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Forschung und Entwicklung

 
Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) erhebt die Wissenschaftsstatistik des Stifterverbandes jedes Jahr die offiziellen Daten zu Forschung und Entwicklung der Unternehmen und Institutionen für Gemeinschaftsforschung in Deutschland.

 
Seit Einführung dieser offiziellen Erhebung in den 1970er-Jahren ist die Wissenschaftsstatistik im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für deren Konzeption und Durchführung verantwortlich. Seitdem werden regelmäßig Informationen über die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) des Wirtschaftssektors in Deutschland bei allen forschenden und forschungsverdächtigen Unternehmen erhoben. Die Erhebung ist Teil der offiziellen EU-Gemeinschaftsstatistiken und fließt in nationale wie internationale Berichtssysteme ein.

Kernindikatoren sind die finanziellen Aufwendungen für die von den Unternehmen selbst durchgeführte (interne) Forschung und Entwicklung sowie die im Rahmen von FuE-Aufträgen an Externe vergebenen Aktivitäten. Die Daten lassen sich etwa nach Mittelverwendung und Finanzierungsquelle oder auch nach Empfängergruppen im Fall der Vergabe von FuE-Aufträgen analysieren. Ebenso werden zahlreiche Indikatoren für den Bereich des FuE-Personals abgefragt, etwa nach Art der ausgeübten Tätigkeit und Geschlecht. Zudem spielen Fragen zur regionalen Verteilung der Forschungsstätten, den beforschten Technologiefeldern, den Ergebnissen der FuE-Aktivität, also zur Innovationstätigkeit der Unternehmen sowie betriebswirtschaftliche Kennzahlen eine Rolle.

Die FuE-Erhebung folgt internationalen Standards der Europäischen Union und der OECD. Dementsprechend sind die Daten nach Branchen, Regionen oder Unternehmenstypen nicht nur national, sondern auch international vergleichbar. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Berichterstattung Deutschlands zur technologischen und innovatorischen Leistungsfähigkeit im Inland sowie in der EU und in der OECD.
 

Die Ergebnisse der FuE-Erhebung 2024

Nach dem Rekordjahr 2023, in dem die internen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) in der Wirtschaft erstmals die 90-Milliarden-Marke knackten, flacht das Wachstum der FuE-Ausgaben ab. Im Jahr 2024 investierten die deutschen Unternehmen insgesamt 92,5 Milliarden Euro (plus 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) in interne FuE und bleiben damit inflationsbereinigt auf dem bisherigen Niveau.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Anteil der FuE-Aufwendungen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), der für die Wirtschaft 2024 mit 2,14 Prozent den gleichen Wert wie 2023 erreicht. Sektorenübergreifend konnte Deutschland hingegen die FuE-Quote am BIP erstmals auf 3,17 Prozent steigern. Auch wenn Deutschland damit weiterhin über dem EU-Durchschnitt von 2,24 Prozent liegt, bleibt das 3,5-Prozent-Ziel weiterhin ambitioniert.

Während der Wirtschaftssektor den größten Anteil der FuE-Aufwendungen am BIP ausmacht, ist das Wachstum der FuE-Quote am BIP 2024 vor allem auf einen Anstieg im Hochschul- sowie im Staatssektor zurückzuführen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich der Anteil der FuE-Aufwendungen am BIP für den Hochschulsektor um 0,01 Prozentpunkte auf 0,56 Prozent. Der Staatssektor steigerte die FuE-Quote auf 0,40 Prozent um insgesamt 0,03 Prozentpunkte. Daneben bleiben die privaten Institutionen ohne Erwerbszweck unverändert bei 0,07 Prozent am BIP. Im Gesamtbild liegt Deutschland damit seit 2023 konstant über dem Niveau von 2019 vor der COVID-19-Pandemie.

Während im Jahr 2023 die internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft gegenüber 2022 eine Rekordsteigung von 10,5 Prozent verzeichneten, fällt 2024 das Plus von 2,3 Prozent im Vergleich zu 2023 auf insgesamt 92,5 Milliarden Euro deutlich geringer aus. Vor dem Hintergrund einer Inflationsrate von 2,2 Prozent im Jahr 2024 deutet sich an, dass die internen Aufwendungen für FuE real kaum gestiegen sind. Gleichzeitig weist der leichte Anstieg des FuE-Personals um 1,9 Prozent gegenüber 2023 auf insgesamt 554.101 VZÄ darauf hin, dass Unternehmen ihre Forschungsaktivitäten weiter ausbauen Die Steigerung der FuE-Aufwendungen kann entsprechend nicht ausschließlich auf die Inflation zurückgeführt werden. Die trotzdem verhaltene Entwicklung der FuE-Ausgaben 2024 zeichnete sich bereits durch die im Vorjahr gemeldete gleichbleibende Budgetplanung der Unternehmen ab. Es lässt sich vermuten, dass die Unternehmen angesichts anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten zurückhaltender in Forschung und Entwicklung investieren.

Auch die externen FuE-Aufwendungen stiegen 2024 deutlich weniger stark an als im Vorjahr – um 3,7 Prozent auf knapp 33 Milliarden Euro. Damit machen die externen Aufwendungen mittlerweile etwas mehr als ein Drittel der Gesamtaufwendungen für Forschung und Entwicklung aus. Die Bedeutung von externen Forschungsaufträgen nimmt in den letzten Jahren immer stärker zu, da Unternehmen dadurch beispielsweise spezifisches Wissen gewinnen oder sich neue Märkte erschließen und sichern. Weitere Motive können auch die Erhöhung der eigenen Innovationsgeschwindigkeit oder die Überbrückung interner Kapazitätsengpässe sein.

FuE-facts mit einer ausführlichen Analyse

 

Daten und Methodik

Grundlage für die jährliche FuE-Erhebung bilden die Regeln der Europäischen Kommission: Diese umfassen die EU-Verordnung 2019/2152 sowie die entsprechende Durchführungsverordnung (EU) 2020/1197. Darüber hinaus orientiert sich die verwendete Methodik an der aktuellen Version des Frascati-Handbuchs, das von den OECD-Mitgliedsstaaten für eine einheitliche Standardisierung der internationalen FuE-Erhebungen entwickelt wurde (OECD, 2018), und den methodischen Empfehlungen von Eurostat.

Die Zielgruppe der FuE-Erhebung umfasst branchenübergreifend alle FuE-aktiven Unternehmen in Deutschland mit mindestens einem Beschäftigten (durchschnittliche Kopfzahl im Berichtsjahr der Erhebung). Da in Deutschland kein allgemeines Verzeichnis der FuE-treibenden Unternehmen existiert, ist die Erstellung und Pflege eines solchen Verzeichnisses ein wesentlicher Bestandteil der Datenerhebung. Derzeit befinden sich im Gesamtadressbestand circa 34.000 Unternehmen, die FuE durchführen oder bei denen ein solcher Verdacht besteht. Dieser aktive Bestand ist die Grundlage zur Bildung der Grundgesamtheit der befragten Unternehmen. Die Befragung ist im Kern als Onlineerhebung konzipiert.

Im Forschungsdatenzentrum Wissenschaftsstatistik sind die Mikrodaten über Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der deutschen Wirtschaft ab dem Jahr 1995 auf Unternehmensebene zu Forschungszwecken verfügbar.

Veranstaltungen

Veranstaltungen (Foto: Eric Kemnitz)

Fachkräftemangel? Welcher Fachkräftemangel?
Die Wissenschaftsstatistik hatte für den 7. November 2024 zum FuE-Workshop nach Berlin eingeladen: Im Zentrum stand die Frage, wie es forschenden Unternehmen in Zeiten von Fachkräftemangel gelingt, Personal anzuziehen. Dabei wurden Praxisfälle aus Unternehmen diskutiert, Best-Practice-Ansätze herausgearbeitet und konkrete Maßnahmen vorgestellt, um dem Qualifizierungsbedarf zu entsprechen. 
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Der FuE-Workshop 2022 stand unter dem Titel "Wissenstransfer bei Technologischen und Sozialen Innovationen: Alte Probleme und neue Lösungen?" und fand in Essen statt.
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Der FuE-Workshop 2021 beschäftigte sich mit dem Thema "Was bleibt von der Pandemie? Der langfristige Einfluss der Krise auf den deutschen Forschungsstandort".
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Der FuE-Workshop 2019 drehte sich um die technologische Diversifizierung Deutschlands beim Strukturwandel hin zu neuen Spitzentechnologiefeldern im Umfeld bereits vorhandener Innovationsschwerpunkte.
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WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT

Der Beirat der FuE-Erhebung berät die Wissenschaftsstatistik und das BMFTR zu methodischen und inhaltlichen Fragestellungen und unterstützt die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Erhebung. Die Mitglieder des Beirates werden vom BMFTR berufen und stammen aus der wissenschaftlichen und methodischen Fachcommunity, aus Unternehmen, von der OECD und aus dem Statistischen Bundesamt.

Mitglieder des Beirates sind aktuell:

  • Ruth Brand, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
  • Prof. Dr. Dirk Czarnitzki, Katholische Universität Leuven
  • Dr. Gernot Füchsel, Kipu Quantum GmbH, Karlsruhe
  • Christian Herbst, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Berlin
  • Dr. Karen Köhler, Bayer AG, Leverkusen
  • Prof. Ph.D. Pierre Mohnen, MERIT University of Maastricht (Niederlande)
  • Prof. Dr. Ingrid Ott, Karlsruher Institut für Technologie (KIT) (Vorsitzende des Beirats)
  • Dr. Caroline Paunov, OECD – Organisation for Economic Co-Operation and Development, Paris
  • Prof. Dr. Bettina Peters, Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH, Mannheim
  • Prof. Dr. Vivien Procher, Philipps-Universität Marburg
  • Dr. Mirjam Storim, Siemens Technology Center, Garching
  • Dr. Ulrike Tagscherer, KUKA Aktiengesellschaft, Augsburg
  • Carsten Wehmeyer, Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., Berlin
  • Prof. Ph.D. Axel Werwatz, Technische Universität Berlin
     
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