Ovo Labs erhält Max-Planck-Gründungspreis des Stifterverbandes 2026
Wenn aus Erkenntnis Innovation und daraus schließlich ein Unternehmen wird: Der diesjährige Max-Planck-Gründungspreis des Stifterverbandes würdigt die Arbeit von Ovo Labs. Das erst 2025 gegründete Start-up aus dem Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen entwickelt neuartige Therapeutika, die die Qualität menschlicher Eizellen verbessern sollen. Die Wirkstoffe ihrer Produkte EmbryoProtect 1, 2 und 3 sollen Frauen dabei helfen, länger fruchtbar zu bleiben, und könnten damit die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft durch künstliche Befruchtung erhöhen. Der Max-Planck-Gründungspreis des Stifterverbandes ist mit 30.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 16. Juni 2026 in Frankfurt am Main statt.
Das junge Biotech-Unternehmen überzeugte die Jury mit ihrem Vorhaben, eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen: die altersbedingte Einschränkung der weiblichen Fruchtbarkeit. In Deutschland liegt das Durchschnittsalter von Frauen beim ersten Kind inzwischen bei über 30 Jahren – mit steigender Tendenz. Gleichzeitig nimmt die Qualität menschlicher Eizellen altersbedingt schrittweise ab und ist insbesondere ab dem 35. Lebensjahr deutlich vermindert, was sich in stark reduzierten Erfolgsraten bei der künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) widerspiegelt. "Ovo Labs hat das Potenzial, ein wegweisendes Unternehmen im Bereich Frauengesundheit aufzubauen. Das Start-up hat den Anspruch, eine Lücke in der Reproduktionsmedizin zu schließen, die bislang trotz großer gesellschaftlicher Relevanz weiterhin besteht. Mit Unterstützung der Max-Planck-Gesellschaft und auf Basis ihrer wegweisenden Forschung könnten Ovo Labs dazu beitragen, mehr Kinderwünsche zu erfüllen", sagt Max-Planck-Präsident Patrick Cramer.
Über 70 Prozent der IVF-Zyklen in Deutschland führen nicht zur Geburt eines Kindes – für viele Paare bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, trotz belastender und teurer Behandlungsversuche. Ein zentrales gesellschaftliches Versprechen von Ovo Labs ist die Erweiterung der reproduktiven Freiheit von Frauen. In einer Lebensrealität, in der Bildung, Karriereplanung und Selbstverwirklichung häufig zu einer bewussten Verzögerung der Familiengründung führen, stoßen viele Frauen biologisch an enge Grenzen.
Der Therapie-Ansatz EmbryoProtect von Ovo Labs eröffnet die Möglichkeit, diesen Druck zu verringern – durch eine medizinisch fundierte Verlängerung des effizienten reproduktiven Zeitfensters um bis zu fünf Jahre. Das bedeutet echte Entscheidungshoheit und mehr Flexibilität für individuelle Lebensentwürfe. Gleichzeitig ermöglicht die Ovo Labs-Technologie Paaren, die bislang keine realistische Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft hatten, ihren Traum von der Elternschaft zu verwirklichen. Basierend auf bisherigen Proof-of-Concept-Daten deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine gezielte Verbesserung der Eizellqualität die Erfolgsraten pro IVF-Zyklus erhöhen könnte. Für Betroffene würde dies – bei erfolgreicher Übertragung in die klinische Praxis – perspektivisch weniger Zyklen, kleinere Belastung, geringere Kosten bedeuten sowie eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, ein eigenes Kind zur Welt zu bringen. Elternschaft wird wieder zur erreichbaren Realität, nicht zum medizinischen Ausnahmefall.
Auch demografisch kann die Technologie einen entscheidenden Beitrag leisten. Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: eine alternde Bevölkerung und sinkende Geburtenraten. Jede zusätzlich ermöglichte Geburt ist nicht nur ein individuelles Glück, sondern ein volkswirtschaftlich und gesellschaftlich bedeutsames Ereignis – und damit messbar zur Stabilisierung von Bevölkerungsstrukturen beitragen. Die langfristigen Effekte reichen von der Entlastung sozialer Sicherungssysteme über Fachkräftesicherung bis hin zur Innovationsfähigkeit in der Gesellschaft.
Jahrzehntelange Forschung
Angefangen hatte alles, als die Biochemikerin Melina Schuh und ihr Team – darunter Agata Zielinska – aufdecken konnten, warum genetische Fehler insbesondere bei älteren Eizellen zunehmen. Auf Basis dieser Erkenntnis arbeitet das junge Biotech-Unternehmen daran, die Erfolgschancen von Schwangerschaften mittels ihrer innovativen Fertilitätslösung zu erhöhen, um damit buchstäblich Leben zu verändern. Das Team um Schuh, Direktorin am Max-Planck-Institut und Mitgründerin von Ovo Labs, ihre Co-Gründerin Agata Zielinska sowie Gründer Oleksandr Yagensky entwickelt Therapeutika, die die Qualität der Eizellen verbessern und somit den Zeitraum verlängern, in dem die Chancen auf eine Empfängnis hoch sind. Sie haben das Potenzial, die Erfolgsraten der IVF deutlich zu verbessern – insbesondere bei Frauen über 35 Jahren, bei denen sich die bisherigen Erfolgsraten möglicherweise mehrfach steigern könnten. Es wäre damit eines der wichtigsten Verbesserungen in der Fruchtbarkeitsbehandlung seit der Einführung der In-vitro-Fertilisation im Jahr 1978.
Die Ausgründung wurde und wird durch die Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, die Max-Planck-Innovation GmbH (MI), eng begleitet. "Ovo Labs steht exemplarisch für erfolgreichen Technologietransfer. Die Technologieplattform beruht auf der Grundlagenforschung der MPG, und Ovo Labs übersetzt diese Erkenntnisse der Grundlagenforschung nun in konkrete Lösungen für Patientinnen und Patienten. Wir von Max-Planck-Innovation freuen uns, Ausgründungen aus der Max-Planck-Gesellschaft wie die Ovo Labs und viele andere zu unterstützen", sagt Christoph Hüls, einer der beiden Geschäftsführer von MI und verantwortlich für Lizenzen und Patente. Bereits bei der Gründung unterzeichnete Ovo Labs einen umfassenden Lizenzvertrag, welcher der Firma exklusive weltweite Nutzungsrechte an drei Patenten einräumt. "Wir pflegen eine enge und produktive Zusammenarbeit mit Max-Planck-Innovation und das nicht nur im Bereich IP, sondern auch im strategischen Austausch und Mentoring. Unser Ziel ist es, langfristig als verlässlicher Partner der Max-Planck-Gesellschaft zu agieren – wissenschaftlich, ökonomisch und kulturell", so Co-Gründer Oleksandr Yagensky.
Ein laufendes Kooperationsabkommen mit dem MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften sieht die weitere Zusammenarbeit im Bereich Eizellbiologie vor. Die Grundlagenforschung in der Abteilung von Melina Schuh ermöglicht kontinuierliche Erkenntnisgewinne, die Ovo Labs im nächsten Schritt therapeutisch umsetzen kann – ein Paradebeispiel für funktionierende Translation zwischen akademischer Exzellenz und anwendungsorientierter Entwicklung. Darüber hinaus stärkt Ovo Labs den Biotech-Standort Deutschland nachhaltig. "Seit der Gründung haben wir sieben Vollzeitstellen und weitere werden folgen. Wir konnten Top-Wissenschaftlerinnen und Top-Wissenschaftler aus den USA, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden für eine Tätigkeit in Deutschland gewinnen", freut sich Zielinska.
Mehr Info
Der Max-Planck-Gründungspreis des Stifterverbandes wird seit 2022 alle zwei Jahre an ein erfolgreiches Start-up der Max-Planck-Gesellschaft verliehen, das sich durch seinen besonderen Impact auf die Gesellschaft auszeichnet. Eine breit aufgestellte Jury unter dem Vorsitz von Claudia Felser, Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft, wählt aus den Bewerbungen das jeweilige Siegerteam aus. "Ovo Labs schafft bessere Voraussetzungen für reproduktive Gesundheit, stärkt die individuelle Entscheidungsfreiheit von Frauen und ermöglicht einen gerechteren Zugang zu innovativer Fruchtbarkeitsmedizin. Das Start-up steht damit für wissenschaftlich fundierte, gesellschaftlich relevante und wirtschaftlich nachhaltige Innovation 'Made in Germany'", begründet Michael Kaschke, Präsident des Stifterverbandes, die Jury-Entscheidung.
Vor Ovo Labs gewann das Start-up Batene, deren Batterien durch Vliese feiner Metalldrähte, batene fleece genannt, leistungsfähiger und kostengünstiger in der Herstellung werden. Die Preisträgerinnen und Preisträger von Meshcapade aus Tübingen, die den ersten Max-Planck-Gründungspreis des Stifterverbandes erhielten, verwandelten ihre Start-up-Reise in eine Erfolgsgeschichte: Ihr Geschäftsmodell, basierend auf KI-Avataren, überzeugte die Branchengröße Epic Games, einen US-amerikanischen Spieleentwickler. Ein positives Signal für Innovationen 'made by Max-Planck' und Motivation für alle gründungswilligen Max-Planck-Forschenden, an ihrem Vorhaben festzuhalten.
Pressekontakt
Peggy Groß
ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.
T 030 322982-530