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Parteien liefern kaum Konzepte für forschungsbasierte Innovationstrategien

Mecklenburg-Vorpommern besitzt eine differenzierte Forschungslandschaft, schöpft deren wirtschaftliches Potenzial bislang aber nur begrenzt aus. Mit der Fortschreibung der bis 2027 laufenden "Regionalen Innovationsstrategie erhält die nächste Landesregierung die Chance, Wissenschaft, Unternehmen, Gründungen und Kapital besser miteinander zu verbinden. Eine aktuelle Analyse des Stifterverbandes zeigt, welche strategischen Ansätze die Parteien dafür vorlegen und worauf es bei der Umsetzung ankommt.

15.09.2026
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern

 
Mecklenburg-Vorpommern verfügt über ein kleines, aber profiliertes Wissenschaftssystem. Stärken in maritimen Technologien, Energie, Gesundheit sowie Agrar- und Umweltwissenschaften treffen jedoch auf eine forschungsschwache Wirtschaft: 2024 investierten die Unternehmen lediglich 0,18 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung, deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt von 2,14.

Die zentrale Herausforderung besteht deshalb darin, öffentlich getragene Forschung besser mit Unternehmen zu verzahnen und stärker in Gründungen, Innovation und regionale Wertschöpfung zu überführen. Das Land braucht daher weniger zusätzliche Forschungskapazitäten als eine bessere Verbindung von Wissenschaft, Unternehmen, Kapital und Gründungen.

 

Gemeinsames Ziel, unterschiedliche Konzepte
für leistungsfähige Hochschulen

Alle Parteien erkennen die Bedeutung leistungsfähiger Hochschulen an, setzen jedoch unterschiedliche Akzente. Die CDU nennt ein konkretes zusätzliches Finanzierungsvolumen, die Grünen verbinden eine dynamische Grundfinanzierung mit Investitionen und Dauerstellen, SPD und Linke betonen bessere Karriere- und Beschäftigungsbedingungen. Die FDP setzt vor allem auf finanzielle Eigenverantwortung und Hochschulautonomie, während die AfD Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten vorsieht.

Damit greifen die Parteien wichtige Voraussetzungen für ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem auf. Eine langfristige Strategie für seine Resilienz ist jedoch kaum erkennbar. Offen bleibt insbesondere, wie Finanzierung, Personalentwicklung, digitale Infrastrukturen, Hochschulautonomie und der Schutz der Wissenschaftsfreiheit dauerhaft zusammenspielen sollen. Die Programme zeigen somit ein Bewusstsein für einzelne Herausforderungen, aber nur begrenzt dafür, wie das Wissenschaftssystem als Ganzes langfristig handlungsfähig bleiben kann.

 

Strategische Transferansätze, sicherheitsrelevante Forschung als Leerstelle

Das eigentliche Innovationsproblem Mecklenburg-Vorpommerns liegt nicht im Mangel an Forschung, sondern in der schwachen Übersetzung von Wissen in wirtschaftliche Anwendung. Weitgehend einig sind sich die Parteien darin, Kooperationen, Transfer und wissenschaftsbasierte Gründungen stärken zu wollen. Unterschiede zeigen sich vor allem in der strategischen Ausgestaltung: SPD, CDU und Grüne verbinden regionale Forschungsstärken in einem vergleichsweise umfassenden Konzept mit Innovationsclustern, Transferstrukturen und Gründungsförderung. Die FDP schlägt ebenfalls zahlreiche Instrumente vor, führt diese jedoch nicht zu einer klaren Gesamtstrategie zusammen. Linke und AfD konzentrieren sich stärker auf einzelne Branchen und Technologiefelder. Positiv fällt auf, dass mehrere Programme die strukturellen Herausforderungen des Landes präzise erfassen und daraus strategische Handlungsansätze ableiten. Für die Umsetzung bleibt allerdings zu klären, wie bestehende Strukturen koordiniert, Vorhaben finanziert und neue Doppelstrukturen vermieden werden können.

Sicherheitsrelevante Forschung erhält dagegen wenig Aufmerksamkeit. Zwar greifen fast alle Parteien Cybersicherheit, kritische Infrastrukturen, maritime Sicherheit oder die veränderte geopolitische Lage auf. Es fehlen jedoch weitgehend Konzepte, um die vorhandenen Forschungs- und Industriekompetenzen des Landes gezielt miteinander zu verzahnen und für sicherheitsrelevante Innovationen nutzbar zu machen.

Mecklenburg-Vorpommern fehlt es nicht an wissenschaftlichen Stärken, sondern an einer durchgängigen Verbindung von Forschung, Unternehmen, Gründungen und Kapital.

Volker Meyer-Guckel (Foto: Marcel Schwickerath)
Volker Meyer-Guckel (Foto: Marcel Schwickerath)

Volker Meyer-Guckel

Generalsekretär des Stifterverbandes

"Gerade Mecklenburg-Vorpommern verfügt mit seiner Küstenlage, seinen Häfen sowie seinen maritimen Forschungs- und Industriekompetenzen über besondere Voraussetzungen, Sicherheit und Resilienz im Ostseeraum als Forschungs- und Innovationsfeld weiterzuentwickeln", sagt Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes. "Insgesamt verdeutlicht die Analyse der Wahlprogramme: Mecklenburg-Vorpommern fehlt es nicht an wissenschaftlichen Stärken, sondern an einer durchgängigen Verbindung von Forschung, Unternehmen, Gründungen und Kapital. Die nächste Innovationsstrategie sollte deshalb klare Schwerpunkte setzen, bestehende Strukturen besser verzahnen sowie Synergien mit den Innovationsagenden des Bundes und Europas nutzen."

Aus Sicht des Stifterverbandes kommt es nun darauf an, bestehende Netzwerke und Förderinstrumente wirksamer zu koordinieren und durch ein belastbares Finanzierungskonzept abzusichern. Dieses sollte zusätzliches privates Kapital mobilisieren, ohne die öffentliche Verantwortung für Hochschulen und Forschungsinfrastrukturen zu ersetzen. Die Fortschreibung der Regionalen Innovationsstrategie für die Zeit ab 2028 bietet eine Chance, das zentrale Innovationsproblem des Landes anzugehen: die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Wertschöpfung. Ob dies gelingt, wird wesentlich darüber entscheiden, wie wettbewerbsfähig Mecklenburg-Vorpommern künftig im deutschen und europäischen Innovationssystem sein wird.

 

Pressekontakt

Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)
Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)

Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

T 030 322982-530

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