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Wertschöpfungspotenzial von 22 Milliarden Euro bislang nur teilweise gehoben

Deutschland verbindet sicherheitsrelevante Forschung und wirtschaftliche Innovation bislang nur selten systematisch. Eine neue Analyse von Stifterverband und McKinsey & Company zeigt: Bei engerer Verzahnung ließe sich unter geeigneten Rahmenbedingungen ein zusätzliches wirtschaftliches Potenzial von bis zu rund 22 Milliarden Euro jährlich durch zusätzliche Investition in sicherheitsrelevante Forschung erschließen.

08.07.2026

Deutschland verfügt über erhebliche Potenziale in sicherheits- und verteidigungsrelevanter Forschung. Leistungsfähige Hochschulen, außeruniversitäre Forschung, starke Industrie, innovative Start-ups und regionale Technologiecluster bilden eine breite Ausgangsbasis. Allein von den 419 untersuchten Hochschulen ist mehr als die Hälfte in Forschungsfeldern aktiv, die für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen nutzbar sind. Doch aus diesem Potenzial entsteht bislang zu selten konkrete Wirkung für Sicherheit, technologische Souveränität und wirtschaftliche Wertschöpfung. Das zeigt die Studie „Sicherheits- und Verteidigungsforschung neu denken: Innovationskraft für Souveränität und Wertschöpfung“ von Stifterverband und McKinsey & Company.

 

Doppelte Dividende: Sicherheit und Wertschöpfung

Dabei kann sicherheitsrelevante Forschung einen doppelten Nutzen entfalten: Sie stärkt Verteidigungsfähigkeit, Resilienz und technologische Souveränität. Gleichzeitig kann sie Produktivität, Innovation und wirtschaftliche Leistung erhöhen. Unter geeigneten Rahmenbedingungen können Investitionen in verteidigungsbezogene Forschung langfristig erhebliche Multiplikatoreffekte auslösen. Wie groß dieser Hebel ist, zeigt der Vergleich mit den USA: Dort löst jeder in verteidigungsbezogene Forschung investierte Euro langfristig 1,70 bis 2,00 Euro gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung aus. In Deutschland sind es der Analyse zufolge derzeit nur rund 0,94 Euro.  

Um ein Potenzial auf US-Niveau auch in Deutschland zu heben, müssen laut Studie zwei Faktoren zusammenkommen: Erstens höhere sicherheitsrelevante Forschungsinvestitionen, die von rund 0,08 auf das US-Niveau von 0,36 Prozent des BIP steigen. Zweitens bessere Übergänge von der Forschung über die Erprobung bis zur industriellen Anwendung, sodass jeder investierte Euro künftig deutlich mehr Wertschöpfung erzeugt. Nach dem Modell der Studie ließe sich damit ein zusätzliches Potenzial von bis zu rund 22 Milliarden Euro jährlich erschließen.

"Resilienz und Verteidigungsfähigkeit sowie wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit speisen sich aus derselben Quelle: Viele der Technologien, die die Verteidigungsfähigkeit stärken, treiben über Zeit auch Wachstum und Innovation in der zivilen Wirtschaft. Wer in sicherheitsrelevante Forschung investiert, investiert damit im besten Fall auch in den Wirtschaftsstandort", sagt Julia Klier, Senior Partnerin bei McKinsey & Company.

 

Vier Engpässe auf dem Weg von Forschung zu Wirkung

Die Studie identifiziert vier zentrale Engpässe, die verhindern, die volle Wirkung von Investitionen in Sicherheitsforschung auszuschöpfen: Erstens fehlt eine klare, technologieoffene Übersetzung von Sicherheitsanforderungen in Forschungs- und Innovationsprioritäten. Zweitens ist die Finanzierung entlang der Innovationskette insbesondere beim Übergang von Forschung und Demonstration zu Erprobung, Beschaffung und industrieller Skalierung lückenhaft. Drittens ist die Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Staat, Start-ups und Sicherheitsakteuren zu wenig institutionalisiert. Als Folge werden Forschungsergebnisse seltener zivil weiterverwendet. Viertens hemmen unklare rechtliche und ethische Rahmenbedingungen sowie gesellschaftliche Vorbehalte das Engagement in sicherheitsrelevanter Forschung.

"Deutschland muss sicherheitsrelevante Forschung nicht neu erfinden, aber wir müssen sie besser organisieren", sagt Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes. "Wissenschaft, Sicherheitsakteure, Start-ups und Industrie sprechen noch zu selten dieselbe Sprache. Wir benötigen einen verlässlichen Ordnungsrahmen, der auch privates Risikokapital mobilisiert und echte Durchbruchsinnovationen zulässt. Es fehlt an Orten, an denen Anforderungen, Forschungsfragen und Anwendung systematisch zusammengeführt werden. Deshalb ist ein Strategisches Dialogforum, wie der Wissenschaftsrat es vorgeschlagen hat, so wichtig. Es kann helfen, sicherheitsrelevante Anforderungen technologieoffen zu beschreiben, Vertrauen zwischen den Akteuren aufzubauen und aus wissenschaftlicher Exzellenz schneller Wirkung für Sicherheit, Souveränität und Wertschöpfung entstehen zu lassen."

 

Wachsendes Start-up-Ökosystem

Trotz vieler Hürden gewinnen sicherheits- und verteidigungsrelevante Technologien in Europa an Dynamik. Eine besondere Rolle kommt dem Start-up-Ökosystem zu. Das Interesse privater Kapitalgeber wächst deutlich: Das Volumen entsprechender Start-up-Deals in Europa stieg von rund 511 Millionen US-Dollar (2018 bis 2021) auf über fünf Milliarden US-Dollar (2022 bis 2025) und hat sich damit innerhalb weniger Jahre verzehnfacht. Es ist deutlich erkennbar, dass der Engpass weniger im frühen Interesse als in der Anschluss- und Skalierungsfinanzierung liegt. Auch in Deutschland wächst das Feld: von Defense Tech im engeren Sinne bis zu Dual-Use-Technologien etwa in Cybersecurity, Künstlicher Intelligenz, Sensorik und Robotik. Gerade diese Breite ist eine Stärke, erschwert aber strategische Bündelung und schnelle Transferpfade.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen auch: Sicherheitsrelevante Forschung sollte stärker als regionale Standortpolitik verstanden werden, die national orchestriert wird. Regionen können vorhandene Stärken sichtbar machen und mit konkreten Anforderungen verbinden", so Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes. Hamburg und die maritime Küstenregion verdeutlichen beispielsweise, wie Häfen, Logistik, maritime Sicherheit, Energieinfrastruktur und Digitalisierung zu einem sicherheitsrelevanten Innovationsraum werden können. Nordrhein-Westfalen steht für einen industriellen Skalierungsraum, in dem Forschung, Start-ups, Mittelstand, Großindustrie, Energie- und Cybersicherheitskompetenzen zusammenkommen.

 

Der Stifterverband ist eine Gemeinschaft von rund 3.500 engagierten Menschen, Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ziel seiner Arbeit ist, Bildung und Wissenschaft neu zu denken und zu gestalten, um die Innovationskraft der Gesellschaft nachhaltig zu stärken. Als zentraler Impulsgeber analysiert er aktuelle Herausforderungen, fördert Modellprojekte und ermöglicht deren Verbreitung in vielfältigen Netzwerken. Er vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, entwickelt gemeinsam Ideen und stößt politische Reformen an. In seinem Wirken konzentriert er sich auf zwei Handlungsfelder: Bildung und Kompetenzen sowie Kollaborative Forschung und Innovation. www.stifterverband.org

McKinsey ist eine weltweit tätige Unternehmensberatung, die Organisationen dabei unterstützt, nachhaltiges, integratives Wachstum zu erzielen. Sie arbeitet mit Klienten aus dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor zusammen, um komplexe Probleme zu lösen und positive Veränderungen für alle Beteiligten zu schaffen. McKinsey kombiniert mutige Strategien und transformative Technologien, um Unternehmen dabei zu helfen, Innovationen nachhaltiger zu gestalten, dauerhafte Leistungssteigerungen zu erzielen und Belegschaften aufzubauen, die für diese und die nächste Generation erfolgreich sein werden. In Deutschland und Österreich hat McKinsey Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und Wien. Weltweit arbeiten McKinsey Teams in mehr als 130 Städten und über 65 Ländern. Gegründet wurde McKinsey 1926, das deutsche Büro 1964. Globaler Managing Partner ist seit 2021 Bob Sternfels.

 

Kontakt

Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)
Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)

Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

T 030 322982-530

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Ansprechpartnerin bei
McKinsey & Company:

Mirona Kraljic
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