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Primus-Preis für Bildungsprojekt zum Thema Obdachlosigkeit

18.02.2020

Was heißt es, ein Leben auf der Straße zu führen? Mit Aufklärungsarbeit erreicht der Leben im Abseits e.V. Jugendliche aus Norddeutschland, um sie für das Thema Obdachlosigkeit zu sensibilisieren. Die Stiftung Bildung und Gesellschaft zeichnet die Bildungsarbeit des Vereins mit dem Primus des Monats Februar aus. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

Alleine in Hamburg leben offiziell rund 2.000 Menschen auf der Straße. Die Dunkelziffer dürfte aber vier- bis fünfmal höher liegen. Viele Obdachlose sind schon als Jugendliche auf der Straße gelandet, oft aus familiären Gründen wie Gewalt, Missbrauch und sozialer Vernachlässigung. Was bedeutet es konkret, kein Dach überm Kopf zu haben? Der im Großraum Hamburg verwurzelte Verein "Leben im Abseits" will Schülerinnen und Schülern zeigen: Hinter dem Elend stehen menschliche Schicksale.

In einer Projektwoche mit Abiturienten des Johan-Rist-Gymnasiums aus Wedel etwa ging es darum, eine Ausstellung zu Obdachlosigkeit und Armut in Hamburg zu gestalten: Wie werden Menschen obdachlos? Und wie kann man Obdachlosen helfen? In mehreren Workshops in einer Tagesstätte für bedürftige Menschen nahe der Reeperbahn, mit einer Sozialarbeiterin und mit Polizisten der Davidwache haben die Jugendlichen mehr zu den Hintergründen gelernt. Und in einem beeindruckenden Gespräch mit einem obdachlosen Mann haben sie aus erster Hand erfahren, was es heißt, seit fast 30 Jahren auf der Straße zu leben.

Viele Schülerinnen und Schüler haben sich nach der Projektwoche in Tagesstätten und Kleiderkammern engagiert oder unterstützen den sich komplett aus Spenden finanzierenden Verein "Leben im Abseits". Die Jugendlichen haben sich allgemein für das Thema bemerkenswert offen gezeigt. Für manche Abiturienten hat diese Erfahrung auch die eigene Zukunftsplanung beeinflusst, indem sie sich etwa für ein Studium der Sozialen Arbeit entschieden haben. Zukünftig plant der Verein, auch mit Grundschulen zusammenzuarbeiten, denn auch kleine Kinder treffen auf dem Schulweg auf obdachlose Menschen, werden mit ihren Fragen aber oft alleine gelassen.

"Die Projekte von 'Leben im Abseits' wirken der Stigmatisierung von Bedürftigkeit und Obdachlosigkeit entgegen", meint Birgit Ossenkopf, Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. Der Primus-Preis würdigt die Bildungsarbeit zum Umgang mit Armut und Not in einer eigentlich reichen Gesellschaft – und dass es gelingt, Berührungsängste zu überwinden. Birgit Ossenkopf: "Die Schülerinnen und Schüler, die an einer Projektwoche teilgenommen haben, sehen Obdachlose nun mit anderen Augen."

 

Der Primus-Preis wird jeden Monat an ein kleines, vorbildhaftes Projekt vergeben. Die Stiftung Bildung und Gesellschaft will damit Initiativen fördern, die ein konkretes Problem in der Kita oder in der Schule vor Ort aufgreifen und lösen wollen. Wichtig ist, dass die Projekte auf alle Regionen übertragbar sind und nicht parallel agieren, sondern an das staatliche Bildungssystem andocken. Lokale Akteure – wie Arbeitsagenturen oder Schulämter, aber auch Unternehmen sowie kulturelle Einrichtungen – sollten einbezogen sein. Aus allen von Januar bis Dezember ausgezeichneten Projekten wird der Primus des Jahres gewählt und mit insgesamt 5.000 Euro Preisgeld prämiert.

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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