Trotz dieses Wissensschatzes findet wirksamer Unterricht nicht überall statt, wie die PISA-Ergebnisse zeigen. Zu häufig hängt guter MINT-Unterricht vom Engagement einzelner Akteure ab. Dabei gibt es Möglichkeiten, Erkenntnisse der Bildungsforschung für den Unterricht fruchtbar zu machen und die Expertise außerschulischer Partner dauerhaft im System zu verankern.
Ein zentraler Hebel ist eine datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung. Sie unterstützt Schulen dabei, die Unterrichtsqualität kontinuierlich weiterzuentwickeln und Entscheidungen auf Grundlage verlässlicher Informationen zu treffen. Hierfür braucht es eine moderne Schulaufsicht, die auf Basis relevanter Daten individuelle Zielvereinbarungen trifft, Qualitätsentwicklung begleitet und bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen berät.
Lehrkräfte haben die Pflicht, sich regelmäßig fortzubilden. So erhalten sie Zugang zu neuen Erkenntnissen zu gutem Unterricht und bewährten Praxisbeispielen. Dafür braucht es zusätzlich zum bestehenden Angebot schuljahresbegleitende Formate, Inhouse-Schulungen und Programme externer Träger. Zugleich muss die Bildungspolitik durch eine Konkretisierung der Fortbildungspflicht darauf hinwirken, dass Fortbildungsangebote systematisch für die Personal- und Schulentwicklung genutzt werden.
Nicht zuletzt ist eine verpflichtende und kostenfreie Sprachförderung insbesondere in der Primarstufe essenziell. Können Kinder dem Unterricht sprachlich nicht folgen, wirkt sich dies unmittelbar auf ihre Leistungen aus. Das betrifft nicht nur Kinder mit Zuwanderungsgeschichte, sondern ebenso Kinder aus sozial benachteiligten Familien.
Es gibt Beispiele dafür, wie sich diese Ansätze positiv auf die Leistungen von jungen Menschen auswirken. So hat Hamburg in den letzten Jahren konsequent auf datengestützte Schulentwicklung, Fortbildungsanreize und verpflichtende Sprachförderung gesetzt und entwickelte sich vom Nachzügler zu einem der erfolgreichsten Länder im innerdeutschen Vergleich.
Bildungspolitische Zyklen sind lang. Bis Reformen ihre Wirkung entfalten und sich in künftigen PISA-Ergebnissen niederschlagen, werden Jahre vergehen. Das entbindet aber nicht von der Verantwortung, die nötigen Reformen einzuleiten. Die Bildungspolitik sollte daran gemessen werden, ob sie das Wissen über guten MINT-Unterricht tatsächlich in wirksames Handeln übersetzt. Jetzt ist der beste Zeitpunkt dafür.