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Meinung

Zukunftsmission Bildung

PISA: Was sich für besseren MINT-Unterricht ändern muss

MINT-Schulunterricht (Bild: KI-generiert)
MINT-Schulunterricht (Bild: KI-generiert)

In trauriger Regelmäßigkeit wiederholt sich inzwischen nach jeder Veröffentlichung von PISA-Ergebnissen dieselbe Dramaturgie. Zunächst folgt die Betroffenheit über allenfalls durchschnittliche Resultate, anschließend beginnt die Suche nach Verantwortlichen. Nicht selten fokussiert sich die Debatte auf Schülerinnen und Schüler: Sie gälten als unkonzentriert, leistungsunwillig oder überfordert.

Auch die aktuellen Ergebnisse bestätigen einmal mehr den negativen Trend. Der Abstand zu Spitzenreitern wie Japan oder Estland entspricht bis zu eineinhalb Schuljahren. Zugleich wächst die Gruppe der Jugendlichen, die Mindestanforderungen in den Basiskompetenzen Lesen, Rechnen und Schreiben nicht erreicht. Für eine Volkswirtschaft, deren Wohlstand auf technologischer Innovationskraft, wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Wertschöpfung beruht, ist das dramatisch. Ebenso ist die individuelle Teilhabe von jungen Menschen an der Gesellschaft durch solche Ergebnisse gefährdet. Umso drängender ist die Frage, warum es dem Bildungssystem nicht gelingt, diese Entwicklung umzukehren.

Die Probleme sind bekannt, aber auch Wege zur Verbesserung

Die Bildungsforschung zeigt, dass der Unterricht die zunehmend heterogene Schülerschaft mit ihren unterschiedlichen sozialen, sprachlichen und fachlichen Voraussetzungen nicht ausreichend erreicht. Die Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich verschärft. Im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn gelingt es Deutschland zu wenig, soziale Disparitäten auszugleichen.

Längst ist bekannt, wie Unterricht gestaltet werden muss, der gerade MINT-Kompetenzen stärkt. Erfolgreicher MINT-Unterricht knüpft an die Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler an und behandelt die großen Fragen unserer Zeit. Er setzt auf langfristige, fächerübergreifende Projekte, in denen Lernende im Team arbeiten und Wissen praktisch anwenden. Er schafft Lernumgebungen, in denen sich auch Mädchen als kompetent und zugehörig erleben. Zudem bietet er differenzierte Aufgaben und Angebote für unterschiedliche Leistungsstände. Unterstützt wird ein solcher Unterricht durch Sprachförderung sowie Kooperationen mit außerschulischen Partnern, die authentische Lerngelegenheiten schaffen und somit Selbstwirksamkeit sowie naturwissenschaftliches Interesse stärken.

„Die Bildungspolitik sollte daran gemessen werden, ob sie das Wissen über guten MINT-Unterricht tatsächlich in wirksames Handeln übersetzt.“

Volker Meyer-Guckel (Foto: Marcel Schwickerath)
Volker Meyer-Guckel (Foto: Marcel Schwickerath)
Volker Meyer-Guckel
Generalsekretär des Stifterverbandes

Wirksame Ansätze harren der Umsetzung

Trotz dieses Wissensschatzes findet wirksamer Unterricht nicht überall statt, wie die PISA-Ergebnisse zeigen. Zu häufig hängt guter MINT-Unterricht vom Engagement einzelner Akteure ab. Dabei gibt es Möglichkeiten, Erkenntnisse der Bildungsforschung für den Unterricht fruchtbar zu machen und die Expertise außerschulischer Partner dauerhaft im System zu verankern.

Ein zentraler Hebel ist eine datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung. Sie unterstützt Schulen dabei, die Unterrichtsqualität kontinuierlich weiterzuentwickeln und Entscheidungen auf Grundlage verlässlicher Informationen zu treffen. Hierfür braucht es eine moderne Schulaufsicht, die auf Basis relevanter Daten individuelle Zielvereinbarungen trifft, Qualitätsentwicklung begleitet und bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen berät.

Lehrkräfte haben die Pflicht, sich regelmäßig fortzubilden. So erhalten sie Zugang zu neuen Erkenntnissen zu gutem Unterricht und bewährten Praxisbeispielen. Dafür braucht es zusätzlich zum bestehenden Angebot schuljahresbegleitende Formate, Inhouse-Schulungen und Programme externer Träger. Zugleich muss die Bildungspolitik durch eine Konkretisierung der Fortbildungspflicht darauf hinwirken, dass Fortbildungsangebote systematisch für die Personal- und Schulentwicklung genutzt werden.

Nicht zuletzt ist eine verpflichtende und kostenfreie Sprachförderung insbesondere in der Primarstufe essenziell. Können Kinder dem Unterricht sprachlich nicht folgen, wirkt sich dies unmittelbar auf ihre Leistungen aus. Das betrifft nicht nur Kinder mit Zuwanderungsgeschichte, sondern ebenso Kinder aus sozial benachteiligten Familien.

Es gibt Beispiele dafür, wie sich diese Ansätze positiv auf die Leistungen von jungen Menschen auswirken. So hat Hamburg in den letzten Jahren konsequent auf datengestützte Schulentwicklung, Fortbildungsanreize und verpflichtende Sprachförderung gesetzt und entwickelte sich vom Nachzügler zu einem der erfolgreichsten Länder im innerdeutschen Vergleich.

Bildungspolitische Zyklen sind lang. Bis Reformen ihre Wirkung entfalten und sich in künftigen PISA-Ergebnissen niederschlagen, werden Jahre vergehen. Das entbindet aber nicht von der Verantwortung, die nötigen Reformen einzuleiten. Die Bildungspolitik sollte daran gemessen werden, ob sie das Wissen über guten MINT-Unterricht tatsächlich in wirksames Handeln übersetzt. Jetzt ist der beste Zeitpunkt dafür.

Bildungsangebote für alle: der MINT-Campus

Junge Frau blickt auf einen großen Bildschirm
Foto: MINT-Campus

Der MINT-Campus ist die Lernplattform für die MINT-Community. Der Campus bietet kostenlose Lernangebote in unterschiedlichen Formaten für vielfältige Zielgruppen. Alle Lernangebote stehen mit offener Lizenz zur Verfügung. Die Angebote fokussieren sich auf Themen der Projekt- und Netzwerkarbeit, der MINT-Didaktik und auf fachliche MINT-Inhalte. Unsere Vision: MINT-Bildung in Deutschland ist attraktiv für jede und jeden und erreicht Menschen in allen Lebensphasen. Der MINT-Campus wird durch die matrix gGmbH, den Stifterverband und die Stiftung Kinder forschen als Verbund gemeinsam umgesetzt und vom BMBFSFJ (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend) gefördert.

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