Federated Secure
Computing

Illustration: Jens Bonnke

 
 
Das Projekt der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde im November 2021 mit dem "Wirkung hoch 100"-Preis in der Kategorie "Innovation" ausgezeichnet.

Projektbeschreibung
Daten sind der Treibstoff der Industrie 4.0. Unternehmen, Politik und Gesellschaft sind auf Daten angewiesen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Andererseits kann, darf oder will man Daten oftmals nicht teilen. 61 Prozent aller Europäischen Unternehmen tauschen noch überhaupt keine Daten aus. Der Hauptgrund dafür sind Bedenken wegen Datenschutz und Sicherheit. Sicheres verteiltes Rechnen ermöglicht es einer Anzahl von Dateneignerinnen und Dateneignern, gemeinsam aus ihren verteilten Daten zu rechnen, ohne diese austauschen zu müssen. So bleiben die Daten im Gewahrsam und in der Kontrolle ihrer Eignerinnen und Eigner, und dennoch wird Kollaboration möglich, Vertrauen, Zustimmung und Privacy bleiben gewahrt.

Laudatio der Preisjury
Der sichere Austausch von Daten in Europa ist eine große Herausforderung für Hochschulen, Unternehmen, Politik und Gesellschaft. "Federated Secure Computing" ermöglicht es, Datenschätze sicher und vor allem datenschutzkonform zu heben und für Wirtschaft und Wissenschaft nutzbar zu machen. Der Innovation sind damit keine Grenzen gesetzt. Das Geniale dabei ist: Die Datenanalyse erfolgt ohne, dass die Daten selbst getauscht werden müssen. Durch den Open Source Code und die hohe Kompatibilität birgt das Projekt ein großes Potenzial in unterschiedlichsten Bereichen – überall dort, wo Daten anfallen und gesammelt werden.

Vier Fragen an die Projektverantwortlichen

Wie werdet Ihr das Geld einsetzen?
Wir setzen ganz auf Menschen. Wir werden Studenten, Studentinnen, Absolventinnen und Absolventen fortbilden, einen jährlichen Hackathon veranstalten und Bachelor- und Masterarbeiten ausschreiben. Wir wollen kleinen und mittleren Unternehmen helfen, erfolgreiche Show Cases zu realisieren. Wir nutzen die hohe Sichtbarkeit von "Wirkung hoch 100", um weitere Digitalisierungsförderung einzuwerben.

Was ist Eure Vision? Was inspiriert Euch?
Wir alle brauchen Daten. Das neue Öl ist der Treibstoff der Industrie 4.0. Gesellschaft, Unternehmen und Wissenschaft sollen informierte Entscheidungen treffen. Freier Zugang zu Information wird zu einem Grundrecht. Zugleich machen uns Daten verletzlich. Dem freien Datenaustausch stehen Datenschutz und Datensouveränität als gleichrangige Schutzziele der informationellen Selbstbestimmung gegenüber.

Was würdet Ihr an den derzeitigen Rahmenbedingungen für Bildung, Wissenschaft und Innovation als erstes ändern, wenn Ihr könntet?
Wir möchten beweisen, dass intelligenter Datenschutz made in Germany möglich ist, ohne die digitale Transformation auszubremsen. Während der dreijährigen Förderung durch den Stifterverband wollen wir Institutionen sowie kleine und mittelgroße Unternehmen dazu befähigen, ihre Daten für informierte Entscheidungen der Politik, Gesellschaft und Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, ohne diese unwiderruflich teilen zu müssen.

Was waren Eure größten Erfolge während Eurer Förderung durch "Wirkung hoch 100"?
Bytes for life, eine Boutique für Technologietransfer, hat mit "Federated Secure Computing" die Eintrittshürden in das sichere verteilte Rechnen reduziert. Motiviert durch das Coaching zu Systemischer Wirkung wurde die proprietäre Technologie der Allgemeinheit als Open Source geschenkt. Die Technologie wurde daraufhin in den Methodenkatalog der bundesweiten Medizininformatikinitiative aufgenommen.