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Ausgebremst: Erschwerter Studienstart für ausländische Studierende in Deutschland

16.10.2019

Studierende aus Nicht-EU-Ländern werden auf dem Weg zum Studium nach Deutschland durch administrative Hürden ausgebremst. Jeder dritte von ihnen kommt erst nach Beginn des Semesters in Deutschland an. Das ergab eine Studie des Stifterverbandes zusammen mit der Fintiba GmbH. Frühere Zulassungsbescheide und digitale Maßnahmen könnten einen reibungsloseren Studienstart gewährleisten.

Immer mehr Nicht-EU-Ausländer wollen in Deutschland studieren. Allein im Wintersemester 2017/2018 waren es knapp 209.000 Studierende. Die meisten von ihnen kommen aus China, Indien und Russland. Zu späte Zulassungsbescheide von Hochschulen, lange Wartezeiten bei der Visavergabe, aber auch zeitintensive Aufwände für Bestätigungen von Sprachkompetenzen oder Krankenversicherungen erschweren ihnen einen reibungslosen Start an deutschen Hochschulen. Das sind Ergebnisse der Studie "Ausgebremst statt durchgestartet", herausgegeben von Stifterverband und der Fintiba GmbH, einem Finanzdienstleister für ausländische Studierende.

Eine Auswertung der Daten von knapp 900 Nicht-EU-Ausländern ergab, dass mehr als die Hälfte von ihnen die Zusage des Studienplatzes weniger als drei Monate vor Beginn des Studiums erhält. Allein die Visa-Wartezeiten von durchschnittlich mehr als 60 Tagen führen dazu, dass 38 Prozent der ausländischen Studierenden erst nach Beginn des Semesters in Deutschland anreisen. Erst einmal hier, vergehen wieder im Durchschnitt 25 Tage, bis sich die Studierenden beim Einwohnermeldeamt anmelden und Geld von ihrem eigens fürs Studium eingerichteten Sperrkonto abheben können. Bemühungen der Hochschulen, für genau jene Studierende den Start ins Studium durch Willkommenswochen, Orientierungsphasen und vorgeschaltete Sprachkurse zu erleichtern, laufen ins Leere.

Die verspätete Einreise hat erhebliche Auswirkungen auf den Studienerfolg. Der verpasste Anschluss und die verpassten Studieninhalte tragen zu einer erhöhten Studienabbruchquote unter den internationalen Studierenden bei. Die Auswirkungen davon sind weitreichend: Hochschulen müssen die Studienplätze mit Nachrückern besetzen, Studentenwerke Wohnheimzimmer neu vergeben, aus Sicht der Wirtschaft fallen potenzielle Fachkräfte weg, die Deutschland für seinen Arbeitsmarkt gewinnen möchte – ganz zu schweigen von den persönlichen Schicksalen der Studierenden und den dahinterstehenden Familien. 

Um einen geregelten Studienstart zu gewährleisten und die Abbruchquote von ausländischen Studierenden zu verringern, hat der Stifterverband zusammen mit der Fintiba GmbH fünf Handlungsempfehlungen ausgearbeitet:

  • Hochschulen sollten ihre Zulassungsbescheide so früh wie möglich, spätestens 90 Tage vor Studienbeginn, verschicken.
  • Die Abstimmung der am Visumprozess beteiligten Behörden sollte optimiert und der ganze Prozess deutlich beschleunigt werden.
  • Städte und Hochschulen sollten gemeinsam mit den Studentenwerken bezahlbaren Wohnraum speziell für diese Studentengruppe bereitstellen.
  • Möglichkeiten, die deutsche Sprache bereits in den Herkunftsländern erlernen zu können, müssen – auch digital – besser ausgebaut werden.
  • Die Digitalisierung bietet Möglichkeiten, die Transparenz für Verwaltungsprozesse weiter zu erhöhen und den Verwaltungsaufwand weiter zu verringern. Diese sollten konsequent genutzt werden.

Auf entsprechend optimierten digitalen Plattformen hätten ausländische Studierende die Möglichkeit – an einer Stelle gebündelt und spezifisch für die einzelnen Hochschulen und Regionen – Informationen über notwendige Formulare und Abgabedaten von der Hochschulbewerbung bis zur Anmeldung im Einwohnermeldeamt zu finden. Das spart kostbare Zeit und würde einen erfolgreichen Studienstart ermöglichen.

 

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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Dr. Mathias Winde

leitet im Stifterverband den Programmbereich "Hochschulpolitik und -organisation".

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Ansprechpartner bei der Fintiba GmbH:

Jonas Marggraf
Geschäftsführer
T 069 204342-678
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