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Volker Meyer-Guckel: Innovationen durch Sicherheit

"Ich glaube, dass das Thema Sicherheit genauso wie beispielsweise das Thema Nachhaltigkeit oder KI ein klassisches Schlüsselthema ist. Für alle Disziplinen."

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Volker Meyer-Guckel im Videointerview
Volker Meyer-Guckel im Videointerview
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Angesichts wachsender Bedrohungen – von Cyberangriffen bis zur Energieversorgung – benötigt Deutschland dringend leistungsfähige Sicherheits- und Hightechsysteme. Der Stifterverband hat deshalb intensive regionale Dialoge zur sicherheitsrelevanten Forschung geführt. Nun müsse ein nationaler Diskursraum entstehen, der bislang fehle, meint Stifterverbands-Generalsekretär Volker Meyer-Guckel. Sicherheit sei nicht nur ein Forschungs-, sondern auch ein Bildungsthema: Hochschulen müssten kulturelle Widerstände überwinden und Studierende stärker für sicherheitsbezogene Fragestellungen sensibilisieren.

Hightech‑Forschung in Deutschland sei zwar exzellent, der Transfer brauche aber mehr Kooperationen und finanzielle Mittel. Die sicherheitsorientierte Forschungsförderung könne – ähnlich wie in Israel, Südkorea oder den USA – einen Innovationsschub auslösen. Gleichzeitig sei der europäische Kontext entscheidend: Sicherheitsstandards, Forschung und Märkte müssten international abgestimmt werden, um Synergien und ausreichende Nachfrage zu schaffen.

Mit Blick auf die vom Wissenschaftsrat empfohlenen Innovation Hubs warnt Meyer‑Guckel vor unkoordiniertem Wildwuchs. Sicherheitslabore seien teuer, und nicht jede Region habe ausreichenden Bedarf. Erfolgreiche Beispiele gebe es etwa in München oder Nordrhein‑Westfalen; andere Standorte wie Bremen müssten kulturell und strukturell nachziehen. Start-ups hätten es weiterhin schwer, da militärische Beschaffungsprozesse hohe und langfristige Sicherheitsanforderungen stellten.

Sicherheit müsse als Schlüsselthema aller Disziplinen verankert sein, so Meyer-Guckel – vergleichbar mit Nachhaltigkeit oder KI. Interdisziplinäre Lehrformate, Ringvorlesungen und neue Curricula seien notwendig, da künftig jedes Unternehmen Fragen zu Infrastruktur-, Lieferketten- und Arbeitsplatzsicherheit beantworten müsse.

 

Die Bundeswehr will 2029 abwehrbereit sein. Wir brauchen jetzt sehr schnell Cybersicherheitssysteme, die uns vor Anschlägen im Datennetz schützen. In der Energieversorgung gilt es ähnlich. Wir haben einen wirklichen Druck hier.

Der Stifterverband hat sich in den vergangenen zwölf Monaten sehr intensiv mit diesem Thema sicherheitsrelevanter Forschung beschäftigt. In vielen regionalen Konferenzen, mit vielen Studien und in vielen Dialogrunden auch mit der Politik. Und der nächste Schritt wird sein, jetzt aus den regionalen Dialogen auch in den nationalen Diskursraum zu kommen und den vielleicht auch zu schaffen. Den gibt es nämlich noch nicht. Und dann die Frage, wie sich eigentlich das Thema Sicherheit nicht nur in Forschung und Innovationsökosystemen manifestiert, sondern auch im Lehrhineinhalten, also im Bildungskontext. Das sind ja all die Fragen, die damit verknüpft sind. Bis hin zum Cultural Mindset Change.

Also in vielen Hochschulen, die sich jetzt in dieser Richtung entwickeln wollen, in ihrem Forschungsprofil oder schon gute Forschung haben, heißt das noch lange nicht, dass alle überzeugt sind, dass das auch der richtige Weg ist. Also ich glaube, bei vielen Studierenden muss noch die Überzeugung greifen, um eine Stakeholdergruppe zu nehmen. Und diese Diskussionen werden im Augenblick in den Hochschulen geführt. Und da gibt es Orte, die da gut unterwegs sind und auch in die Richtung ihre Studierenden mitnehmen. Wir haben da so einen Prozess in der TU Dresden begleitet, wo das gut funktioniert. Bei anderen Orten sind halt die Widerstände größer und dann dauert das vielleicht ein bisschen länger. Am Ende kann ja auch jede Universität entscheiden, wir wollen diesen Weg nicht gehen.

Wir haben ja einen ganz bewusst breiten Begriff auch von sicherheitsrelevanter Forschung. Am Ende ist es Hightech. Und Hightech können Sie oder KI-Software-unterstütztes Hightech können Sie überall einbauen. In Spielzeuge, in Personenkraftwagen oder in Drohnen und Panzer oder optische Instrumente. Die Technologie ist da in Deutschland.

Die Forschung ist spitze. Der Transfer braucht Geld und Kooperationen.

Ich glaube, dass der gesamte Transferbereich durch diese neue Zielsetzung nochmal einen großen Push erfährt. Ich glaube, dass wir viel aufholen können, weil wir eigentlich gute Voraussetzungen haben, die wir in anderen Transferbereichen noch nicht umgesetzt haben, aber jetzt mit viel Geld aus dem Sicherheitsbereich dann eigentlich auch in Gang setzen könnten. Das zeichnet auch andere Innovationssysteme aus. Nationale Systeme wie Israel, Südkorea, Amerika, wo die Forschung, die Hightech-Innovation-Forschung und Grundlagenforschung vom Militärbudget getrieben wird. Und diese Chance haben wir jetzt in Deutschland und das sollten wir nutzen.

Das Stichwort Europa ist in dieser Diskussion auch nochmal sehr relevant. Wir werden nicht alles selbst erforschen können. Wir werden auch nicht alle Sicherheitsstandards für uns entwickeln, sondern das muss in einem europäischen Kontext auch dann, wir wollen ja europäisch verteidigungsfähig werden, abgestimmt werden, dass wir mit den gleichen Normen und Standards arbeiten. Das ist also eine transnationale Aufgabe und auch in der Forschung, glaube ich, bedarf es der transnationalen, internationalen Kooperation in dieser Frage, insbesondere in Europa. Das hat was mit Arbeitsteilung zu tun, das hat was mit Synergieeffekten zu tun und das hat was mit Ressourcen, begrenzten Ressourcen zu tun. Denn nur wenn wir einen Markt schaffen, der auch entsprechend aufnahmefähig ist und das kann nur ein europäischer Markt sein, dann lohnen sich die Investitionen auch.

Auch große Unternehmen ändern ja ihr Portfolio, wenn ich so an technische, forschungsstarke Technologieunternehmen denke. Die haben ja Technologien, die sie überall einsetzen können, ob im Auto oder in der Drohne. Das ist also für den Sensor oder für ein optisches Gerät relativ egal. Also auch da gibt es so eine Portfolioverschiebung und es ist die Frage, wie die alle zusammenkommen, um tatsächlich auch dann Produkte zu entwickeln und Märkte zu entwickeln. Es ist nicht immer ganz einfach, gerade für Startups, weil natürlich in der Vergangenheit die Bundeswehr, um mit der Bundeswehr zu argumentieren, einen sehr engen Beschaffungsmodus hatte mit verlässlichen Partnern, die aber auch bestimmte Sicherheitsstandards garantieren. Das haben die Hochschulen noch nicht. Es macht aber auch keinen Sinn, für jede Hochschule jetzt eigene Sicherheitslabore zu etablieren.

Das ist der Sinn von solchen Innovation Hubs, dass man sagen kann, es gibt so viele Player, dass es sich lohnt, für ein bestimmtes Technologiefeld Sicherheitslabore gemeinsam zu investieren und zu bauen.

Der Wissenschaftsrat hat ja empfohlen, für den Bereich von sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation "Innovation Hubs" zu gründen. Das war ja bisher ein sehr eng geführter Bereich, wo wenige Akteure zusammengearbeitet haben, DLR, Fraunhofer Institute, zusammen mit der Bundeswehr. Und jetzt geht es ja darum, das Potenzial der Hochschulen auch für solche Kooperationen, Forschungsergebnisse und Innovationen zu nutzen. Nun entstehen die überall, kann man fast sagen. Also es gibt wirklich vorbildliche, beispielsweise in München. In Nordrhein-Westfalen entsteht auch was Gutes. Wir haben ja viele Gespräche auch in Regionen und sind jetzt viele Regionen unterwegs.

Und was man hört, wenn man jetzt mit der Bundeswehr spricht, ist Vorsicht. Also es dürfen jetzt auch nicht zu viele sprießen, denn dafür gibt es gar nicht die Bedarfe. Also wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir das gut koordiniert kriegen zwischen einer Bottom-up-Bewegung und einer regionalen Initiative. Aber es darf jetzt auch nicht an zu vielen Standorten entstehen, denn damit ist viel verknüpft. Es sind viele Investitionen, zum Beispiel Sicherheitslabore, gemeinsame Einrichtungen. Und wenn das dann nicht auf den entsprechenden Bedarf trifft, dann gibt es auch viele Fehlinvestitionen. Das muss austariert werden.

Ja, wir haben im Landeskuratorium Bremen die Diskussion geführt. Das ist natürlich ein klassischer Luft- und Raumfahrtstandort. Da ist es naheliegend, dass da sich auch in sicherheitsrelevanten Forschungsfeldern etwas ergibt. Ich glaube, da muss sich die Universität noch ein bisschen bewegen, kulturell. Die Start-ups, mit denen wir da vielfach gesprochen haben, finden es auch nicht leicht, in dieses System hineinzukommen. Das hat auch wirklich was mit Sicherheitsregeln zu tun und bestimmten Normen, die man halt erfüllen muss, um solches Projekt oder Produkt zu entwickeln. Bis hin zu der Garantie, dass es auch noch in zehn Jahren erhältlich ist.

So denkt halt Bundeswehr bei Beschaffung. Das ist nicht ganz einfach für Start-ups, die sich noch am Markt behaupten müssen. Also Sie sehen, es gibt immer so spezifische Herausforderungen. Bremen wäre für mich ein naheliegender Standort. München funktioniert gut. Nordrhein-Westfalen hat einen großen politischen Willen, so etwas in Bewegung zu setzen. Das ist eigentlich der Haupttreiber.

Wenn der politische Wille da ist, dann glaube ich auch, dass das funktionieren kann.

Also das Erste ist ja erstmal, dass sich jede Region über ihre eigenen Stärken bewusst werden kann und soll, bevor man in Investitionen hineingeht. Ein Ökosystem muss ja auch mit Investitionen wachsen und zusammenleben. Wenn ich aus meinen eigenen Diskussionen und Erlebnissen berichten kann, dann findet natürlich jede Region jetzt ihre spezifische Umgebung. Also Berlin sagt, wir sind der Start-up-Ort hier in Deutschland. Wir haben die Verbindung zur Politik, zu den politischen Instanzen. Dazu gehört eben auch das Verteidigungsministerium und bundeswehrrelevante Institutionen. Das heißt noch lange nicht, dass es gut orchestriert ist.

Das ist jetzt die politische Herausforderung. Wer übernimmt eigentlich diese Orchestrierungsfunktion? Das ist nicht ganz einfach. Aber auch dafür hat der Wissenschaftsrat ein sogenanntes Dialogforum vorgeschlagen. Ein Dialogforum, um die Bedarfe des Defense-Bereichs. Ich will es mal über die Bundeswehr hinaus weiten. Also auch was Cyber-Security angeht, sichere Infrastrukturen und so weiter.

Mit den Forschungsentwicklungen an den Hochschulen in Deckung zu bringen. Also dass es da keinen Mismatch gibt. Und überhaupt ein Austauschforum zu schaffen, um das eine mit dem anderen zu verknüpfen. Das gibt es noch nicht. Hier gibt es vielleicht eine Aufgabe auch für Stiftungen oder für den Stifterverband. Und wir denken darüber nach, uns dieser Frage zu widmen. Und ich könnte mir vorstellen, wir werden uns jetzt nicht in lokale Innovations-Ökosysteme hineinbegeben.

Das ist Aufgabe derjenigen, die dort agieren. Aber schon die Frage, wie verhält sich regionale Vielfalt zu nationaler Orchestrierung? Das könnte ein Thema für uns sein. Wie verhält sich die Frage des Bedarfs, der Nachfrage zu der Frage von Forschung und deren Angeboten?

Ich glaube, dass das Thema Sicherheit genauso wie beispielsweise das Thema Nachhaltigkeit oder KI ein klassisches Schlüsselthema ist. Für alle Disziplinen. Und genauso wie wir unseren Future Skills das als Schlüsselqualifikation definiert haben, was sozusagen über alle Bereiche, entweder in allen Bereichen oder zwischen allen Bereichen, auch in Lehrformaten Ausdruck finden muss. Dasselbe gilt jetzt für das Thema Sicherheit. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man Ringvorlesungen oder gemeinsame Lehrformate, die alle Disziplinen inkludieren, für das Thema Sicherheit anbietet. Und jede Disziplin darüber nachdenkt, was bedeutet das eigentlich für uns. Als Soziologe, als Ingenieur, als IT-Fachmann und so weiter.

Auch fürs Management. Es gilt auch für die Betriebswirtschaft. Jedes Unternehmen muss in Zukunft Fragen beantworten. Wie sicher ist eigentlich meine Infrastruktur? Wie sicher sind meine Lieferketten? Wie sicher ist mein Arbeitsumfeld? Und das wird auch ganz neue Lehrinhalte nach sich ziehen, da bin ich sehr überzeugt.

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