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Wo in Deutschland Vereine entstehen und wo sie verschwinden

Neue Registerauswertung von ZiviZ im Stifterverband: 628.992 Vereine sind bundesweit eingetragen, so viele wie nie. Berlin und der Süden wachsen kräftig, in Bremen und Teilen Ostdeutschlands lösen sich Vereine überdurchschnittlich häufig auf.

02.09.2026

Im März 2026 waren in Deutschland 628.992 Vereine im Vereinsregister eingetragen. Das ist der höchste bislang erfasste Bestand und rund 13.200 mehr als 2022. Das zeigen die Ergebnisse des Discussion Papers "Vereinssterben oder neue Gründungsdynamik?", veröffentlicht von ZiviZ im Stifterverband. Die Zahlen beruhen auf einer Vollauslese des Vereinsregisters und der amtlichen Justizstatistik.

Bemerkenswert ist vor allem die Trendumkehr bei den Neugründungen: Im Jahr 2024 wurden 13.534 Vereine neu eingetragen, so viele wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Da die Zahl der Löschungen nicht im gleichen Maß gestiegen ist, wächst der Vereinsbestand wieder schneller.

"Wir finden in den Daten kein flächendeckendes Vereinssterben", sagt Peter Schubert, Leiter von ZiviZ im Stifterverband. "Entscheidend ist aber der zweite Blick: Das Wachstum verteilt sich sehr ungleich über die Regionen. In Bremen und in mehreren ostdeutschen Ländern werden mehr Vereine gelöscht als andernorts."

 

Zahl eingetragener Vereine im Zeitverlauf (1996 – 2026)
Zahl eingetragener Vereine im Zeitverlauf (1996 – 2026)


Weitere Ergebnisse im Überblick

  • 628.992 Vereine waren im März 2026 registriert, 2,1 Prozent mehr als 2022.
     
  • 13.534 Neueintragungen gab es im Jahr 2024. Das Wachstum des Vereinsbestands betrug 4.370 Vereine.
     
  • Berlin wächst am stärksten: Der Vereinsbestand stieg in Berlin seit 2016 um 16,5 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg (plus 6,3 Prozent) und Bayern (plus 5,5 Prozent).
     
  • Rückgänge verzeichnen Bremen (minus 6,2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 4,6 Prozent), in Sachsen hat sich der Trend seit 2022 gedreht (minus 1,2 Prozent).
     
  • Höchste Vereinsdichte: Das Saarland hat mit 10,6 Vereinen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner die höchste Vereinsdichte, gefolgt von Rheinland-Pfalz (9,6) und Sachsen-Anhalt (9,2); die niedrigste haben Bremen (5,0), Hamburg (5,5) und Schleswig-Holstein (6,0).
     
  • Auch in ländlichen Räumen entstehen neue Vereine: Selbst dünn besiedelte Kreise verzeichnen in der Gesamtbetrachtung weiterhin mehr Neueintragungen als Löschungen.
     


Regionale Unterschiede: Demografie erklärt nur einen Teil

In den meisten Bundesländern folgt die Entwicklung der Vereinszahlen der Bevölkerungsentwicklung. Wo die Bevölkerung altert und schrumpft, fällt es Vereinen schwerer, Mitglieder und Engagierte zu gewinnen. In den ostdeutschen Flächenländern liegen die Löschquoten überwiegend über dem Bundesdurchschnitt. Dieses Muster dürfte sich mit der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung künftig verschärfen. Der Ländervergleich zeigt aber auch Ausnahmen: Brandenburg wächst bei der Bevölkerung, stagniert jedoch bei den Vereinszahlen. Bremen verliert Vereine trotz Bevölkerungszuwachs. Berlin profitiert zusätzlich davon, dass viele bundesweit tätige Verbände dort ihren Sitz haben.

"Demografie allein erklärt die Unterschiede nicht", so Schubert. "Mobilität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und lokale Förderstrukturen wirken mit. Engagementpolitik muss deshalb regional differenziert ansetzen. Vereinsdichten auf Landesebene sagen wenig darüber aus, was in einem einzelnen Landkreis tatsächlich passiert."

Deutschlandkarte zur Vereinsdichte in den einzelnen Bundesländern
Deutschlandkarte zur Vereinsdichte in den einzelnen Bundesländern
Die Vereinsdichte in den Bundesländern (pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner) (Quellen: ZiviZ-Vereinsregisterauswertung 2026; Statistisches Bundesamt)


Neue Vereine als Seismograf gesellschaftlicher Veränderungen

Für das Discussion Paper wurden die rund 50.000 seit 2022 gegründeten Vereine Engagementfeldern zugeordnet. Den größten Anteil hat Kultur (16 Prozent), gefolgt von Sport (12,6 Prozent), Bildung und Erziehung (12,6 Prozent) sowie Freizeit und Geselligkeit (12,5 Prozent). Ein erheblicher Teil der Neugründungen entfällt dabei auf Fördervereine, etwa für Schulen, Kitas und Freiwillige Feuerwehren.

Deutlich sichtbar sind auch die Spuren aktueller Ereignisse: Hilfsvereine für die Ukraine, Cannabis Social Clubs nach der Teillegalisierung oder Initiativen zur Wildtier- und Rehkitzrettung im Umfeld eines Bundesförderprogramms. Vereinsgründungen sind also oftmals ein Spiegelbild gesellschaftlicher, politischer und regulatorischer Veränderungen.

 

Handlungsbedarf: Wandel der Vereinslandschaft aktiv gestalten

Die Autoren des Papiers plädieren dafür, die Entwicklung als Phase strukturellen Wandels zu verstehen. Die Aufgabe der kommenden Jahre bestehe vor allem darin, das Gefälle zwischen wachsenden und schrumpfenden Regionen zu bearbeiten. Nötig seien dafür eine verlässliche Engagementinfrastruktur in strukturschwachen Regionen und Förderbedingungen, die auch jungen Vereinen niedrigschwelligen Zugang zu Fördermitteln ermöglichen.

"Vereine sind für viele Menschen der wichtigste Ort des Miteinanders – gerade dort, wo es sonst wenige Gelegenheiten zur Begegnung gibt", sagt Schubert. "Diese Orte entstehen nicht überall von allein. In Regionen mit rückläufigen Vereinszahlen müssen sie gezielt gestärkt werden, sonst geht Infrastruktur für gesellschaftlichen Zusammenhalt verloren."

 

 
Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ) ist ein Think Tank im Stifterverband, der mit Datenerhebungen und Analysen evidenzbasierte Entscheidungen ermöglicht. ZiviZ unterstützt Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik auf ihren Wegen zu einem wirksamen Engagement. Mit dem ZiviZ-Survey und weiteren Studien zählt ZiviZ zu den wichtigsten Datenquellen zur organisierten Zivilgesellschaft in Deutschland.
 

Kontakt

Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)
Peggy Groß (Foto: Marcel Schwickerath)

Peggy Groß

ist Pressesprecherin des Stifterverbandes.

T 030 322982-530

Dr. Peter Schubert (Foto: Marcel Schwickerath)
Dr. Peter Schubert (Foto: Marcel Schwickerath)

Dr. Peter Schubert

leitet die Geschäftsstelle 
ZiviZ im Stifterverband.

T 030 322982-576

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