Forschungsgipfel 2019: Rückblick

"Wir müssen darauf achten, dass wir nicht nur Vorreiter sind bei der Regulierung. Wir müssen auch aktiv gestalten."

Video abspielen
Youtube

Der Forschungsgipfel 2019 stand ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz. KI wird zukünftig auf die gesamte Gesellschaft einwirken und sie wird unser aller Verhalten beeinflussen – ob beim Konsum, im Gesundheitsbereich, im Rahmen unserer Mobilität oder unserer Meinungsbildung und beruflichen Tätigkeiten. KI kann die Basis für grundlegend neue Denk- und Handlungsmuster bilden. Sie wird die Forschungs- und Innovationsprozesse verändern und beschleunigen. Mit KI eröffnen sich viele neue Möglichkeiten, doch auch Probleme und Herausforderungen, die auf dem Forschungsgipfel diskutiert wurden.

Das Video bietet Streiflichter von der Veranstaltung am 19. März 2019 im Allianz Forum, Berlin, mit Stimmen von:

  • Helge Braun, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes
  • Manuela Lenzen, Wissenschaftsjournalistin
  • Chris Boos, CEO und Gründer der Arago GmbH
  • Elisabeth André, Lehrstuhlinhaberin für Multimedia-Konzepte und ihre Anwendungen, Universität Augsburg
  • Katharina Zweig, Mitgründerin von Algorithm Watch und Lehrstuhlinhaberin für Theoretische Informatik, TU Kaiserslautern
  • Steven Peters, Leiter AI Research bei der Daimler AG
  • Cédric Villani, Direktor des Instituts Henri Poincaré und Mitglied der französischen Nationalversammlung
  • Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung
  • Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence, TU München

Programmübersicht und weitere Informationen zum Forschungsgipfel 2019

 

Transkript des Videos

Helge Braun
Ich glaube, das hat Stephen Hawking ja in seinen Zitaten ziemlich gegen Ende seines Lebens mehrfach deutlich gemacht: Ki kann das Beste und das Schlimmste sein, was der Menschheit je passiert ist. Das teile ich ausdrücklich, und deshalb glaube ich, dass der dritte große Punkt, und das soll ja jetzt im Panel auch das Thema sein, die gesellschaftliche Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz ein riesengroßes Thema ist.

Manuela Lenzen
Sobald Maschinen mit uns sprechen, sobald Roboter herumgehen und mit den Augen rollen, können wir eigentlich gar nicht anders als eine menschliche Psychologie über diese Maschinen zu stülpen. Es fällt uns einfach schwer zu verstehen, dass eine Maschine auf der einen Seite intelligent genug ist, um den Schachweltmeister zu schlagen, auf der anderen Seite Äpfel nicht von Birnen unterscheiden kann.

Chris Boos
Mir ist es superwichtig zu sagen, dass wir einen Wettlauf durchlaufen, der technologisch ausgetragen wird selbstverständlich, und dafür gibt es definitiv genügend schlaue Köpfe in Deutschland. Das Problem ist eher, dass die abwandern.

Elisabeth André
Wir müssen darauf achten, dass wir nicht nur Vorreiter sind bei der Regulierung. Wir müssen auch aktiv gestalten, beispielsweise durch die Entwicklung von Algorithmen, die weniger datenhungrig sind. Und ich sehe Ethik nicht als Innovationsbremse. Ich sehe Ethik als Wettbewerbsvorteil.

Katharina Zweig
Wir haben Daten, und da gibt es Muster drin. Aber wie genau wir jetzt die ganzen vielen Knöpfchen drehen, um herauszukriegen, wo die besten Muster sind, das ist eigentlich ganz oft eine gesellschaftliche Frage, aber nur dann, wenn es um Menschen geht oder um gesellschaftliche Teilhabe.

Steven Peters
Wir sehen's, wir haben super Universitäten, super Grundlagenforschung, gute anwendungsnahe Forschung. Was ich noch vermisse, ist, dass ich im klassischen Maschinenbau KI vermittelt bekomme. Warum muss ich einen Data Scientist einstellen und mit einem Maschinenbauer verbinden, damit ich das Problem diskutieren kann?

Cédric Villani
Put the strong French mathematics together with the strong German industry and you get a product that will be best in the world.

Achim Wambach
Wir haben sie aber auch gefragt: Wie steht ihr international da? Und die Finanz- und Versicherungsindustrie sagt: Wir stehen sehr gut da international, was KI-Anwendungen betrifft. Maschinenbau und Fahrzeugbau sagt: Wir laufen hinterher. Und ich glaube, das ist auch die Baustelle, die wir haben, an der wir arbeiten müssen. Übrigens: Fachkräftemangel ist nicht der Hauptgrund, warum sie hinterherlaufen. Das hat viel mit Datenzugang, Datensicherheit, Datenstandardisierung zu tun.

Sami Haddadin
Ich glaube, wir müssen nicht neu denken, sondern wir müssen nur so ein bisschen auch an unsere Stärken wieder glauben und sagen: Naja, diese Kombination, also aus Ingenieur und Informatiker, das ist, wo viel Neues entsteht. Und das ist das, was in unsere physische Welt kommt, und da sehe ich unglaublich viel Potenzial.