Was wünschen Sie sich, wie unsere Bildungssysteme oder Unternehmen mit dem Thema Future Skills umgehen sollten – und warum ist der Stifterverband hier ein wichtiger Partner?
Es gibt inzwischen hilfreiche Strategien für Future Skills, die einen gemeinsamen Bezugsrahmen schaffen und eine gemeinsame Sprache ermöglichen. Das allein reicht jedoch nicht. Vor allem müssen wir entlang der gesamten Bildungskette konkrete Lernsituationen schaffen, in denen Menschen diese Fähigkeiten entwickeln können, indem sie offene Fragen bearbeiten, Perspektiven zusammenbringen und aus Erfahrungen lernen.
Gerade weil wir nicht wissen, was künftig gefragt sein wird, muss Lernen ein Leben lang möglich bleiben. Und dieses Lernen braucht Begleitung durch Mentorinnen und Mentoren, Lehr- oder Führungskräfte, die Orientierung geben und Reflexion ermöglichen, ohne einen bestimmten Weg vorzugeben.
Der Stifterverband ist hier ein wichtiger Partner, weil er Perspektiven aus Hochschulen, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbringt und wichtige Themen früh aufgreift. Besonders wertvoll ist, dass er zugleich Möglichkeiten schafft, neue Ansätze zu erproben und Erfahrungen zu teilen.
KI ist in aller Munde. Was sind für Sie persönlich die entscheidenden Skills, um KI nicht nur zu nutzen, sondern damit wirklich besser zu werden?
Für mich liegt ein großer Wert von KI darin, sie als Sparringspartner für das eigene Denken zu nutzen. Das funktioniert aber nur, wenn ich selbst weiß, worüber ich spreche und was ich erreichen will. Ich brauche fachliches Wissen, eigene Fragen und eine Vorstellung davon, wie eine gute Lösung aussehen könnte. Erst dann kann ich Vorschläge einordnen und der KI auch widersprechen.
Wirklich besser werde ich durch KI also vor allem dann, wenn ich sie bitte, meine eigenen Gedanken zu prüfen, andere Perspektiven einzubeziehen und mir Ideen vorzuschlagen, auf die ich allein vielleicht nicht gekommen wäre. Dabei muss mir allerdings immer bewusst sein, dass auch KI keinen neutralen Blick auf die Welt bietet.
Dazu gehört für mich auch, bewusst zu entscheiden, was ich an KI delegiere. Nur weil sie etwas übernehmen kann, muss es nicht sinnvoll sein, es aus der Hand zu geben. Viele Aufgaben gewinnen gerade dadurch an Qualität, dass man selbst nachdenkt, abwägt und mit anderen ins Gespräch geht.