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Historischer Rückgang der Unternehmensdrittmittel an deutschen Hochschulen

22.11.2017

Erstmals seit 20 Jahren sind die Finanzmittel von Unternehmen für Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen zurückgegangen. Legten die Drittmittel von Unternehmen seit 1995 im Durchschnitt rund fünf Prozent jährlich zu, gingen sie aktuell um knapp zwei Prozent zurück.

Das ist das Ergebnis einer Analyse der aktuellen Drittmittelzahlen des Statistischen Bundesamtes, die der Stifterverband in Berlin veröffentlicht hat.

Deutsche Unternehmen haben von 2014 auf 2015 ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben um vier Milliarden Euro aufgestockt. Das ist ein kräftiges Plus von knapp sieben Prozent. Hochschulen haben davon allerdings nicht profitiert: Die Drittmittel von Unternehmen an Hochschulen sanken im gleichen Zeitraum um 1,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Die Berechnungen zeigen: Unternehmen verringern ihre Kooperationen mit Hochschulen und forschen mehr mit privaten Partnern und Forschungseinrichtungen im Ausland. Für die deutschen Hochschulen bedeutet dies, dass die Drittmittel von Unternehmen zum ersten Mal seit 20 Jahren geschrumpft sind. Ihr Anteil an allen zusätzlich eingeworbenen Finanzmitteln sinkt von 26 auf 19 Prozent. Das ist der tiefste Wert seit der Wiedervereinigung. Damit wachsen sogar die Einnahmen der Hochschulen aus den jeweiligen Landeshaushalten für die Grundfinanzierung von Lehre und Forschung mit durchschnittlich 4,1 Prozent jährlich stärker als die Mittel von Unternehmen (im Durchschnitt 3,8 Prozent pro Jahr).

 
"Die These der Ökonomisierung der Hochschulen hält einem Faktencheck nicht stand", sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes. "Unternehmen haben für Hochschulen als Finanzier eine immer geringere Bedeutung. Der sich andeutende Rückzug von Unternehmen aus Kooperationen mit Hochschulen sollte mit politischer Unterstützung verhindert werden."

Gründe für die Zurückhaltung der Wirtschaft sind zum einen die hohen Kosten von Forschungsprojekten an Hochschulen im Inland bei gleichzeitig steigender Wettbewerbsfähigkeit ausländischer Hochschulen. Zum anderen werden offene Innovationsprozesse von Hochschulen und Unternehmen in Deutschland immer noch zu wenig verzahnt. Eine zusätzliche Hürde sind strikte Transparenzgesetze in einigen Bundesländern. Sie verpflichten Hochschulen dazu, gemeinsame Forschungsprojekte mit Unternehmen offenzulegen.

Um die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft wieder zu festigen, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. Der Stifterverband schlägt vor, eine Plattform für offene Innovationsprozesse von Hochschulen und Unternehmen zu schaffen sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Unternehmen steuerlich zu fördern, um den Innovationsstandort Deutschland zu stärken.

 

Pressekontakt

Peggy Groß

ist Kommunikationsmanagerin im Stifterverband.

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Dr. Mathias Winde

leitet den Programmbereich "Hochschulpolitik und 
-organisation".

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