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Stifterverband empfiehlt Aufbau von Partnerschaften zwischen Universitäten und Fachhochschulen

14.12.2017

Fachhochschulen werden als Kooperationspartner für Universitäten immer interessanter. Das zeigt eine aktuelle Studie des Stifterverbandes und der Heinz Nixdorf Stiftung.

Jeder dritte Studierende schreibt sich inzwischen an einer Fachhochschule ein. Ihre Einnahmen und Mitarbeiter haben sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Universitäten und Fachhochschulen sollten diese neue Stärke nutzen, um durch Zusammenarbeit ihre Leistungen deutlich zu steigern.

Knapp eine Million Studierende lernen heute an Fachhochschulen. 2016 waren es genau 957.000. Im Jahr 2005 waren es 535.000 Studierende. Die Anzahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter stieg innerhalb von zehn Jahren von 41.000 auf 93.000. Das ist ein Plus von 125 Prozent. Dagegen erhöhte sich die Mitarbeiterzahl an Universitäten nur um knapp 50 Prozent. Auch die Einnahmen von Fachhochschulen wuchsen doppelt so schnell, wie die an Universitäten.

Die neue Stärke von Fachhochschulen führt in vielen Regionen zu innovativen Kooperationen von Universitäten und Fachhochschulen. Diese Partnerschaften besitzen große Potenziale für Forschung, Lehre, Transfer und die Profilierung regionaler Wissensstandorte und sollte intensiver gefördert werden. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Stifterverbandes und der Heinz Nixdorf Stiftung.

Die Studie stellt Beispiele von Kooperationen vor, die sich auf andere Hochschulstandorte übertragen lassen. Gemeinsame Studieneingangsphasen können die Entscheidung für das richtige Fach und die richtige Hochschule erleichtern und so die Quote der Studienabbrüche senken, dies zeigt ein gemeinsames Projekt der RWTH Aachen und der Fachhochschule Aachen. Die Universität und die Fachhochschule in Jena haben Module für Studierende der jeweils anderen Hochschule geöffnet, Übergänge zwischen den beiden Hochschulen vereinfacht und gemeinsame Studiengänge aufgelegt. In Kaiserslautern unterhalten die Hochschulen ein gemeinsames Gründerbüro und in Lübeck haben die Universität und die Fachhochschule einen gemeinsamen biomedizintechnischen Wissenschaftscampus aufgebaut. Aus solchen Initiativen können langfristig überregional sichtbare Standortprofile und gemeinsame Regionalstrategien entwickelt werden.

Obwohl Partnerschaften in vielen Handlungsfeldern nahe liegen, gibt es nicht nur in den Hochschulen selbst Vorbehalte gegen Kooperationen zwischen verschiedenen Hochschultypen. Auch das Agieren der öffentlichen Hand kann eine Zusammenarbeit behindern. Bisher ist der Drittmittelwettbewerb häufig noch ein Wettbewerb zwischen den Institutionen. Für Hochschulen ist es oft sinnvoller, sich jeweils mit einem eigenen Antrag zu bewerben, als im Verbund.

Empfehlungen an Hochschulen: Aufgrund von projektartigen Förderungen bleiben Kooperationen häufig zeitlich limitiert. Der Stifterverband empfiehlt, sie zu strategischen Partnerschaften auszubauen, zum Beispiel zu Dacheinrichtungen für Einzelprojekte. Dafür wäre ein regelmäßiger Austausch der beteiligten Hochschulleitungen notwendig oder Rahmenvereinbarungen inklusive Musterverträge für Kooperationen, die den administrativen Hochschulalltag erleichtern. Auch Eigenmittel des Präsidiums oder aus zentralen Strategiefonds können helfen, Kooperationen langfristig zu entwickeln und Finanzierungslücken zu schließen.

Empfehlungen an die Politik: Eine ganze Reihe von Hemmnissen sind durch eine Änderung der Rahmenbedingungen abbaubar. Brückenprofessuren sollten ermöglicht, Kooperationsprojekte nachhaltiger staatlich finanziert und gemeinsame Lehr- und Forschungsinfrastrukturen aufgebaut werden. Unterschiedliche Vergütungsstrukturen dürfen gemeinsame Projekte nicht behindern. Paralleles Einschreiben an verschiedenen Hochschulen und gemeinsame Gradverleihungen sollten möglich sein und eine einheitliche Matrikelnummer sollte eingeführt werden. Zudem dürfen Forschungsprojekte mit Fachhochschulen nicht länger durch das Begutachtungsraster von Förderorganisationen fallen.

 

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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Dr. Mathias Winde

leitet den Programmbereich "Hochschulpolitik und 
-organisation".

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