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Transferkompass: Relevanz anwendungsorientierter Forschung nimmt zu, Herausforderungen bleiben bestehen

02.11.2022

Die Bedeutung des Transfers von Wissen aus den Hochschulen in die Anwendung hat in den letzten Jahren zugenommen. Transferaufgaben sind inzwischen nach Lehre und Forschung die dritte Säule der Hochschulen. Sie benennen klar ihre Herausforderungen dabei: fehlende langfristige Finanzierung von Stellen und fördernde rechtliche Rahmenbedingungen. Das sind Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt Transferkompass, das der Stifterverband mit Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) durchgeführt hat. 

Neben Lehre und Forschung sehen Hochschulen auch den Transfer von Wissen und Technologie in die Praxis als große Aufgabe an. Gefragt nach der Relevanz einzelner Aufgaben vergeben die Hochschulleitungen im Schnitt 15,8 von 100 Punkten für den Wissens- und Technologie-Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft. In einer Befragung des Stifterverbandes im Jahr 2013 waren es noch 11,8 Punkte. Forschung (25,4 Punkte) und Lehre (43,6 Punkte) bleiben aber auch 2021 mit Abstand die zwei wichtigsten Handlungsfelder der Hochschulen. Die große Bedeutung von Transferaufgaben haben mehr als die Hälfte der Hochschulen erkannt und das Thema in ihrer Strategie verankert: 2021 verfügen über 58,3 Prozent der Hochschulen eine Transferstrategie. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es noch 28 Prozent.

Unternehmen sind vor allem in der Forschung gefragte Transferpartner

Insgesamt bewertet eine große Mehrheit die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen als positiv. Dabei setzen die Hochschulen vor allem auf persönliche Kontakte und regionale Vernetzung. Gefragt nach den drei wichtigsten Maßnahmen zur Zusammenarbeit mit Unternehmen nennt eine Mehrheit regionale Netzwerke (72,0 Prozent), eigene Netzwerkveranstaltungen (64,3 Prozent) und die gezielte Ansprache von Unternehmen (61,5 Prozent). Auch eine Auswertung der Transferstrategien bestätigt die hohe Bedeutung der Region. Ein Großteil der Hochschulen hat zudem bereits etablierte Formate zur gezielten Einbindung von regionalen kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Startups.  

Der relevanteste Transferkanal sind Forschungskooperationen. Neun von zehn Hochschulen planen zudem, diese Art der Kooperation in den nächsten fünf Jahren zu verstärken. Insgesamt wird die Vielfalt der Transferkanälen zu wenig genutzt, beispielswiese Transfer in der Lehre. Über die Hälfte der Hochschulen wollen auch in Zukunft Formate wie Betreuung von Abschlussarbeiten in Unternehmen oder Praxisaufenthalte Studierender nicht ausbauen.  

"Wir brauchen mehr Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen gerade auch in innovativen Formaten wie Experimentierräumen und Reallaboren", kommentiert Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes die Ergebnisse der Studie Transferkompass. "Denn in der klassischen Forschungskooperation suchen sich Unternehmen immer häufiger Partner außerhalb der Hochschulwelt." Mit Blick auf Handlungsoptionen fügt er hinzu: "Dafür müssen die Hochschulen individuelle und die Politik institutionelle Anreize setzten. Selbst vermeintlich einfache Instrumente wie Auszeichnungen für außergewöhnliche Transferleistungen werden bislang kaum genutzt."

 

Mehr als die Hälfte des Transferpersonals an Universitäten drittmittelfinanziert

Laut Schätzungen der Hochschulleitungen sind an Universitäten 51,8 Prozent der Stellen im Transferbereich (42,3 Prozent insgesamt) durch Drittmittel finanziert, das heißt Projekt gebunden und befristet. Eine damit verbundene Personalfluktuation führt zum Verlust von Netzwerken und Transfer-Know-how.  

Weitere Hindernisse bei der Durchführung und Anbahnung von Transferkooperationen sind dienstrechtliche Rahmenbedingungen und das Beihilferecht. Besonders gravierend sind jedoch juristische Uneinigkeiten zwischen Hochschulen und Unternehmen insbesondere bei Fragen des geistigen Eigentums. Laut einer Schätzung der Hochschulleitungen hat dies in den letzten fünf Jahren fast jede zehnte Kooperation mit einem Unternehmen verhindert. Dabei sehen sich die Hochschulen auch selbst in der Verantwortung. Während die Leitungen ihrem wissenschaftlichen Personal eine hohe Transferorientierung zuschreiben, sehen sie diesbezüglich noch große Herausforderungen in der Hochschulverwaltung.  

Ein wichtiger Treiber für Transfer sind dagegen öffentliche Förderprogramme, die Bund und Länder aufgelegen. Neun von zehn Hochschulen sehen in ihnen einen wichtigen Anreiz zur Zusammenarbeit mit Unternehmen. Viele Kooperationen gäbe es ohne entsprechende Initiativen nicht.

 

Der Transferkompass ist eine Studie des Stifterverbandes. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Die Studie baut auf einer Datengrundlage aus 23 Interviews mit Expertinnen und Experten von Unternehmen, einer quantitativen und qualitativen Befragung von 156 Hochschulleitungen in Deutschland sowie Textanalysen von 56 Transferstrategien auf.

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

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Dr. Pascal Hetze

leitet im Stifterverband den Programmbereich 
"Analysen und Innovationspolitik".

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