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Stellungnahme des Stifterverbandes zum Gesetz zur Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung

Stellungnahme des Stifterverbandes zum Gesetz zur Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung
Stellungnahme des Stifterverbandes zum Gesetz zur Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung

Mit dem Gesetzentwurf zur Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung wollen die Regierungsfraktionen von CDU und SPD die Ausbildung angehender Lehrkräfte an veränderte schulische und gesellschaftliche Anforderungen anpassen. Hintergrund sind unter anderem die wachsende Bedeutung von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Inklusion, Demokratiebildung, psychischer Gesundheit sowie insbesondere die Herausforderung, ausreichend qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen und auszubilden. Zudem soll die Ausbildung stärker auf die schulische Praxis ausgerichtet werden.

Ein zentraler Bestandteil des Entwurfs ist die Reform des Vorbereitungsdienstes (Referendariats). Dieser soll laut dem im August 2026 bekannt gemachten Entwurf von bislang 21 auf 18 Monate verkürzt werden und damit die in den meisten anderen Bundesländern übliche Dauer erreichen.

Vorgesehen sind außerdem weniger bewertete Unterrichtsbesuche, eine stärkere Gewichtung des Schulgutachtens, mehr eigenverantwortlicher Unterricht sowie eine intensivere individuelle Begleitung und Beratung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst. Gleichzeitig werden aktuelle Themenfelder verbindlich in der Ausbildung verankert.

Der Gesetzentwurf wurde am 2. September 2026 in erster Lesung in den Hessischen Landtag eingebracht. Im Anschluss wird er zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Dort erfolgt die fachliche Prüfung des Vorhabens, einschließlich einer öffentlichen Anhörung am 29. Oktober 2026 im kultuspolitischen Ausschuss mit Verbänden, Hochschulen und weiteren Sachverständigen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in die weiteren Beratungen ein. Anschließend entscheidet der Landtag in zweiter Lesung über mögliche Änderungen und stimmt schließlich über die Verabschiedung des Gesetzes ab.

 

Die zentralen Aussagen der Stellungnahme

Der Stifterverband hat seine Stellungnahme zum Gesetzentwurf abgegeben. Darin begrüßt er grundsätzlich das Ziel, die hessische Lehrkräftebildung stärker an den Anforderungen eines modernen Bildungssystems auszurichten. Positiv bewertet er insbesondere die stärkere Kompetenzorientierung, die Weiterentwicklung der Prüfungsformate sowie die engere Verzahnung der Ausbildungsphasen. Gleichzeitig wird angemahnt, den Erfolg der Reform nicht an der Verkürzung einzelner Ausbildungsabschnitte zu messen, sondern daran, ob mehr Lehrkräfte erfolgreich qualifiziert, begleitet und langfristig für den Beruf gewonnen werden können.

Kritisch sieht der Stifterverband die geplante Verkürzung des Vorbereitungsdienstes. Es gebe bislang keine belastbaren Belege dafür, dass eine um drei Monate kürzere Ausbildungszeit die Attraktivität des Lehramtsstudiums oder die Bindung angehender Lehrkräfte spürbar erhöhe. Stattdessen sollte die gesamte Ausbildungsdauer und die Qualität der Ausbildung in den Blick genommen werden. Der Verband verweist darauf, dass angehende Lehrkräfte vor allem im Studium und nicht erst im Referendariat aufgeben. Daher seien Maßnahmen zur Verbesserung des Studienerfolgs und der Übergänge zwischen den Ausbildungsphasen besonders wichtig.

Zudem wird die vorgesehene Ausweitung des eigenverantwortlichen Unterrichts auf 14 bis 16 Stunden kritisch beurteilt, da sie zulasten von Reflexion, Mentoring und professioneller Begleitung gehen könne. Der Stifterverband empfiehlt stattdessen, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen auszubauen, die Übergänge zwischen Studium, Vorbereitungsdienst und Berufseinstieg systematisch zu gestalten und die Reform wissenschaftlich zu begleiten. Insgesamt sollte die Reform vor allem daran gemessen werden, ob sie Ausbildungsqualität erhöht, Ausbildungsabbrüche reduziert und langfristig zur Sicherung des Lehrkräftenachwuchses beiträgt.

 

Kontakt

Gudula Merchert-Werhahn
Gudula Merchert-Werhahn

Gudula Merchert-Werhahn

leitet das Team der Allianz für Lehrkräfte in der Zukunftsmission Bildung.

T 0201 8401-497

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