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Wissenschaftsbarometer: Deutsche zwischen Vertrauen und Skepsis

10.12.2020

Das generelle Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist in Deutschland weiterhin hoch: 60 Prozent der Menschen geben an, dass sie eher oder voll und ganz in Wissenschaft und Forschung vertrauen. Das sind etwas weniger als im Frühjahr 2020 (April 2020: 73 Prozent, Mai 2020: 66 Prozent), aber mehr als in den Vorjahren (2019: 46 Prozent).

Dies sind bevölkerungsrepräsentative Daten aus dem Wissenschafts­­barometer 2020, mit dem die gemeinnützige Organisation Wissenschaft im Dialog (WiD) die öffentliche Meinung zu Wissenschaft und Forschung in Deutschland erhebt.

Rund 40 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass Wissenschaftler uns nicht alles sagen, was sie über das Coronavirus wissen. 15 Prozent sind der Auffassung, dass es keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Virus gibt. 55 Prozent der Deutschen erklären im November 2020, dass sie sich wahrscheinlich impfen lassen, wenn es im nächsten Jahr einen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gibt. Knapp 30 Prozent sagen, das sei unwahrscheinlich.

"Dass weiterhin so viele Menschen der Wissenschaft vertrauen, zeigt, wie gut der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in der Pandemie funktioniert. Allerdings sollte uns eine relativ hohe Anzahl an Unentschiedenen und Zweifelnden beunruhigen: Die Wissenschaft muss sich noch stärker öffnen und auch mit denjenigen ins Gespräch kommen, die unsicher sind. Damit das gelingen kann, müssen wir alle Forschenden dabei unterstützen, ihr Wissen, ihre Werte und ihre Arbeitsweise zu vermitteln", sagt WiD-Geschäftsführer Markus Weißkopf.

Ähnlich wie in früheren Umfragen des Wissenschaftsbarometers ist ein Drittel der Befragten überzeugt, dass Wissenschaftler sich zu wenig bemühen, die Öffentlichkeit über ihre Arbeit zu informieren. 29 Prozent stimmen dem nicht zu.

 

Wie sehr vertrauen Sie Wissenschaft und Forschung?

Wissenschaftsbarometer

 
Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen von der Politik beachtet werden
77 Prozent der Deutschen wollen, dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Zum Vergleich: Bei den Erhebungen des Wissenschaftsbarometers Corona Spezial im April 2020 erklärten dies 81 Prozent, im Mai 2020 73 Prozent. Außerdem: Im November 2020 sehen 42 Prozent der Befragten es nicht als Aufgabe von Wissenschaftlern an, sich in die Politik einzumischen. Im April 2020 erklärten dies lediglich 32 Prozent.

"Es ist bemerkenswert, wie klar eine große Mehrheit der Befragten erwartet, dass die Politik ihre Entscheidungen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse fällen sollte, nicht aber dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst in die Politik einmischen sollten. Und es ist interessant, dass Kontroversen unter Wissenschaftlern wie auch in den Vorjahren durchaus als positiv und erkenntnisfördernd gesehen werden", sagt Rainer Bromme, Professor für pädagogische Psychologie an der Universität Münster. Tatsächlich sind 2020 sowohl im Frühjahr wie im Herbst zwei Drittel der Deutschen der Auffassung, dass Kontroversen zwischen Wissenschaftlern zu Corona hilfreich sind, damit sich die richtigen Forschungsergebnisse durchsetzen.

Generelles Interesse an Forschung stabil
Das grundsätzliche Interesse der Menschen an Wissenschaft hat sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht verändert. Mit 60 Prozent bekunden mehr Menschen Interesse an Wissenschaft als an Politik (49 Prozent), aber weniger als an Lokalem (68 Prozent).

Klassische Nachrichtenmedien werden stärker genutzt
80 Prozent der Menschen in Deutschland informieren sich im Netz über Wissenschaft und Forschung. 57 Prozent der Online-Nutzer greifen dafür aktuell häufig oder sehr häufig auf Webseiten von klassischen Nachrichtenmedien wie Zeitungen, Magazine oder Fernsehsender (2018: 41 Prozent) zurück. 15 Prozent derjenigen, die sich online über Wissenschaft und Forschung informieren, tun dies häufig oder sehr häufig in den sozialen Medien (2018: 16 Prozent).

Das Wissenschaftsbarometer ist eine bevölkerungsrepräsentative Meinungsumfrage. Es betrachtet seit 2014 die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gegenüber Wissenschaft und Forschung. Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2020 basieren auf 1.016 Telefoninterviews (Festnetz/Mobilfunk, 80:20), die vom 3. bis zum 9. November 2020 im Rahmen einer Mehrthemenumfrage von Kantar – im Auftrag von Wissenschaft im Dialog – geführt wurden. Als Grundgesamtheit diente die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren. Das Wissenschaftsbarometer 2020 ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog. Förderer und Unterstützer sind die Robert Bosch Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Pressekontakt

Dorothee Menhart

leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Initiative "Wissenschaft im Dialog".

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