Wahlprogrammanalyse Mecklenburg-Vorpommern 2026 zur Wissenschafts- und Innovationspolitik
Mit der Landtagswahl am 20. September 2026 werden zentrale Weichen für die Wissenschafts- und Innovationspolitik Mecklenburg-Vorpommerns gestellt. Die nächste Landesregierung muss entscheiden, wie Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups stärker zur wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung des Landes beitragen können.
Dabei geht es um eine verlässliche Hochschulfinanzierung und planbare wissenschaftliche Karrieren ebenso wie um Wissenschaftsfreiheit, Transfer, Gründungen und sicherheitsrelevante Forschung. Zugleich bietet die bis 2027 laufende Regionale Innovationsstrategie die Gelegenheit, die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Stärken Mecklenburg-Vorpommerns angesichts digitaler, ökologischer, demografischer und geopolitischer Veränderungen strategisch weiterzuentwickeln.
Aus Sicht des Stifterverbandes braucht das Land ein offenes, resilientes und international anschlussfähiges Wissenschafts- und Innovationssystem, in dem Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft enger zusammenwirken und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in wirtschaftliche und gesellschaftliche Anwendungen gelangen.
Mecklenburg-Vorpommern verfügt mit rund 36.000 Studierenden im Wintersemester 2024/2025 über ein kleines, aber profiliertes Wissenschaftssystem. Seine Stärken passen eng zu den Potenzialen des Landes, insbesondere in maritimen Technologien, Energie, Gesundheit sowie Agrar- und Umweltwissenschaften. Bislang gelingt es jedoch nur begrenzt, diese öffentlich getragenen Forschungsleistungen in private Forschung, Gründungen und regionale Wertschöpfung zu überführen. Nach Angaben der Regionalen Innovationsstrategie von 2020 beschäftigen rund 90 Prozent der Betriebe weniger als zehn Mitarbeitende. Im Jahr 2024 investierte die Wirtschaft lediglich 0,18 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung. Die größte Herausforderung besteht daher nicht im Aufbau zusätzlicher Forschungskapazitäten, sondern darin, vorhandene wissenschaftliche Kompetenzen konsequenter für Innovation, Unternehmenswachstum und regionale Wertschöpfung zu nutzen. Dafür müssen Wissenschaft und Unternehmen passgenauer zusammengebracht, wissenschaftsbasierte Gründungen gestärkt und zusätzliches privates Kapital mobilisiert werden. Die im September 2026 veröffentlichte Analyse zeigt, dass alle Parteien Wissenschaft und Innovation eine hohe Bedeutung beimessen.
Mehrere Wahlprogramme erfassen die strukturelle Ausgangslage Mecklenburg-Vorpommerns präzise und entwickeln daraus übergreifende oder an regionalen Stärken ausgerichtete Strategien für Hochschulen, Transfer und Gründungen. Andere Programme beschränken sich dagegen auf einzelne Instrumente oder Technologiefelder. Häufig bleibt zudem offen, wie Finanzierung, Personalentwicklung und Transfer dauerhaft miteinander verbunden werden sollen. Die anstehende Fortschreibung der Innovationsstrategie bietet der nächsten Landesregierung daher die Chance, Hochschulen und Forschungseinrichtungen stärker bei der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis zu unterstützen, bestehende Strukturen besser zu orchestrieren und öffentliche wie private Mittel auf wenige standortspezifische Entwicklungsfelder zu konzentrieren. Dazu sollte auch die sicherheitsrelevante Forschung gehören, die trotz der maritimen Kompetenzen und der Lage Mecklenburg-Vorpommerns im Ostseeraum bislang nur punktuell berücksichtigt wird.
Parteiprogramme im Überblick
- Die SPD beschreibt Hochschulen und Forschungseinrichtungen als zentrale Innovationsmotoren, die Fachkräfte ausbilden, regionale Wertschöpfung stärken und junge Menschen im Land halten sollen. Sie kündigt zusätzliche, gezielte Investitionen an und will den Hochschulbaukorridor auch nach 2030 auskömmlich ausstatten. Bei den wissenschaftlichen Karrierebedingungen setzt sie auf Tarifbindung, einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte und die Prüfung zusätzlicher entfristeter Stellen für Postdocs. Forschungsstipendien, Graduiertenkollegs und die Landesexzellenzinitiative sollen fortgeführt werden (vgl. SPD-Wahlprogramm, S. 71, 73–75).
- Die Linke verbindet eine starke Hochschulfinanzierung mit sozialer Sicherheit für Studierende und guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Als zusätzliche Einnahmequelle lehnt die Linke die Gebühren für internationale Studierende ab. Für wissenschaftliche Karrieren stehen Dauerstellen für Daueraufgaben, verlässliche Karrierewege jenseits der Professur und eine tariflich abgesicherte Beschäftigung einschließlich eines studentischen Tarifvertrags im Mittelpunkt. Darüber hinaus sollen die Mitbestimmungsrechte der verschiedenen Statusgruppen gestärkt werden (vgl. Die Linke-Wahlprogramm, S. 17).
- Die AfD sieht eine unzureichende Grundfinanzierung als Problem und fordert, dass Drittmittel zusätzliche wissenschaftliche Leistungen fördern, statt Finanzierungslücken des Landes auszugleichen. Zugleich will sie für Studierende aus Nicht-EU-Staaten fachabhängige Studiengebühren von mindestens 1.500 Euro pro Semester einführen. Zur Begründung verweist sie auf deren erhöhte Studienabbruchquote und die Rückkehr vieler internationaler Studierender in ihre Herkunftsländer. Aussagen zu wissenschaftlichen Karrierewegen oder Beschäftigungsbedingungen enthält der vorliegende Ausschnitt nicht (vgl. AfD-Wahlprogramm, S. 34 f.).
- Die CDU diagnostiziert einen Sanierungsstau und einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf für Forschung, Lehre, Digitalisierung und Hochschulbau. Sie will die Landesmittel um mindestens 20 Prozent beziehungsweise 80 Millionen Euro erhöhen, um diese zusätzliche Mittel für exzellente Forschung, den Ausbau von Forschungsschwerpunkten, zusätzliche Lehrstühle und Studiengänge, den laufenden Betrieb sowie den Hochschulbau bereitzustellen. Eine höhere Grundfinanzierung soll außerdem den digitalen Wandel unterstützen („Digitalpakt Hochschule“); auch beim Einwerben von Drittmitteln und bei der Beteiligung an Exzellenzprogrammen sollen die Hochschulen mehr Landesmittel erhalten. Konkrete Maßnahmen zu wissenschaftlichen Karrierewegen oder Beschäftigungsbedingungen werden im vorliegenden Ausschnitt nicht genannt (vgl. CDU-Wahlprogramm, S. 62).
- Die Grünen beschreiben steigende Kosten, eine sanierungsbedürftige Infrastruktur und fehlende Planungssicherheit als zentrale Belastungen für die Hochschulen. Sie fordern eine dynamische Grundfinanzierung, langfristige Zielvereinbarungen sowie ein mehrjähriges Investitionsprogramm für Hochschulbau und Infrastruktur. Wissenschaftliche Karrieren sollen durch mehr unbefristete Stellen nach dem Grundsatz "Dauerstellen für Daueraufgaben" und bessere Arbeitsbedingungen für Promovierende gestärkt werden. Weitere Schwerpunkte sind die psychische Gesundheit von Studierenden sowie Qualifizierungsprogramme für Professorinnen, Professoren und andere Lehrverantwortliche (vgl. Die Grünen-Wahlprogramm, S. 35–37).
- Die FDP will die finanzielle Eigenverantwortung der Hochschulen stärken und ihnen größere Spielräume bei Budget-, Personal- und Lehrentscheidungen einräumen. Dazu schlägt sie Globalhaushalte vor und wendet sich gegen Zwangsrücklagen sowie gegen eine nachträgliche Aufhebung der Zweckbindung bereits gebildeter Rücklagen. In der Hochschulmedizin sollen die verfügbaren Mittel innerhalb des Wissenschaftsetats klar priorisiert werden. Konkrete Vorschläge zu Befristungen, wissenschaftlichen Karrierewegen oder Beschäftigungsbedingungen enthält der vorliegende Ausschnitt nicht (vgl. FDP-Wahlprogramm, S. 13 f.).
- Die SPD versteht Wissenschaftsfreiheit als Grundlage guter Forschung und Lehre und will Forschende dabei unterstützen, unabhängig von äußerem Druck zu arbeiten. Gemeinsam mit den Hochschulen soll das Wissenschaftssystem resilienter gestaltet werden. Dazu will die Partei den Zugang zu wissenschaftlichem Wissen und dessen langfristige Sicherung verbessern, indem sie die wissenschaftlichen Bibliotheken stärkt, ein digitales Pflichtexemplar einführt sowie Open Access, Open Science und das Forschungsdatenmanagement ausbaut (vgl. SPD-Wahlprogramm, S. 72, 75).
- Die Linke will die Wissenschaftsfreiheit vor politischen, wirtschaftlichen und autoritären Eingriffen schützen und die Resilienz der Hochschulen durch ein eigenes Berufungsrecht sowie eine Reform der Rahmenfinanzierung stärken. Zugleich fordert sie eine bessere Grundausstattung und zusätzliche Verwaltungsstellen, damit Hochschulen ihre wachsenden Aufgaben erfüllen können. Wissenschaft soll unabhängig arbeiten, zugleich aber gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und stärker mit Gesellschaft, Kommunen und Praxis kooperieren (vgl. Wahlprogramm Die Linke, S. 17 f.).
- Die AfD fordert im Zusammenhang mit landeseigenen Forschungseinrichtungen im Bereich Landwirtschaft, dass Forschung frei von politischer Einflussnahme erfolgen soll. Eine darüber hinausgehende Position zur Wissenschaftsfreiheit im Wissenschafts- und Hochschulsystem formuliert sie nicht (vgl. AfD-Wahlprogramm, S. 75).
- Die CDU will Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie durch eine Reform des Hochschulgesetzes sowie den Abbau von Genehmigungsvorbehalten und Bürokratie stärken. Die Hochschulen sollen insbesondere in den Bereichen Studium und Lehre, Personal, Haushalt und Bau mehr Eigenständigkeit erhalten. Gemeinsame digitale Infrastrukturen und wissenschaftliche Ressourcen sollen Qualität und Sicherheit verbessern, ohne die Autonomie der einzelnen Hochschulen bei standortspezifischen Lösungen einzuschränken (vgl. CDU-Wahlprogramm, S. 63 f.).
- Die Grünen wollen die Resilienz des Wissenschaftssystems vor allem durch offene Wissenschaft, öffentlich finanzierte Publikations- und Dateninfrastrukturen sowie den Ausbau digitaler Forschungs- und Lehrinfrastrukturen stärken. Open Access soll zu einer umfassenden Open-Science-Strategie weiterentwickelt und das Forschungsdatenmanagement landesweit ausgebaut werden. Zukunftstechnologien sollen unter Wahrung der Wissenschaftsfreiheit und bei verantwortungsvoller Abwägung ihrer Folgen gefördert werden (vgl. Wahlprogramm Die Grünen, S. 37).
- Die FDP will die Hochschulautonomie durch größere Entscheidungsfreiheit in Personal-, Lehr-, Budget-, Bau- und Organisationsfragen sowie durch Globalhaushalte ausweiten. Wissenschaftsfreiheit verbindet sie mit einer offenen Debattenkultur, die alle Meinungen und Positionen einschließt, solange die Grenzen des Grundgesetzes und des Strafrechts eingehalten werden. Darüber hinaus will sie Hochschulen von Bürokratie entlasten, internationale Ausrichtungen fördern sowie digitale Zugänge und Bibliotheksverbünde stärken (vgl. FDP-Wahlprogramm, S. 13 f.).
- Die SPD setzt sich ausführlich mit Kooperation, Transfer und wissenschaftsbasierten Ausgründungen auseinander. Sie will dabei an die Hightech Agenda Deutschland sowie das künftige EU-Forschungsrahmenprogramm anknüpfen und die Forschungsförderung auf bestehende Stärken und Zukunftstechnologien des Landes konzentrieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen durch regionale Kompetenzzentren, Prototypen und Pilotprojekte schneller in die wirtschaftliche Anwendung überführt werden; zugleich sollen mehr Start-ups aus Wissenschaftseinrichtungen entstehen. Dafür will die SPD Beratungsstrukturen stärker vernetzen und den Zugang zu Risiko- und Beteiligungskapital sowie zu Finanzierungsinstrumenten für Scale-ups verbessern (vgl. SPD-Wahlprogramm, S. 9, 13, 73 f.).
- Die Linke behandelt Kooperationen, Transfer und wissenschaftsbasierte Ausgründungen nur am Rande, etwa bei der Förderung digitaler Innovationen. Konkreter wird sie bei der Gesundheitswirtschaft, die sie unter anderem durch Telemedizin-Start-ups stärken will. Eine übergreifende Transfer- oder Gründungsstrategie ist nicht erkennbar (vgl. Wahlprogramm Die Linke, S. 9, 27).
- Die AfD legt ihren Schwerpunkt auf den Technologietransfer in der Gesundheitswirtschaft. Forschungsergebnisse der Universitäten Rostock und Greifswald sollen mithilfe einer Technologie-Transfer-Stelle und Industriestipendien in marktfähige Produkte und Unternehmensausgründungen überführt werden. Zudem will die Partei BioCon Valley als Verbindung zwischen Wissenschaft und Markt ausbauen. Weitere Ansätze finden sich in einzelnen Anwendungsfeldern, etwa bei der Vernetzung von Forschung und Praxis in der Landwirtschaft sowie bei der Förderung kerntechnischer Kompetenzen. Ergänzend schlägt die AfD regionale MINT-Cluster vor (vgl. AfD-Wahlprogramm, S. 15, 29, 75, 84 f.).
- Die CDU beschreibt die kleinteilige Wirtschaftsstruktur und die fehlenden betrieblichen FuE-Kapazitäten ausdrücklich als zentrale Transferhemmnisse. Sie will Wissenschaft und Wirtschaft strategisch enger verzahnen und dafür eine Wissenschafts- und Forschungsstrategie entwickeln, beide Politikfelder in einem Ressort bündeln sowie Innovationszentren, Forschungsfabriken und regionale Hightech-Cluster aufbauen. Hochschulausgründungen und Start-ups sollen durch Gründerzentren, eine engere Forschungsanbindung und verlässliche Finanzierung bis zur Marktreife begleitet werden; zusätzlich ist ein landeseigener Start-up-Fonds vorgesehen. Insgesamt legt die CDU damit einen umfassenden Ansatz vor, der Kooperation, Technologietransfer, Ausgründungen und regionale Wertschöpfung miteinander verbindet (vgl. CDU-Wahlprogramm, S. 10, 23, 25, 61–68).
- Die Grünen knüpfen ihre Transferpolitik gezielt an regionale Stärken wie maritime Technologien, nachhaltige Landwirtschaft und Bioökonomie an. Insbesondere maritime Start-ups sollen unterstützt werden, damit neue Ideen schneller in die Anwendung gelangen. Mit einer landesweiten Transferstrategie, regionalen Innovationsclustern und Reallaboren wollen sie Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und Gesellschaft stärker vernetzen. Hochschulausgründungen sollen zudem durch Beteiligungsfonds und Scale-up-Programme bessere Entwicklungsbedingungen erhalten (vgl. Wahlprogramm Die Grünen, S. 32, 38).
- Die FDP sieht erhebliches Innovationspotenzial an Hochschulen und Berufsschulen, das bislang zu selten in Unternehmen und marktfähige Produkte überführt werden. Sie will Ausgründungen und den Technologietransfer vor allem durch weniger rechtliche und bürokratische Hürden, stärkere Gründer- und Innovationszentren sowie ein Gründungsstipendium erleichtern. Eine landeseigene Agentur für Sprunginnovationen soll gemeinsam mit den Hochschulen disruptive Technologien fördern, die an den wirtschaftsstrukturellen Potenzialen Mecklenburg-Vorpommerns anknüpfen. Ergänzend setzt die Partei auf Entrepreneurship an Hochschulen, Gründungssemester und eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft (vgl. FDP-Wahlprogramm, S. 7 f., 13, 113 f.).
- Die SPD setzt ihren Schwerpunkt auf digitale Souveränität und Cyberresilienz. Sie will technologische Abhängigkeiten verringern, staatliche IT-Strukturen besser gegen Angriffe schützen und Cybersicherheit als wissenschaftliches Qualifikationsfeld stärken. Eine Verbindung zur sicherheitsrelevanten oder zivil-militärischen Forschung stellt sie jedoch nicht her (vgl. SPD-Wahlprogramm, S. 27, 46, 56–58, 72).
- Die Linke entwickelt keine eigene Position zu sicherheitsrelevanter Forschung oder zur Verzahnung ziviler und militärischer Forschung. Sie ordnet Forschung grundsätzlich den Zielen Frieden, Demokratie und Nachhaltigkeit unter (vgl. Wahlprogramm Die Linke, S. 18).
- Die AfD entwickelt keine ausdrückliche Position zu sicherheitsrelevanter oder zivil-militärischer Forschung. Sie erwähnt jedoch eine stärkere zivil-militärische Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und setzt im maritimen Bereich auf den Spezialschiffbau für Marine, Munitionsbergung, Küstenschutz und Forschung (vgl. AfD-Wahlprogramm, S. 15, 39).
- Die CDU will bestehende Rüstungsunternehmen unterstützen und weitere Unternehmen der Branche ansiedeln. Eine Zivilklausel schließt sie ausdrücklich aus, ohne die daraus folgenden Konsequenzen für Forschung und Hochschulen näher zu erläutern (vgl. CDU-Wahlprogramm, S. 12, 64).
- Die Grünen setzen auf digitale Souveränität und wollen Abhängigkeiten von globalen Technologiekonzernen durch Open Source und offene Standards verringern. Für den Ostseeraum planen sie ein umfassendes Schutzkonzept für kritische Infrastrukturen mit besonderem Fokus auf zivil-militärische Zusammenarbeit. Im maritimen Bereich verbinden sie Forschung und Praxis und nennen dabei unter anderem Spezialschiffe und Munitionsbergung als Innovationsfelder, ohne eine direkte Position zu sicherheitsrelevanten Forschung zu formulieren (vgl. Wahlprogramm Die Grünen, S. 32, 46, 109).
- Die FDP will Transfer-Hubs und Reallabore für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien fördern und in maritimen Wertschöpfungszentren Werften, Zulieferindustrie, Forschung und neue Technologien zusammenbringen. Im Bereich Cybersicherheit setzt sie auf eine stärkere Hochschulförderung für moderne Verschlüsselungsalgorithmen sowie nationale und internationale Kooperationen (vgl. FDP-Wahlprogramm, S. 5, 15, 135 f.).
Position des Stifterverbandes
Aus Sicht des Stifterverbandes reicht die Debatte über die Höhe der Hochschulfinanzierung allein nicht aus. Entscheidend ist, Finanzierung, Personalentwicklung, Infrastruktur und Transfer zu einer gemeinsamen Strategie für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Mecklenburg-Vorpommern zu verbinden. Eine verlässliche Grundfinanzierung bildet hierfür die Voraussetzung. Sie sollte durch wettbewerbliche Förderinstrumente, Kooperationen mit Wirtschaft und Gesellschaft sowie eine stärkere Vernetzung mit Förderprogrammen des Bundes und der Europäischen Union ergänzt werden.
Mecklenburg-Vorpommern verfügt trotz seiner vergleichsweise kleinen Wissenschaftslandschaft über leistungsfähige Hochschulen. Um deren Wirkung für Innovation und Wertschöpfung zu erhöhen, sollten Kooperationen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gezielt gestärkt werden. Wissenschaftliche Karrierewege sind für Mecklenburg-Vorpommern dabei nicht nur eine hochschulpolitische Frage. Angesichts des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und der vergleichsweise kleinen Wissenschaftslandschaft entscheiden attraktive Karrierebedingungen wesentlich darüber, ob das Land wissenschaftliche Talente gewinnen und halten kann. Sie sind damit zugleich ein wichtiger Faktor für Innovationsfähigkeit, Transfer und regionale Entwicklung.
Aus Sicht des Stifterverbandes ist Wissenschaftsfreiheit eine zentrale Voraussetzung für wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, Innovation und gesellschaftliches Vertrauen. Die Landespolitik sollte sie durch verlässliche Finanzierung, transparente und wissenschaftsgeleitete Entscheidungsverfahren sowie starke autonome Institutionen sichern. Zugleich sollte sie Hochschulen dabei unterstützen, den Dialog und die Zusammenarbeit mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik auszubauen. Wissenschaftskommunikation, Beteiligungsformate und transparente Forschungsprozesse können Vertrauen stärken, regionale Bedarfe aufgreifen und wissenschaftliche Erkenntnisse breiter nutzbar machen. Ziel sollte ein offener, gesellschaftlich verankerter und resilienter Wissenschaftsstandort sein, der seine Autonomie wahrt und zugleich auf politische, digitale und geopolitische Veränderungen vorbereitet ist.
Aus Sicht des Stifterverbandes liegt die zentrale Herausforderung Mecklenburg-Vorpommerns weniger in der Generierung neuer Ideen als darin, die wissenschaftlichen Stärken des Landes wirtschaftlich und gesellschaftlich wirksam zu machen. Angesichts der kleinteiligen, FuE-schwachen Unternehmensstruktur sollte Transferpolitik deshalb die gesamte Innovationskette berücksichtigen und den Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis über Kooperation, Erprobung und Gründung bis zur Skalierung gezielt unterstützen.
Innovationsökosysteme durch regionale Orchestrierung stärken: Die in den Wahlprogrammen genannten Innovationscluster, Transferstellen, Reallabore, Gründungszentren und regionalen Netzwerke können ihre Wirkung nur entfalten, wenn sie strategisch aufeinander abgestimmt sind. Im Mittelpunkt sollten daher keine isolierten Einzelinstrumente, sondern regionale Innovationsökosysteme stehen, in denen Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Intermediäre, Kommunen und Zivilgesellschaft zusammenwirken. Neue Strukturen sollten nur dort entstehen, wo tatsächliche Lücken bestehen.
Privates Kapital ergänzend mobilisieren: Angesichts begrenzter öffentlicher Mittel ist eine stärkere Beteiligung privater Akteure an der Finanzierung von Forschung, Transfer und Gründungsförderung wichtig. Privates Kapital kann öffentliche Finanzierung jedoch nur ergänzen und entbindet den Staat nicht von seiner Verantwortung für verlässliche Rahmenbedingungen und eine tragfähige Grundfinanzierung. Transfer breiter verstehen: Transfer sollte nicht auf technologische Produkte und wirtschaftliche Verwertung begrenzt werden. Entsprechend einem breiten Innovationsverständnis können auch soziale Innovationen, GovTech-Lösungen und Prozessinnovationen regionale Wertschöpfung und gesellschaftlichen Nutzen erzeugen. Dafür braucht es Beratungs-, Förder- und Skalierungsangebote, die auch gemeinwohlorientierte Vorhaben sowie Ideen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften einbeziehen.
Aus Sicht des Stifterverbandes sollte sicherheitsrelevante Forschung als Teil eines leistungsfähigen und resilienten Innovationssystems verstanden werden. Hochschulen und Forschungseinrichtungen benötigen klare Rahmenbedingungen, um verantwortungsvoll mit sicherheitsrelevanten Fragestellungen umgehen zu können.
Eine Analyse von Stifterverband und McKinsey zeigt, dass Deutschland zwar über eine breite wissenschaftliche Basis verfügt, Forschung, Erprobung und Anwendung aber noch unzureichend miteinander verbunden sind. Mehr als die Hälfte der 419 untersuchten Hochschulen forscht in Feldern, die auch sicherheits- oder verteidigungsrelevant genutzt werden können. Bei höheren Investitionen und einem besseren Transfer beziffert die Studie das zusätzliche Wertschöpfungspotenzial für Deutschland auf bis zu 22 Milliarden Euro jährlich. Diese bundesweite Schätzung lässt sich nicht unmittelbar auf Berlin (und Brandenburg) übertragen, verdeutlicht aber die wirtschaftliche Bedeutung eines besser verbundenen Forschungs- und Innovationssystems (Stifterverband & McKinsey & Company, 2026).
Kontakt
Dr. Pascal Hetze
ist Programmleiter Data & Policy.
T 030 322982-506