Hochschulperle

Hochschulperlen sind innovative, beispielhafte Projekte, die an einer Hochschule realisiert werden.

 
 
Weil sie klein sind, werden die Projekte jenseits der Hochschulmauern kaum registriert. Weil sie glänzen, können und sollten sie aber auch andere Hochschulen schmücken. Jeden Monat stellt der Stifterverband eine Hochschulperle vor. Im Jahr 2020 steht die Auszeichnung unter dem Oberthema "Offene Wissenschaft".

Bei Offener Wissenschaft geht es um neue Herangehensweisen in Forschung und Lehre, die jenseits etablierter Formen und Formate Wissenschaft mit Gesellschaft und Wirtschaft zusammenbringen. Ziel der auszuzeichnenden Initiativen und Projekte soll es sein, Innovationen zu fördern und den gesellschaftlichen Nutzen von Wissenschaft zu stärken.

 

Hochschulperle des Monats Oktober 2020:
Gesellschaftliches Engagement von benachteiligten Jugendlichen fördern

 
Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche haben es besonders schwer, ihren Anliegen in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Zudem lehnen sie etablierte Politikformen oft ab. Das Projekt "Gesellschaftliches Engagement von benachteiligten Jugendlichen fördern" der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg und der Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wie Jugendarbeit helfen kann, diese Zielgruppe am demokratischen Prozess zu beteiligen. Die daraus erarbeiteten Methoden werden in zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen für Fachkräfte gelehrt. 

Das Projekt hat wissenschaftlich fundierte und praxiserprobte Methoden für die Kinder- und Jugendarbeit entwickelt. Ziel ist es, junge Menschen mit besonders schwierigen Lebensumständen für die demokratische Willensbildung zu begeistern und ihnen mehr politische Mitbestimmung zu ermöglichen.

Um die Lebenswirklichkeit betroffener Kinder und Jugendlicher mit gesellschaftlich-demokratischem Engagement zu verbinden, hat das 2012 ins Leben gerufene Projekt ein pädagogisches Konzept entwickelt. Die darin enthaltenen Methoden wurden in der Praxis überprüft und stetig weiterentwickelt. Dazu wurden sowohl die Erfahrungen der pädagogischen Fachkräfte als auch die der Jugendlichen in Modellprojekten in Kinder- und Jugendeinrichtungen in Mainz, Berlin, Magdeburg und Halberstadt wissenschaftlich erhoben und ausgewertet.

Foto: Veti Mette/Bertelsmann Stiftung

Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in einer dreibändigen Buchreihe veröffentlicht und finden über verschiedene Fortbildungsangebote zur Kinder- und Jugendarbeit Eingang in die Praxis – etwa auf jährlichen Sommerakademien der Bertelsmann Stiftung mit jeweils über 200 Teilnehmern. Auch große bundeslandweite Träger und Fachbehörden (etwa die Landesjugendämter Westfalen-Lippe, Rheinland und Berlin) haben die praxisrelevante Qualität des Konzepts erkannt und in ihren eigenen Fortbildungen übernommen.

"Die demokratische Teilhabe aller Mitglieder unserer Gesellschaft ist die Grundlage für das Fortbestehen unserer Demokratie, insbesondere in Zeiten zunehmender Politikverdrossenheit", begründet die Jury des Stifterverbandes ihre Entscheidung. "Das Projekt der Universität Hamburg und der Bertelsmann Stiftung leistet hier einen großartigen Beitrag und verbindet theoretische Forschung und Praxis auf eindrucksvolle Weise."

Die bisherigen Hochschulperlen des Monats aus dem Jahr 2020

Januar: Open Science Lab

Das Open Science Lab (OSL) der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften Universitätsbibliothek in Hannover unterstützt Wissenschaftler, die beim Forschen, Lehren und Lernen das Internet als öffentlichen Raum nutzen, und führt den wissenschaftlichen Nachwuchs an diese Ansätze heran. Das OSL zeigt, wie sich digitale Objektsammlungen öffnen und vernetzen lassen, um Inhalte besser entdecken, nutzen und verlinken zu können. Es unterstützt Studierende und Wissenschaftler, die ihre Forschungsfragen und -ideen öffentlich teilen möchten, mit anderen via Internet zusammenarbeiten oder ihre wissenschaftlichen Publikationen frei verfügbar machen.

Im engen Austausch mit Akteuren aus Wissenschaft und Bibliotheken entwickelt das OSL neue Ideen, Strategien, Arbeitsweisen und Werkzeuge aus der Offenen Wissenschaft und probiert sie aus. In Lehraufträgen, Workshops, im Mentoring oder mit neuen innovativen Methoden vermitteln die Mitarbeiter des OSL diese Ansätze. So wird bei OSL-betreuten Semesterprojekten und Abschlussarbeiten an der Hochschule Hannover unter anderem das offene Forschungsinformationssystem VIVO für die Anwendung im deutschsprachigen Raum weiterentwickelt. Talentierte Absolventen des Studiengangs werden direkt ins Lab übernommen und sind als OSL-Mitarbeitende wiederum für Betreuungs- und Lehraufgaben für neue Studierende verantwortlich.

Darüber hinaus kooperiert das OSL intensiv mit dem Leibniz-Forschungsverbund Open Science der Leibniz-Gemeinschaft, mit Wikimedia Deutschland und weiteren Instituten und Netzwerken und war am Aufbau des Fellow-Programms Freies Wissen beteiligt.

"Das Open Science Lab der TIB ist ein beeindruckender Ort offener Wissenschaft und bündelt vielfältige Aktivitäten in Forschung und Lehre", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im Januar an die TIB zu vergeben. "Das macht die Nachnutzung, Transparenz und den Transfer von Wissen möglich und vermittelt kommenden Generationen von Forschenden eine Idee von den Chancen von Open Science."

Website zum Open Science Lab

Februar: Open Science Center

Eröffnung des Open Science Centers an der LMU München im Mai 2018 (Foto: Romy Vinogradova)

Die Öffnung von Wissenschaft und Forschungsprozessen verspricht passgenaue Lösungen, radikale Innovationen und neuartige Erkenntnisse für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Das interdisziplinäre Open Science Center (OSC) der Ludwig-Maximilians-Universität München, in dieser fachlichen Breite das weltweit erste seiner Art, platziert dieses Thema mit vielfältigen Ansätzen an der Hochschule und setzt dabei schon gezielt bei den Studierenden an.

Ziel des OSC ist es, das Engagement für offene und transparente Forschung zu stärken. Denn Open Science kann Wissenschaftlern dabei helfen, zu robusten und verlässlichen Erkenntnissen zu gelangen. So soll die Qualität und Glaubwürdigkeit von Wissenschaft gesichert werden, die oft unter enormen Wettbewerbsdruck steht. Das OSC ist interdisziplinär aufgestellt und damit in dieser Form das erste seiner Art an einer Universität: Die Mitglieder des Zentrums stammen aus 15 verschiedenen Fachrichtungen – von der Soziologie über die Informatik bis hin zu den Geowissenschaften.

Das Projekt fördert die Öffnung von Wissenschaft an der LMU München mit unterschiedlichen Ansätzen. Dabei hat es sich drei Schwerpunkte gesetzt:

  • Zum einen will das OSC den wissenschaftlichen Nachwuchs, aber auch etablierte Forscherinnen und Forscher mit Workshops, Konferenzen und weiteren Veranstaltungen zu Open Science schulen und Studierende für das Thema sensibilisieren.
  • Zum anderen will das OSC den wissenschaftlichen Prozess selbst erforschen – also über Forschung forschen. Dabei untersuchen die Wissenschaftler gezielt psychologische, soziologische und statistisch-methodische Aspekte, die zu verzerrten oder falschen Forschungsergebnissen führen können. 
  • Schließlich möchte das Projekt die Anreizstrukturen im Wissenschaftssystem zum Thema machen und Empfehlungen und Vorschläge für relevante Gremien ausarbeiten.

Mit seiner Arbeit steigert das OSC nicht zuletzt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Universität: Bei der Forschungsförderung der EU oder bei der neu gegründeten Open Research Funders Group spielt die Notwendigkeit von Open Science eine zentrale Rolle, wenn es um die Bewilligung von Fördermitteln für neue Forschungsprojekte geht. 

"Das Open Science Center der LMU München erschließt mit seinem umfassenden Ansatz von Open Science, der vom Training bis hin zu Anreizstrukturen reicht, eine große Zielgruppe an Studierenden und Forschenden", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im Februar an das Open Science Center der Ludwig-Maximilians-Universität München zu vergeben. "Das Projekt bringt Open Science auf allen Ebenen voran und greift dabei auch aktuelle Debatten rund um die Themen Open Science und Open Data auf."

Website zum Open Science Center

März: Mut und Zivilcourage in der Demokratie?

Das Europa-Institut für Erfahrung und Management (METIS) der Rheinischen Fachhochschule Köln plant ein Transferprojekt mit Schülern zum Thema "Mut und Zivilcourage in der Demokratie?" und will aus der Zeit des Nationalsozialismus für die Gegenwart lernen. Dies geschieht mit Methoden des Wissens- und Erfahrungsmanagements (Storytelling und kontrolliertes Feedback) am Beispiel der damaligen Kölner Widerstandsgruppe "Klettenberg".

Die Teilnehmer des Projekts arbeiten dazu mit historischen Materialien wie Büchern, Bildern oder Plakaten und interviewen noch lebende Angehörige und Nachfahren der Widerstandskämpfer. Durch das Projekt sollen die jungen Menschen Lehren aus der deutschen Geschichte in die Gegenwart übertragen. Welche Rolle spielte Zivilcourage damals, welchen Platz kann sie heute einnehmen, in der liberalen Demokratie, in Zeiten der Globalisierung und der sozialen Medien? Im Anschluss soll das Projekt für andere Schulen in Deutschland mit Filmen, Fotos und Podcasts dokumentiert werden.

Ziel ist es, den Schülern zu verdeutlichen, dass es auch in den dunkelsten Zeiten Menschen gab, die Zivilcourage zeigten und anderen Menschen in der Not beistanden – selbst unter Einsatz ihres eigenen Lebens. 

Das Europa-Institut für Erfahrung und Management – METIS ist eine gemeinsame Forschungsinitiative der Fachhochschule Wien, die zur Wirtschaftskammer Wien gehört, und der Rheinischen Fachhochschule Köln. Es bearbeitet im Austausch mit Hochschulen, Unternehmen, Stiftungen, Verbänden und weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft Projekte und Forschungsvorhaben.

2017 wurde das METIS-Institut vom Stifterverband schon einmal mit einer Hochschulperle ausgezeichnet – damals für das generationen- und institutionenübergreifende Mentoring-Programm "jung.digital.innovativ", das zusammen mit dem Kölner Dreikönigsgymnasium entwickelt wurde.

"Mit seinem Transferprojekt zu Zivilcourage zeigt das Europa-Institut für Erfahrung und Management – METIS an einem ganz konkreten Beispiel, wie sich Wissenschaft zur Zivilgesellschaft hin öffnen kann", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im März an das METIS-Institut der Rheinischen Fachhochschule Köln zu vergeben. "Darüber hinaus gelingt es den Verantwortlichen, diesen Transfer sinnvoll und erfahrbar zu gestalten. Die Beschäftigung mit den Abgründen der deutschen Geschichte ist gerade heute wichtiger denn je – METIS fördert dieses Anliegen mit innovativen neuen Methoden."

Website des Europa-Instituts für Erfahrung und Management – METIS

April: Open Service Lab

Ein wichtiges Anliegen der Offenen Wissenschaft ist es, den Transfer zwischen Forschung und Praxis zu fördern. Das Open Service Lab (OSL) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vernetzt universitäre Forschung zu den Themen Dienstleistung und Zukunft der Arbeit mit der Wirtschaft in der Metropolregion Nürnberg.

Die Einrichtung dient als Plattform für die Interaktion und Vernetzung zwischen der Forschung und der Anwendung in Unternehmen der Metropolregion Nürnberg. Das OSL bahnt Forschungsaktivitäten an und spiegelt Anforderungen aus den Unternehmen zurück in die Hochschulen. Inhaltliche Schwerpunkte bilden Themen aus der Dienstleistungsforschung und zur Zukunft der Arbeit.

Das OSL unterstützt seine Partner, relevante Forschungsthemen und Mitstreiter zu finden und vernetzt sie mit interessierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Region. Der Transfer von Wissenschaft und Forschung in die Praxis steht dabei im Fokus. Dazu wurde ein Onlineportal entwickelt, das Kontaktdaten, Schwerpunkte und Kompetenzen von Firmen und Instituten sammelt. So können mögliche strategische Partner für Forschungsvorhaben oder fachlichen Austausch zielgerichtet identifiziert und angesprochen werden.

Außerdem hilft das OSL dabei, Forschungszusammenschlüsse zu bilden und berät mit Kreativ-Workshops beim Antragsprozess für wissenschaftliche Projekte. Dazu hat das OSL verschiedene Bekanntmachungen und Fördermöglichkeiten zu den Kernthemen zusammengestellt.

In einem Newsletter informiert das Open Service Lab über Förderstrategien und Veränderungen in der Förderlandschaft und verschafft seinen Partnern so einen Informationsvorsprung. Die "OSL Notes" stellen darüber hinaus als regelmäßiges Update die neuesten Forschungsergebnisse und Diskussionen aus dem Netzwerk vor. Außerdem im Angebot: regelmäßige Veranstaltungen zu den Themen Dienstleistungsforschung und Zukunft der Arbeit, um sich inhaltlich auszutauschen. So findet zum Beispiel jährlich eine Veranstaltung mit Vertretern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung statt, um zukünftig relevante Forschungsbedarfe aus Wissenschaft und Industrie zu den Kernthemen des OSL zu entwickeln und zu diskutieren.

Angesiedelt ist das OSL am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der FAU. Kooperationspartner sind das Fraunhofer SCS, der Zollhof–Tech Inkubator sowie die JOSEPHS GmbH.

"Das Open Service Lab der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg leistet als Plattform für die Interaktion und Vernetzung zwischen Forschung und Praxis wichtige Arbeit", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im April an das OSL der FAU zu vergeben. "Es informiert über Methoden und Praxis offener Wissenschaft wie Co-Creation, User-Innovation und vielem mehr und trägt so dazu bei, das Wissen über die Vorteile neuer Formen und Formate von Forschung und Lehre zu verbreiten."

Website zum Open Service Lab

Mai: Jung und Freudlos

Foto: Universitätsklinikum Freiburg

Psychische Krankheiten werden in der Öffentlichkeit oft immer noch tabuisiert. Viele Menschen haben Vorurteile und scheuen davor zurück, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der Wissenschaftspodcast "Jung und Freudlos" der Universitätsklinik Freiburg will das ändern: Er informiert Studierende und alle anderen Interessierten alle zwei Wochen unterhaltsam und anregend über psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depression oder Alkoholsucht und trägt so zur Entstigmatisierung dieser Themen bei. Alle 14 Tage beantworten zwei Ärzte und ein Medizinstudent Fragen zu psychischen Krankheitsbildern und psychiatrie-bezogenen Themen. Zusätzlich sind immer wieder Experten zu Gast, die zu ihren Spezialgebieten interviewt werden.

Podcast-Themen sind zum Beispiel Armut und psychische Gesundheit, Corona-Ängste oder Krankheitsbilder wie Depressionen oder Psychosen, aber auch Fragen von Hörern. Zielgruppen des Podcasts sind vor allem Studenten und Kollegen aus dem medizinischen Umfeld, er richtet sich aber grundsätzlich an alle, die sich für Fragen rund um die psychische Gesundheit interessieren, und nennt Anlaufstellen. 

Mit der Sendung wollen die Beteiligten dazu beitragen, dass psychische Erkrankungen weniger stigmatisiert werden und Betroffene die Hilfe in Anspruch nehmen können, die sie brauchen. Der Podcast soll informieren, aufklären und mit Vorurteilen aufräumen. Außerdem wollen die Podcast-Macher ihre Begeisterung für die Psyche und die Psychiatrie teilen. Das Projekt ist Teil der Psychiatrie-Lehre der Universitätsklinik Freiburg.

Der Wissenschaftspodcast "Jung und Freudlos", dessen Name auf die psychiatrisch-psychotherapeutischen Urgesteine Carl Gustav Jung und Sigmund Freud anspielt, wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt

"Der Wissenschaftspodcast 'Jung und Freudlos' traut sich auf kurzweilige und dennoch höchst informative Weise an das Tabuthema psychische Erkrankungen heran", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im Mai an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg zu vergeben. "Das Format trifft die Gewohnheiten junger Menschen, Medien zu konsumieren und kann gut nebenbei gehört werden. Der Podcast ist eine zeitgemäße Möglichkeit, Wissenschaft zielgruppengerecht aufzubereiten und neue Zugänge zu vermeintlich schwierigen Themen zu eröffnen."

Website zum Wissenschaftspodcast "Jung und Freudlos"

Juni: Wissenschaft für alle

Foto: Franziska Schultheis/WiD

Fishbowl-Diskussionen, Science Slams oder Hackathons – die Formate der Wissenschafts­kommunikation sind vielfältig. Und trotzdem gibt es Menschen, die davon ausgeschlossen sind oder die sich nach wie vor nicht für Themen aus Wissenschaft und Forschung interessieren. Woran liegt das, und was kann man tun, um Wissenschaft auch jenen zugänglich zu machen? Diese Frage will das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit seinem Projekt "Wissenschaft für alle: Wie kann Wissenschaftskommunikation mit bisher nicht erreichten Zielgruppen gelingen?" klären.

Um diese Fragen nicht nur theoretisch nachzugehen, wurden im Projekt drei beispielhafte Zielgruppen intensiver eingebunden, die durch bisherige Wissenschaftskommunikation kaum erreicht wurden: Bewohner in sozial benachteiligten Stadtteilen, Berufsschüler und muslimische Jugendliche mit Migrationsgeschichte. Die Forschenden des KIT entwickelten gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog und der Robert Bosch Stiftung sowie mit Vertretern der bisher nicht erreichten Zielgruppen Kommunikationsformate und testen jeweils ein Pilotprojekt: eine Forschungsrallye für Groß und Klein und ein Science&Poetry Slam in Berlin sowie ein Science-Pub-Quiz Wissenschaft und Handwerk in Karlsruhe.

Die Umsetzung der Pilotprojekte wird vom KIT wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Sind die entwickelten Formate erfolgreich und erzielen die gewünschte Wirkung, werden die Ergebnisse in Praxisleitfäden und Handlungsempfehlungen zusammengefasst und anderen Akteure der Wissenschaftskommunikation zu Verfügung gestellt. Ziel ist, dass alle Interessierten von diesem Projekt profitieren und Anregungen erhalten, um künftig selber nicht erreichte Zielgruppen mit Wissenschaft und Forschung in Kontakt zu bringen.

"Wissenschaft ist für alle da. Und wenn nicht alle erreicht werden, dann ist es wichtig, die Formate der Wissenschaftskommunikation auf den Prüfstand zu stellen", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im Juni an das Institut für Technikzukünfte des Karlsruher Instituts für Technologie zu vergeben. "Hervorragend ist, dass das Forschungsprojekt nicht über, sondern mit den verschiedenen Zielgruppen neue Wege sucht und Kommunikationsformate entwickelt, um Themen aus Wissenschaft und Forschung so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen."

Weitere Informationen zum Projekt auf der Website des KIT

Juli: Präsenzstelle Luckenwalde

Foto: Präsenzstelle Luckenwalde

Gute Ideen entstehen, wenn Akteure aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam tüfteln und experimentieren: Die Präsenzstelle Luckenwalde im Brandenburger Landkreis Teltow-Fläming fördert Kooperationen zwischen Brandenburger Hochschulen, Unternehmen, der Region und der Zivilgesellschaft. Initiatoren sind die Technische Hochschule Wildau und die Fachhochschule Potsdam. 

In einer 800 Quadratmeter großen Halle eines Gewerbehofes soll erprobt werden, wie Hochschulen mit Unternehmen, der Region Luckenwalde und der Zivilgesellschaft kooperieren können. Denn in der vorwiegend ländlich geprägten Region Brandenburgs fehlt der direkte Zugang zu Hochschulen. Das Projekt soll unter anderem dabei helfen, Angebote der Brandenburger Hochschulen sichtbarer zu machen, um junge Menschen für die Aufnahme eines Studiums zu gewinnen. Es geht aber auch darum, Absolventen der Hochschulen als Fachkräfte mit der Region und deren Unternehmenslandschaft in Kontakt zu bringen.

Die Präsenzstelle Luckenwalde bietet verschiedene innovative Formate an. Dazu gehören zum Beispiel ein Maker Space, also eine offene Werkstatt, oder ein Co-Working Space, in dem Menschen aus unterschiedlichen Einrichtungen gemeinsam an Ideen arbeiten können. In einer Testumgebung können neue Technologien erprobt werden. Die daraus entstehenden Prototypen können zum Beispiel für Nutzertests ausgestellt werden, um sie mit potenziellen Partnern aus Unternehmen, möglichen Anwendern und Akteuren aus der Zivilgesellschaft zu diskutieren.

Stakeholder aus verschiedenen Bereichen haben Impulse für das Konzept der Präsenzstelle gegeben, darunter Akteure aus der Verwaltung, von Bildungseinrichtungen und Vereinen, der beiden Hochschulen sowie engagierte Bürger. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Regionale Wachstumskern (RWK) Luckenwalde fördern das Projekt.

"Garagenmentalität gibt es auch jenseits von Metropolen. Die Präsenzstelle Luckenwalde zeigt: Kreativität und Innovationskraft entstehen in der Begegnung und im lebendigen Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im Juli an die Technische Hochschule Wildau und die Fachhochschule Potsdam zu vergeben. "Die Einrichtung gibt Menschen aus verschiedenen Bereichen einen Raum, gemeinsam Neuerungen auszuprobieren, und trägt so Wissenschaft in die Öffentlichkeit."

Details zur Präsenzstelle Luckenwalde auf der Website der Technischen Hochschule Wildau

August: Transfer Together

Foto: Pädagogische Hochschule Heidelberg

Transfer, Innovation und eine neue Kultur der Offenheit gewinnen auch an Hochschulen zunehmend an strategischer Bedeutung. Ziel des Projekts "Transfer Together" der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist es, bildungswissenschaftliche Innovationen in außerschulische Lernorte der Region tragen und zusammen mit Partnern neue Konzepte für aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen zu entwickeln. So wollen die Beteiligten gesellschaftlichen Mehrwert schaffen und die Metropolregion Rhein-Neckar stärken. Gleichzeitig soll die Expertise der Hochschule als bildungswissenschaftlicher Akteur am Markt sichtbar gemacht werden. Dazu baut "Transfer Together" unter anderem regionale Kooperationsnetzwerke und strategische Partnerschaften im Bildungsbereich auf.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von "Transfer Together" ist die Ausrichtung und Unterstützung von Veranstaltungen wie Workshops, Science Slams, Vorträge und Barcamps. Diese unterschiedlichen Veranstaltungsformate, die kostenlos, niederschwellig und offen für alle sind, laden zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen ein. Im Gegenzug erhalten die Forschenden Feedback aus der Öffentlichkeit.

Für die optimale Vernetzung in der Region arbeitet die Hochschule eng mit der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH zusammen, die als Schnittstelle zwischen der Hochschule und den Interessensgruppen der Metropolregion fungiert. Dafür wurde eine Transferstelle Bildung eingerichtet. Auf einem gemeinsamen Blog schreiben die Akteure über interkulturelle Bildung, Open Science und Start-up-Kultur, geben Einblicke in ihre Arbeit und berichten über Veranstaltungen. Im Podcast "Transfer Together" spricht das Team mit Gästen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen über Themen wie Gründungen, Social Media und Wissenschaft, MINT-Bildung, Gesundheitsförderung oder interkulturelle Bildung.

Das Projekt "Transfer Together" wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderinitiative Innovative Hochschule von Bund und Ländern.

"Transfer ist keine Einbahnstraße. Neue Ideen und Perspektiven gewinnen wir nur im stetigen Austausch", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im August 2020 nach Heidelberg zu vergeben. "Mit dem Projekt 'Transfer Together' ist es der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gelungen, eine nachhaltige Transferkultur zu etablieren, die dank eines umfassenden methodischen Ansatzes unterschiedliche Zielgruppen erreicht."

Website zum Projekt "Transfer Together"
Podcast "Transfer Together"

September: Erfurter Open Science Initiative

Foto: Stabsstelle Hochschulkommunikation der Universität Erfurt

Open Science, also Offene Wissenschaft, verspricht robustere Erkenntnisse für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Ziel der "Open Science Initiative" der Universität Erfurt (EFOSI) ist es, die Transparenz von sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Forschung zu erhöhen und die Verlässlichkeit ihrer Ergebnisse zu verbessern. Dazu organisieren die Beteiligten verschiedene Workshops und Weiterbildungen zum Thema Open Science für alle Interessierten der Universität, um sich und andere bei der Einführung und Umsetzung von Methoden im Bereich "Offene Wissenschaft" zu unterstützen und Erfahrungen dabei auszutauschen.

Auf der Website der Erfurter Open Science Initiative werden außerdem eigene Aktivitäten der Initiative vorgestellt, die Open Science in Forschung und Lehre aufgreifen. Außerdem verfolgen die Mitglieder, was sich international bei den Themen Forschungstransparenz und Open Science tut, und informieren in ihrem Netzwerk dazu.

Ein wichtiges Ziel von EFOSI ist es zudem, Open Science in der Lehre zu etablieren und bereits Studierenden die Bedeutung transparenter Forschung zu vermitteln. Dazu führen die Projektbeteiligten die Studierenden in Open Science-Praktiken ein und fördern die Anwendung dieser Methoden in Qualifikationsarbeiten. Auf institutioneller Ebene sorgt die Initiative für eine Verankerung ihrer Ziele, indem sie sich beispielweise dafür einsetzt, dass Open Science-Kriterien bei Berufungs- und Einstellungsentscheidungen und in Prüfungsordnungen an der Universität Erfurt berücksichtigt werden.

Die Initiative setzt sich aus Studierenden, Promovierenden, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden sowie Professorinnen und Professoren verschiedener sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Fachrichtungen zusammen und wird unterstützt durch die Servicestelle Forschungsdatenmanagement der Universität Erfurt.

"Die Erfurter Open Science Initiative verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, um Open Science in Forschung, Lehre und auf institutioneller Ebene zu stärken", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Offene Wissenschaft im September nach Thüringen zu vergeben. "Mit dem Projekt gelingt der Universität Erfurt eine Institutionalisierung dieses wichtigen Themas, Informations- und Weiterbildungsangebote werden sichtbar gemacht."

Website der Erfurter Open Science Initiative

Kontakt

Vorschläge für eine Hochschulperle des Monats oder Bewerbungen von Projekten sind willkommen. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf:

Daniela Mägdefessel

ist Programmmanagerin im Bereich "Programm und Förderung".

T 0201 8401-134
F 0201 8401-215

E-Mail senden

Von April bis Juni 2020 hat der Stifterverband dreimal eine Hochschulperle Spezial verliehen. Damit fördert er beispielhafte neue Ideen und Projekte, die zeigen, wie Forschen, Lehren und Prüfen in Zeiten der Corona-Krise gelingen können.
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