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Lehrkräftebildung als Schlüssel zur beruflichen Transformation

Impulse für den Pakt für berufliche Schulen
aus dem Netzwerk der Berufsschul-Digi-Teams

Lehrkräftebildung als Schlüssel zur beruflichen Transformation (Cover der Publikation)
Lehrkräftebildung als Schlüssel zur beruflichen Transformation (Cover der Publikation)

Die fortschreitende Digitalisierung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz durchdringt nahezu alle Lebensbereiche, treibt den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel voran und transformiert die Arbeitswelt nachhaltig, was zu veränderten Kompetenz­anforderungen an zukünftige Fachkräfte führt. Diese Entwicklungen betreffen die berufliche Bildung in besonderer Weise: Berufsbilder wandeln sich und neue Tätigkeitsprofile entstehen. Gleichzeitig entstehen auch große didaktische Chancen, beispielsweise für ein verstärkt individualisiertes, adaptives sowie hybrides Lernen.

Berufsschulen sind daher gefordert, Lernende auf einen verantwortungsvollen und eigenständigen Umgang mit zukunftsweisenden Technologien sowie digital vernetzten Medien vorzubereiten. Dies stellt höchste Ansprüche an eine zeitgemäße berufliche Lehrkräftebildung. 

Eine zeitgemäße Lehrkräftebildung muss angehende Lehrkräfte so vorbereiten, dass sie auf den durch Digitalisierung und KI bewirkten kontinuierlichen Wandel der berufsfachlichen Inhalte sowie der Lehr- und Lernformen souverän reagieren und zukünftige Generationen zu einem reflektierten Umgang mit diesen Medien befähigen können. Dazu muss die Entwicklung und Förderung digitaler Kompetenzen bereits in der ersten Phase der Lehrkräftebildung systematisch verankert und in den weiteren Phasen stetig fortgeführt werden.

Erfreulicherweise greift der Pakt für berufliche Schulen diese Dynamik in seinem zweiten Arbeitszyklus gezielt auf und stellt sie in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Aus Sicht des Stifterverbandes kommt den Lehrkräften bei dieser langfristigen Gestaltungsaufgabe die zentrale Rolle zu. In den Handlungsempfehlungen des Paktes für berufliche Schulen sollten daher die folgenden Fragen unbedingt berücksichtigt werden:

  • Welche Kompetenzprofile für Lehrkräfte sind im Kontext von KI und Digitalisierung erforderlich?
  • Wie können Lehrkräfte nachhaltig so in ihrer professionellen Entwicklung unterstützt werden, dass sie Auszubildende optimal auf die Gestaltung der digitalen Transformation vorbereiten können?
  • Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit Lehrkräfte eigenverantwortlich die sich schnell wandelnden und teils regional spezifischen beruflichen Anforderungen aufgreifen und für den Lehr-Lern-Prozess nutzen können?

Im Rahmen des Förderprogrammes Berufsschul-Digi-Teams des Stifterverbandes erarbeiteten Hochschullehrende der gewerblich-technischen Fachrichtungen drei Handlungsempfehlungen, die in diesem Paper im Oktober 2026 veröffentlicht wurden. Sie richten sich einerseits an die Partner des Paktes für berufliche Schulen, um in dessen Abschlussbericht Berücksichtigung zu finden. Andererseits sind es auch Handlungsempfehlungen für alle Stakeholder der Lehrkräftebildung, die in den kommenden Jahren die berufliche Bildung verstärkt mit Blick auf Digitalisierung und KI weiterentwickeln werden.
 


Die zentralen Aussagen des Papers

  • Digitalisierung und KI verändern die Facharbeit so schnell und grundlegend, dass eine Entkopplung von Arbeitswelt und schulisch erwerbbaren Kompetenzen verhindert werden muss.
  • KI und Digitalisierung müssen als verbindliche Bestandteile in allen Phasen der Lehrkräftebildung verankert werden; nachhaltige und strukturierte Kooperationen sind dafür unerlässlich.
  • Die Förderung relevanter Kompetenzen, insbesondere der Reflexionsfähigkeit im Umgang mit KI, verlangt neue Lern- und Prüfungsformate sowie phasenübergreifend entwickelte didaktische Konzepte.
  • Die Potenziale von KI und Digitalisierung für individualisiertes, praxisnahes und reflexives Lernen müssen systematisch erschlossen werden.

 


Handlungsempfehlungen

Lehrkräfte müssen so professionalisiert sein, dass sie Bildungsziele, Lernsituationen und Lehr-Lern-Methoden auch im Kontext von Digitalisierung und KI zielführend gestalten können. Daher müssen digitale Technologien und KI sowohl als Gegenstände der beruflichen Bildung als auch als wichtiges Werkzeug im Lehr-Lern-Prozess in den Professionalisierungsverlauf einbezogen werden.

Diese Integration erfordert eine Weiterentwicklung des Kompetenzverständnisses von Lehrkräften sowie von Schülerinnen und Schülern in den unterschiedlichen Bildungsgängen der berufsbildenden Schulen. Lehrkräfte wie auch Schülerinnen und Schüler müssen in der Lage sein, digitale technologische Entwicklungen reflektiert im Kontext ihrer beruflichen Handlungskontexte produktiv aufzugreifen und dabei ein resilientes Selbstkonzept entwickeln. Dabei fungiert KI im beruflichen Lernen als Co-Intelligenz und macht insbesondere die Förderung beruflicher Urteilskompetenz als Ausgangspunkt der Befähigung von Lebensgestaltung in einer Kultur der Digitalität erforderlich. Entsprechend stehen hier Fähigkeiten des Verstehens, Bewertens und Einordnens (von KI-Ergebnissen) im Zentrum. Diese Kompetenzen sind nicht als Zusatzqualifikation zu verstehen, sondern integraler Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz.

Lehrkräfte müssen diese neuen Kompetenzbereiche jedoch nicht nur selbst durchdringen, sondern auch angemessen fördern können. Dafür müssen sie einerseits befähigt werden, digitale Technologien und KI mit Bezug auf den Ausbildungsberuf anzuwenden, und sich darüber hinaus kritisch und reflektiert mit diesen Werkzeugen und ihrem Einfluss auf die Gesellschaft und die Entwicklung von Berufsbildern auseinanderzusetzen. Andererseits müssen sie befähigt werden, Unterricht mit KI und weiteren digitalen Technologien als Lerngegenstand sowie als Unterrichtsmedium zu planen, durchzuführen und kritisch zu reflektieren.

Zur Förderung einer stetigen Auseinandersetzung mit den stark dynamischen Entwicklungen im Bereich digitaler Technologien und KI sollte in der Lehrkräftebildung phasenübergreifend zusammengearbeitet und die Kompetenzentwicklung über alle drei Phasen fortgeführt werden.

Dazu bieten sich phasenübergreifende Kooperationen an. Durch enge Kontakte der Studienseminare, Landesinstitute und Schulen mit den Hochschulen sollte ein kontinuierlicher Austausch zu neuen Technologien und deren Einfluss auf Unterricht und Facharbeit erfolgen. Auf diese Weise profitieren sowohl Lehramtsstudierende als auch Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter und berufstätige Lehrkräfte sowie die Schulen durch neue Impulse aus der ersten Phase. Weiterhin ist es wünschenswert, die universitäre Expertise zu digitalen Technologien und KI in die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften verstärkt einzubeziehen. Für eine produktive Zusammenarbeit sind anschlussfähige und langfristig angelegte Infrastrukturen der verschiedenen Lernorte und Institutionen eine zentrale Gelingensbedingung.

Nur in einem ausreichend offenen Kontext können Lehrkräfte die techno-logische Dynamik auch zukünftig angemessen im Unterricht aufgreifen. Dies ist besonders relevant, denn im Unterschied zu früheren Digitalisierungsschritten erweitert KI den Einflussbereich von Arbeitsmitteln auf Entscheidungsprozesse in der Facharbeit.

 
AUTORINNEN UND AUTOREN

Dr. Mareen Derda, Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Ralph Dreher, Universität Siegen
Prof. Dr. Carolin Frank, Universität Wuppertal
Prof. Dr. Martin Frenz, RWTH Aachen
Dr. Christian K. Karl, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Dominik May, Universität Wuppertal
Robert Schäfer, Universität Siegen
Jana Volk, Universität Wuppertal
 



Appell


LEHRKRÄFTEBILDUNG ALS SCHLÜSSEL 
FÜR DIE BERUFLICHE TRANSFORMATION REFORMIEREN

Mit der Weiterentwicklung der beruflichen Bildung im Kontext von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz adressiert der Pakt für berufliche Schulen eine zentrale Zukunftsaufgabe. Die technologische Dynamik wird die Anforderungen an berufliche Bildung und damit auch an Lehrkräfte in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Eine nachhaltige Professionalisierung von Lehrkräften sollte daher als strategische Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung dieses Wandels verstanden werden. Ohne entsprechende Kompetenzen können weder Investitionen in Infrastruktur ihre volle Wirkung entfalten noch die Entwicklung der beruflichen Realität im Unterricht aufgegriffen werden. Die im Pakt für berufliche Schulen beteiligten Stakeholder sowie alle Akteure der Lehrkräftebildung sind daher aufgerufen, die hier formulierten Empfehlungen in ihre weiteren Entwicklungs- und Reformprozesse einzubeziehen.
 

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
 
Prof. Dr. Alexandra Bach, Leibniz Universität Hannover
Dr. Natali Becker, Universität Siegen
Prof. Dr. Oliver Bodensiek, Universität Potsdam
Dr. Mareen Derda, Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Ralph Dreher, Universität Siegen
Prof. Dr. Carolin Frank, Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. Martin Frenz, RWTH Aachen
Martin Hieronymus, Technische Universität Hamburg
Dr. Eberhard Hüster, Balthasar-Neumann-Technikum Trier
Dr. Gabriela Jonas-Arend, Universität Paderborn
Dr. Christian K. Karl, Universität Duisburg-Essen
Dr. Carolin Lohse, Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Dominik May, Bergische Universität Wuppertal
Markus Müller, Berufliche Schule Farmsen BS19, Hamburg
Dr. Frank B. Peters, Leibniz-Universität Hannover
Dr. Wilko Reichwein, Technische Universität Hamburg
Robert Schäfer, Universität Siegen
Prof. Dr. Christian Steib, Karlsruher Institut für Technologie
Dr. Mats Vernholz, Universität Paderborn
Jana Volk, Bergische Universität Wuppertal

 
Seit 2024 fördert der Stifterverband gemeinsam mit dem Mercedes-Benz-Fonds jährlich fünf Berufsschul-Digi-Teams mit dem Ziel, digitalisierungsbezogene Kompetenzen verbindlich im Lehramtsstudium zu verankern. Gefördert werden Hochschulen, die in Kooperation mit Ausbildungsbetrieben, beruflichen Schulen und/oder Studienseminaren Lehr-Lern-Arrangements entwickeln und sie im Pflichtbereich des Lehramtsstudiums für die gewerblich-technischen beruflichen Fachrichtungen nachhaltig verankern. Sie werden von einer Jury ausgewählt, die hohe Fachexpertise und verschiedene Perspektiven auf berufliche Bildung vereint.

Zukunftsmission Bildung (Logo)
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Das Förderprogramm "Berufsschul-Digi-Teams" ist Teil der Allianz für Lehrkräfte der Zukunftsmission Bildung. Mit ihr will der Stifterverband dem Lehrkräftemangel mit ausreichend und richtig qualifizierten Lehrkräften begegnen. In der Zukunftsmission Bildung bringt er die relevanten Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einer Gemeinschaftsinitiative zusammen und koordiniert die Aktivitäten in vier starken Allianzen für Lehrkräfte, für MINT-Fachkräfte, für Schule Plus und für Future Skills.

Denn um die großen Herausforderungen im Bildungssystem zu lösen, braucht es starke Partnerschaften – die gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen, die gemeinsam Rahmenbedingungen gestalten und damit langfristig eine Veränderung im Bildungssystem bewirken.

Website zur Zukunftsmission Bildung

 

Kontakt

Andreas Land
Andreas Land

Andreas Land

ist Programmmanager im Bereich "Programm und Förderung" beim Stifterverband.

T  0201 8401-256

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