Digital durch die Krise

Digitalisierungsschub der Zivilgesellschaft als Chance und Herausforderung neuen Engagements

Policy Paper

  • Mehrheit der Zivilgesellschaft erkennt Potenziale digitaler Anwendungen für den gemeinnützigen Bereich.
  • Aneignung und Vermittlung digitalen Know-hows sowie Anschaffung von Hardwareausstattung sind Kernherausforderungen.
  • In der Krise werden vor allem informelle Beratungsmöglichkeiten zu Fragen des digitalen Arbeitens genutzt.

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Schritt für Schritt verändert er unsere tägliche Kommunikation, die Arbeitswelt und das gesellschaftliche Zusammenleben. In der Corona-Pandemie hat die digitale Transformation von Kommunikations- und Arbeitsprozessen weiter an Bedeutung gewonnen. Ob durch die Zunahme von Homeoffice und Video-Konferenzen oder digitale Netzwerkarbeit − ein Großteil der beruflichen und privaten Interaktion findet aktuell online statt und ermöglicht die Fortführung von Aktivitäten in Zeiten des Lockdowns.

Auch die organisierte Zivilgesellschaft ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Aufgrund der umfangreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens konnten viele Organisationen ihre Tätigkeiten nicht wie geplant fortsetzen. Zwar sollen digitale Anwendungen nicht zum Selbstzweck werden und können zwischenmenschliche Begegnungen nie komplett ersetzen – zumal sie atmosphärischen Aspekten nicht gerecht werden und viele gesellschaftlichen Gruppen noch unzulänglich erreichen. Ihr Einsatz in bewusst gewählten Bereichen birgt jedoch die Chance, die Wirkung zu steigern, neue Wege durch die derzeitige Krise aufzuzeigen und letztlich den digitalen Strukturwandel, den die Gesellschaft durchläuft, souverän mit zu beschreiten und zu begleiten.

Bereits während des ersten Lockdowns setzten die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zivilgesellschaftliche Organisationen erheblich unter Druck. So mussten sie neue Mittel und Wege finden, ihr Tagesgeschäft fortzuführen, mit Mitgliedern und Engagierten zu kommunizieren und sich mit Fördernden auszutauschen. Digitale Anwendungen haben hierbei eine wichtige Rolle gespielt. Sie ermöglichten die Durchführung von Onlineveranstaltungen und schafften neue Räume für kreatives Engagement. Vom Austausch mit Engagierten in Chatgruppen über digitalen Nachhilfeunterricht bis hin zu Wohnzimmersportstunden auf YouTube: Zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure konnten ihr Wirken in gewissem Rahmen fortsetzen und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise. Was zuvor als unmöglich wahrgenommen wurde, funktioniert ganz plötzlich doch, und gefühlsbedingte Widerstände gegen das Thema Digitalisierung gerieten zunehmend in den Hintergrund.

Diese Bedeutung digitaler Anwendungen wurde auch während des zweiten Lockdowns, der im November 2020 begann, bestätigt. Dass ergab die erneute Befragung von ZiviZ im Stifterverband unter 685 zivilgesellschaftlichen Organisationen. Fast jede zweite befragte Organisation war der Meinung, dass der gemeinnützige Bereich die Potenziale digitaler Anwendungen für sich entdeckt habe. 55 Prozent waren sogar davon überzeugt, dass die digitalen Anwendungen den gemeinnützigen Bereich dauerhaft verändern werden.

 

Bibliografische Angaben

Kai Hoff, David Kuhn, Birthe Tahmaz:
Digital durch die Krise
Herausgeber: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Erschienen im März 2021

Dieses Policy Paper entstand im Rahmen des
Engagement-Barometers zur Corona-Pandemie
– einer Befragung von Führungskräften von Verbänden,
Infrastruktureinrichtungen sowie Organisationen der Zivilgesellschaft.

Kontakt

Birthe Tahmaz

ist Projektleiterin bei ZiviZ im Stifterverband.

T 030 322982-519

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