Berufliches Lehramtsstudium reformieren
Eine Bilanz nach zehn Jahren mit Blick nach vorn
Lehrkräften im dualen Ausbildungssystem kommt eine wichtige Scharnierfunktion zu, da sie die Anforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und beruflicher Fachpraxis im schulischen Bildungsprozess miteinander verbinden und in konkrete Lernprozesse übersetzen. Um eine hochwertige berufliche Bildung sicherzustellen, ist eine ausreichende Versorgung mit gut qualifizierten Lehrkräften unabdingbar.
Dennoch besteht seit Jahrzehnten eine strukturelle Unterversorgung, die sich aus demografischen Gründen in den kommenden noch Jahren zuspitzen wird. In einigen Regionen Deutschlands wird das duale Ausbildungssystems durch den Lehrkräftemangel als ganzes bedroht sein.
Die Bundesländer begegnen dem Lehrkräftemangel derzeit weitgehend mit Sofortmaßnahmen wie dem Direkteinstieg oder Sonderstudienmodellen. Auf diese Weise kann das strukturelle Problem jedoch nicht gelöst werden. Dabei gibt es zahlreiche vielversprechende Lösungsansätze. Diese sollten systematisch evaluiert und nachhaltig in die Fläche gebracht werden.
Bereits 2016 identifizierte der Stifterverband im Rahmen der Berufsschullehrerinitiative gemeinsam mit vielen Stakeholdern der beruflichen Lehrkräftebildung relevante Erfolgsfaktoren für ein attraktives Studium des beruflichen Lehramtes. Ein Redaktionskreis aus der Initiative formulierte zwölf zentralen Forderungen an Bildungspolitik und Hochschulen, um das Studium des beruflichen Lehramtes zu innovieren. Das im Februar 2026 veröffentlichte Discussion Paper differenziert die Forderungen weiter aus und stellt den bundesweiten Umsetzungsstand dar. Es soll den produktiven Diskurs anregen und sinnvolle Reformen zur Lösung des strukturellen Problems anstoßen.
Kernpunkte des Papers
- Angesichts des strukturellen Mangels an beruflichen Lehrkräften muss das Lehramtsstudium attraktiver und durchlässiger werden.
- In den letzten Zehn Jahren ist es leider nicht gelungen, das Potenzial für grundsätzliche Reformen des beruflichen Lehramtstudiums zu nutzen: Innovative Ansätze verharren im Modell- und Projektstatus.
- Strukturelle Defizite bleiben bestehen, insbesondere beim Professionsbezug und in den grundlegenden Strukturen (Verzahnung der Phasen, Ausbildungsdauer, Finanzierungsmodelle).
- Weiterentwicklungen fanden vorwiegend inkrementell statt, vor allem durch flexiblere Studienmodelle und liberalisierte Zugangsvoraussetzungen.
- Hoffnung macht: Steigende Studierendenzahlen zeigen, dass es wirksame Modelle gibt. Diese sollten systematisch ausgewertet, von Hochschulen und Landesregierungen gemeinsam ausgerollt und verstetigt werden.
Kontakt
Andreas Land
ist Programmmanager im Bereich "Programm und Förderung" beim Stifterverband.
T 0201 8401-256
Bettina Jorzik
ist Programmleiterin für Hochschullehre, Lehrkräftebildung und MINT sowie Leiterin der Zukunftsmission Bildung.
T 0201 8401-103