Jean-Pierre Bourguignon: Forschung für Europa

"Vielleicht muss man wieder das Konzept von Universitäten in Europa ein bisschen anders verstehen und bereit werden, neue Wege zu schaffen."

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50.000 Nachwuchswissenschaftler hat der Europäische Forschungsrat (ERC) bis jetzt gefördert. Sein Präsident Jean-Pierre Bourguignon sorgt sich aber, dass die europäischen Universitäten bei der Forschung global ins Hintertreffen geraten und die Chinesen an ihnen vorbeiziehen. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Jean-Pierre Bourguignon ist einer der Diskutanten auf dem Forschungsgipfel 2018, bei dem rund 400 Entscheider, Experten, Vordenker und Newcomer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik darüber öffentlich beraten, wie das internationale Innovationssystem weiterentwickelt werden kann.
 

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Autor: Timur Diehn
Produktion: Webclip Medien Berlin
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Transkript des Videos

Für Europa mehr Flexibilität, mehr Verständnis für diese Notwendigkeit, diese Zusammenarbeit doch effizienter und schneller zu machen, ist noch kritisch.

Zurzeit hat ERC schon fast 8.000 Projekte unterstützt, ziemlich schon viel. Und wenn man auch betrachtet, welche sind die Leute, die in diesen Teams arbeiten, das sind Teams von ERC-Grantees, ist mehr als 50.000 Leute. Sehr viele sind noch Doktoranden oder Postdoktoranden, das ganze die Leute, die für die Zukunft ganz wichtig sind.

Die Unterstützung, die wir geben, ist für fünf Jahre. Wir erwarten, dass Leute auch ein bisschen sogenannte High Risk eingehen, Projekte vorschlagen. 

Für die Themen wir sind völlig offen. Das heißt, wir sind bottom up, ein Bottom-up-Programm. Das heißt, die Forscher und die Forscherinnen natürlich müssen doch ganz frei sich fühlen und genau sagen oder vorschlagen, was sie doch am besten machen möchten.

Zwei Drittel unserer Mittel gehen zu Forschern, die ungefähr unter 40 sind.

Alle diese Forscher sind ganz früh in ihrer Karriere. Und das bedeutet, dass der Impact von ERC für den Wiederbau der nächsten Generation von Forschern oder Forscherinnen in Europa ganz wichtig ist.

Man muss immer denken, dass für die Forschung erfolgreich zu sein, man braucht diese verschiedenen Komponenten. Das heißt, Prioritäten auch, gute Netze von Forschern zu bauen, und das Programm für die Unterstützung von Forschung in Europa hat alle diese verschiedenen Komponenten. Zurzeit es gibt drei Säulen, sogenannte Säulen, sogenannte exzellente Wissenschaft, und dazu gehört ERC und auch die sogenannte Marie-Sklodowska-Curie-Aktionen für Mobilität von Forschern und Forscherinnen. Und die zweite Säule ist doch Säule für Industrial Leadership. Und die dritte Säule ist die sogenannte gesellschaftliche, Societal Challenges.

Für Deutschland, wo die Forschung sowohl organisiert und auch gut finanziert ist, und Leute sind nicht so, ich meine, der Druck für etwas neu zu tun vom organisatorischen Standpunkt, nicht so evident. Weil alles läuft, wie machen gute Arbeit usw. Vielleicht ist der Druck für etwas Neues vielleicht nicht so groß wie in anderen Umgebungen, wo vielleicht die Leute wissen, dass sie müssen etwas ganz innovativ machen.

Vielleicht für Europa etwas, das nicht heute genug entwickelt wird, ist die Möglichkeit für Leute von verschiedenen Fächern zusammenzuarbeiten, sogenannte Pluridisziplinarität.Und ein gutes Beispiel vielleicht ist Imperial College. Natürlich ist das eine der besten Universitäten in Großbritannien, aber ich habe die Leute dort besucht, insbesondere ERC-Projekte, und ich war sehr beeindruckt, dass viele dieser Projekte richtig pluridisziplinär waren.

Ich würde sagen, vielleicht die nächste Gefahr oder die nächste, viele der nächsten Industrien der Welt werden aus Asien kommen. Sie wissen, dass nicht nur China, aber auch Korea, vielleicht Indien entwickeln sich vom Standpunkt der Wissenschaft so schnell, und auch für die Kultur in China, viele Studenten sind da auch bereit, ihre eigenen Firmen zu schaffen. Und vielleicht von diesem Standpunkt sind die chinesischen Universitäten noch fähiger als die europäischen Universitäten, in diese Richtung sich zu entwickeln.

Die europäischen Universitäten zurzeit auch aus Strukturgründen sind nicht fähig, solche Entwicklungen zu schaffen. Vielleicht muss man wieder das Konzept von Universitäten in Europa ein bisschen anders verstehen und bereit werden, neue Wege zu schaffen. Und die Einzigen, die das schon gemacht haben, richtig gemacht haben, sind die britischen Universitäten.