Lehramtsstudierende sichern in großem Umfang Unterricht an den Schulen und federn den akuten Lehrkräftemangel ab. Der Stifterverband hat nun erstmals bundesweit Lehramtsstudierende an allen lehrkräftebildenden Hochschulen nach ihren Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Ihr Schuleinsatz erfolgt häufig unter schwierigen Bedingungen. Fast alle studentischen Vertretungslehrkräfte (95 Prozent) stehen allein vor der Klasse und erteilen eigenständigen Unterricht. Trotz erheblicher zeitlicher Konflikte mit dem Studium bewertet die große Mehrheit ihre Praxiserfahrungen als positiv und sieht sie als Anreiz, das Studium abzuschließen.
Gleichzeitig machen die Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf deutlich: 40 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte haben noch keinen Bachelorabschluss, manche unterrichten bereits im ersten Studienjahr. Neun Prozent der Befragten übernimmt Aufgaben mit sehr hoher Verantwortung: wie Klassenleitungen oder die Beteiligung an Abschlussprüfungen. Dabei werden sie oft alleingelassen. Mehr als ein Drittel der studentischen Vertretungslehrkräfte wird während des Einsatzes nicht begleitet – weder von den Schulen noch von den Hochschulen.
Besonders problematisch ist auch, dass die Mehrheit fachfremd eingesetzt wird. Mehr als 90 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte unterrichten mindestens ein Fach, das sie nicht studieren. Das gilt sogar für zentrale Kernfächer: Nur 57 Prozent derjenigen, die Deutsch unterrichten, studieren dieses Fach. In Mathematik sind es sogar nur 41 Prozent.
Schon im Januar 2023 hatte die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz Empfehlungen für den Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte ausgesprochen. Diese decken sich größtenteils mit denen des Stifterverbandes: Einsatz nur ab dem Masterstudium, kein fachfremder Unterricht, keine Klassenleitungen sowie eine verbindliche Betreuung und Vereinbarkeit mit dem Studium. Die vorliegenden Befunde zeigen, dass dies vielerorts nicht eingehalten wird.
"Schulen werden auf absehbare Zeit nicht auf studentische Vertretungslehrkräfte verzichten können. Doch solange Schulen, Hochschulen und Ministerien nur auf ihre begrenzten Ressourcen verweisen und die Verantwortung bei den jeweils anderen suchen, wird sich am Schuleinsatz Lehramtsstudierender wenig verbessern", fasst Bettina Jorzik, Programmleiterin für Hochschullehre und Lehrkräftebildung im Stifterverband, die Ergebnisse der Studie zusammen. "Verantwortlichkeiten müssen künftig klar abgesteckt werden und alle Beteiligten ihren Beitrag leisten."