lernkompetenz besonders auch die Neugier sowie die Bereitschaft, sich kontinuierlich neues Wissen und neue Kompetenzen anzueignen. Auch Hochschulen können passende Angebote schaffen.
Die Ergebnisse zeichnen zunächst ein klares Bild: Unternehmen sehen die größten Kompetenzlücken im Bereich KI- und technologiebezogener Kompetenzen. AI Literacy, AI Engineering und Autonomous Systems werden häufiger als Kompetenzlücken wahrgenommen als andere Future Skills. Gleichzeitig sprechen die Ergebnisse nicht für einen flächendeckenden Mangel an Future Skills. Zwar werden bestimmte KI- und Technologiekompetenzen häufiger als fehlend wahrgenommen als andere Future Skills, die Unterschiede fallen insgesamt jedoch moderat aus und die höchsten Werte liegen bei einzelnen Kompetenzen jeweils nur bei rund 30 Prozent.
Die ergänzenden Perspektiven aus den qualitativen Führungskräfte-Interviews legen nahe, dass sich hinter den genannten KI- und Technologiekompetenzen häufig komplexere Herausforderungen verbergen. Unternehmen suchen nicht allein Menschen, die neue Technologien verstehen oder anwenden können. Gefragt sind vielmehr Personen, die technologische Möglichkeiten mit Fachwissen verbinden, in konkrete Anwendungen übersetzen und deren Einsatz im Unternehmen gestalten können.
Zugleich werden technologische Kompetenzen in den Interviews häufig gemeinsam mit weiteren Future Skills diskutiert – etwa kritischem Denken, Kreativität, Lernfähigkeit, Führungskompetenz oder der Fähigkeit, Veränderungsprozesse zu begleiten. Der erfolgreiche Einsatz neuer Technologien wird damit nicht nur als Frage technologischer Kompetenzen, sondern ebenso als Gestaltungsaufgabe verstanden, die Zusammenarbeit, Führung, Unternehmenskultur und Veränderungsprozesse umfasst. Auch die Impulse für die Hochschulbildung spiegeln dieses Verständnis wider. Unternehmen wünschen sich nicht nur eine stärkere Vermittlung von KI- und Technologiekompetenzen, sondern insbesondere deren praxisnahe Anwendung sowie die Verknüpfung mit weiteren Future Skills.
Die Ergebnisse sprechen damit dafür, dass Unternehmen mit "fehlenden KI-Kompetenzen" häufig mehr meinen als technologisches Wissen allein: die Fähigkeit, neue Technologien in konkrete Anwendungen, Prozesse und Organisationen zu übersetzen. Future Skills sind damit nicht nur eine Ergänzung technologischer Kompetenzen, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, diese in Unternehmen überhaupt wirksam werden können.
Damit stellt sich für Unternehmen eine ebenso praktische wie dringende Folgefrage: Wie gelingt der systematische Aufbau dieser Kompetenzen? Die in den Interviews beschriebene Lernbereitschaft ist dabei eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung. Haltung und Bereitschaft sind der Anfang – aber nicht das Ende. Es braucht passende und zugängliche Angebote zur Kompetenzentwicklung, strukturierte Lernpfade sowie eine Unternehmenskultur, die Lernen nicht dem Zufall überlässt. Dazu gehören auch organisatorische Rahmenbedingungen, die kontinuierliche Entwicklung unterstützen und Zeit für Lernen ermöglichen. Lebenslanges Lernen ist damit nicht allein eine Frage der individuellen Einstellung, sondern auch eine strategische Gestaltungsaufgabe für Unternehmen. Wer heute in diese Rahmenbedingungen investiert, schafft die Voraussetzung dafür, dass Future Skills morgen tatsächlich wirksam werden.
AUTORIN UND AUTOREN
Anna Sandmeir
Programmmanagerin
Florian Rampelt
Leiter des Programmbereichs "Future Skills & KI"
und Geschäftsstellenleiter des KI-Campus
Henning Koch
Teamleiter für die Future-Skills- und KI-Community
Bentley Schieckoff
Referent für Datenanalysen
Mit der Zukunftsmission Bildung möchte der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet. Die Allianz für Future Skills hat in dieser Gemeinschaftsinitiative das Ziel, dass alle Hochschulen Future Skills fest in ihr Bildungsangebot integrieren.
Website der Zukunftsmission Bildung
Allianz für Future Skills