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Deckung des Lehrkräftebedarfs bleibt zentrale Zukunftsaufgabe

Der Stifterverband hat im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 die bildungspolitischen Positionen der im Landtag oder Bundestag vertretenen Parteien analysiert. Im Fokus der Untersuchung stehen zwei zentrale Herausforderungen für das Bildungssystem: die Gewinnung und Qualifizierung von Lehrkräften sowie die Förderung von Schülerinnen und Schülern durch systematische schulisch-außerschulische Kooperationen.

11.09.2026
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern

Die bildungspolitische Analyse des Stifterverbandes zeigt: Die Herausforderungen des Bildungssystems in Mecklenburg-Vorpommern werden parteiübergreifend erkannt. Die Wahlprogramme enthalten verschiedene Vorschläge zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung und zur stärkeren Öffnung von Schule. Umfassende Konzepte für die nachhaltige Verringerung des Lehrkräftemangels und den strategischen Ausbau schulisch-außerschulischer Kooperationen bleiben jedoch vielfach aus.

Die Ausgangslage ist herausfordernd: Nach Prognosen der Kultusministerkonferenz könnten bis 2035 rund 40 Prozent des Lehrkräftebedarfs in Mecklenburg-Vorpommern ungedeckt bleiben. Zu viele angehende Lehrkräfte gehen auf dem Weg in den Beruf verloren. Der hohe Anteil von Quer- und Seiteneinstiegen zeigt zusätzlich, wie groß der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften bereits heute ist.

Die Analyse verdeutlicht, dass die Parteien den Lehrkräftemangel als zentrale bildungspolitische Herausforderung anerkennen. Die Debatte wird dabei maßgeblich durch die 2025 eingeleitete Reform der Lehrkräftebildung geprägt. Viele Vorschläge konzentrieren sich auf die Fortführung, Weiterentwicklung oder Rückabwicklung der jüngsten Reformen sowie auf eine stärkere Praxisorientierung des Studiums. Weitergehende Strategien zur Erschließung zusätzlicher Zielgruppen für den Lehrkräfteberuf spielen hingegen kaum eine Rolle.

Aus Sicht des Stifterverbandes liegt einer der größten Hebel zur Sicherung des Lehrkräftebedarfs nicht allein in der Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte, sondern darin, die bereits gewonnenen Lehramtsstudierenden erfolgreich bis in den Beruf zu begleiten. Obwohl nahezu die Hälfte der Lehramtsstudierenden auf dem Weg in den Beruf verloren geht, wird die Verringerung dieser Schwundquote in den Wahlprogrammen nur punktuell adressiert.  

"Die Parteien diskutieren intensiv über die jüngsten Reformen der Lehrkräftebildung in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist wichtig, reicht aber nicht aus", sagt Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes. "Angesichts einer prognostizierten Lehrkräftelücke von rund 40 Prozent braucht das Land vor allem Antworten darauf, wie mehr Menschen für den Lehrkräfteberuf gewonnen und erfolgreich bis in den Schuldienst begleitet werden können."

Ein weiterer Schwerpunkt der Analyse liegt auf der Frage, wie Schulen stärker mit außerschulischen Bildungsakteuren zusammenarbeiten können. Angesichts sinkender Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern können Kooperationen mit Unternehmen, Hochschulen, Vereinen, Stiftungen und weiteren Partnern einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Basiskompetenzen, MINT-Kompetenzen sowie sozial-emotionalen und überfachlichen Fähigkeiten leisten.

Ganztag und schulisch-außerschulische Kooperationen bieten enorme Chancen für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Lernleistungen.

Volker Meyer-Guckel (Foto: Marcel Schwickerath)
Volker Meyer-Guckel (Foto: Marcel Schwickerath)

Volker Meyer-Guckel

Generalsekretär des Stifterverbandes

Die Wahlprogramme greifen schulisch-außerschulische Kooperationen insbesondere in den Bereichen Ganztag, Berufsorientierung, Demokratiebildung und MINT-Förderung auf. Dennoch bleiben wesentliche Potenziale ungenutzt. Keine Partei entwickelt eine übergreifende Strategie mit klaren Zielen, Qualitätsstandards und Unterstützungsstrukturen. Auch die systematische Nutzung außerschulischer Bildungsangebote als Antwort auf die Kompetenzrückgänge im MINT-Bereich wird kaum adressiert. Wirksame Förderformate wie Schülerwettbewerbe, Schülerakademien oder Lernlabore spielen in den Wahlprogrammen nur eine untergeordnete Rolle.  

Volker Meyer-Guckel: "Ganztag und schulisch-außerschulische Kooperationen bieten enorme Chancen für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Lernleistungen. Wer diese Potenziale nicht systematisch nutzt, verschenkt wichtige Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche gezielt zu fördern und Schulen zu entlasten."

Um die Zukunftsfähigkeit des Bildungssystems langfristig zu sichern, sollte die künftige Landesregierung die Deckung des Lehrkräftebedarfs zur obersten bildungspolitischen Priorität machen und zugleich die Potenziale außerschulischer Bildungsangebote systematisch für die Förderung von Kompetenzen, Talenten und Bildungserfolg nutzen. Ein leistungsfähiges und chancengerechtes Bildungssystem ist die Voraussetzung dafür, dass junge Menschen ihre Potenziale entfalten und die Zukunft des Landes aktiv mitgestalten können.

 

Pressekontakt

Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)
Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)

Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

T 030 322982-530

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