Zwischen Abschluss und Anschluss
Internationals Employability Framework:
Wie Zuwanderung über die Hochschule
Berufseintritt und Verbleib von
internationalen MINT-Fachkräften stärkt
- Ungeachtet konjunktureller Krisen muss Deutschland die Fachkräftebasis stärken und insbesondere qualifizierte MINT-Beschäftigung fördern, um nicht langfristig an Innovationskraft zu verlieren.
- Die Zuwanderung über die Hochschule ist dafür besonders gut geeignet. Internationals, die in Deutschland studiert haben, finden dreimal so häufig einen Arbeitsplatz, integrieren sich leichter und verlängern ihre Bleibeabsicht eher als Personen, die direkt zur Jobsuche kommen.
- Deutschkenntnisse, Selbstwirksamkeit, Studienerfolg sowie Kontaktpunkte in die Praxis während des Studiums sind entscheidend, um bei der Jobsuche erfolgreich zu sein.
- Internationals, die eine Anstellung finden und im Beruf integriert und zufrieden sind, sind zufriedener in Deutschland und wollen daher längerfristig bleiben.
Der aktuelle konjunkturelle Einbruch und die grundsätzlichen strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft machen deutlich, dass es dringend erforderlich ist, die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland langfristig zu stärken. Innovationsorientierte, global vernetzte und qualifizierte Fachkräfte sind hierfür ein entscheidender Faktor. Deutschland steht hierbei, insbesondere mit seinem Industrieschwerpunkt in Technologie und MINT (Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften), an einem Scheideweg. Der bevorstehende Umbruch in der Beschäftigtenstruktur wird die deutsche Wirtschaftslage weiter destabilisieren, da besonders geburtenstarke Jahrgänge in den kommenden Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden werden.
Doch die Zuwanderung von internationalen Studierenden und Fachkräften kann den demografisch bedingten strukturellen Wandel der MINT-Beschäftigten stabilisieren, wenn trotz wirtschaftlicher Schwächen jetzt in die Förderung von Internationals investiert wird. Denn diese Aktivitäten werden erst in ein paar Jahren ihre Wirkung entfalten, wenn die Auswirkungen der aktuellen Krise voraussichtlich überwunden sind.
Zuwanderung über die Hochschule kann als das zentrale Element gesehen werden, die Fachkräftebasis langfristig zu stabilisieren. Gelingt den internationalen Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium der Berufseinstieg in Deutschland, erzielen sie als hoch qualifizierte Fachkräfte außerdem schnell positive wirtschaftliche Effekte. Doch auf dieser komfortablen Position darf sich nicht ausgeruht werden. Die Krise in Teilen der deutschen Wirtschaft wird auch international wahrgenommen. Während insgesamt rund zwei Drittel der internationalen Studierenden die Absicht äußern, sicher oder wahrscheinlich auch nach dem Studium in Deutschland bleiben zu wollen, ist knapp ein Drittel unsicher bezüglich des Verbleibs in Deutschland. Vor allem Unsicherheiten bezogen auf berufliche Perspektiven und der teils schwere Übergang in den Beruf stellt für viele Internationals aktuell noch vor Herausforderungen.
An dieser Stelle setzt das im Mai 2026 veröffentlichte Diskussionspapier an. Auf Basis von Befragungen internationaler Studierender, Arbeitssuchender und Berufseinsteiger zeigt die Analyse, was nötig ist, damit der Übergang und die Integration von Internationals in den deutschen Arbeitsmarkt in Zukunft besser gelingt. Dieses Verständnis ist die Grundlage dafür, dass die Potenziale von Internationals für die deutsche Wirtschaft zukünftig besser ausgeschöpft werden und Internationals ihre Pläne eines dauerhaften Aufenthalts in Deutschland erfolgreich verwirklichen können.
Umfrage unter internationalen Studierenden,
Absolventen und Berufstätigen
Im September 2025 hat der Stifterverband gemeinsam mit der Fintiba GmbH eine Onlineumfrage unter 6.418 internationalen Studierenden, Absolventen und Berufstätige aus 134 Ländern aus dem Kundenstamm der Fintiba GmbH durchgeführt. Sie bietet eine digitale Plattform für internationale Studierende und Arbeitssuchende und unterstützt diese auf dem Weg nach Deutschland, unter anderem mit Versicherungen oder der Einrichtung von Sperrkonten. Die Plattform bietet damit einen einzigartigen Zugang für eine Befragung, die nicht nur internationale Studierende, sondern auch Beschäftigte mit einbezieht. Ziel der Untersuchung ist es, zu verstehen, wann Internationals ein erfolgreicher Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt gelingt sowie Handlungsansätze für die Unterstützung bei dem Berufsübergang und die langfristige erfolgreiche Integration von internationalen Studierenden abzuleiten.
Als theoretischer Rahmen für die Analyse der erhobenen Daten wurde ein Internationals Employability Framework entwickelt. Damit lassen sich verschiedene Einflussfaktoren identifizieren, welche zum einen positiv mit einem erfolgreichen Berufseinstieg sowie zum anderen positiv mit einem erfolgreichen Ankommen im Beruf zusammenhängen: Deutsche Sprachkompetenzen, Kontaktpunkte zum deutschen Arbeitsmarkt und Praxisnähe während des Studiums, Selbstwirksamkeit und Studienleistung sowie das Studienfach sind Einflussfaktoren für einen erfolgreichen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Ein starkes soziales Netzwerk und Selbstwirksamkeit sind dagegen wichtige Faktoren für eine leichtere Integration und höhere Zufriedenheit, also das Ankommen im Beruf. Auf diesem Berufserfolg wiederum fußt die Zufriedenheit damit, nach Deutschland immigriert zu sein sowie die Absicht, langfristig in Deutschland bleiben zu wollen. Als Fundament unterstützt die Zuwanderung über die Hochschule durch das Aufbauen eines sozialen Netzwerkes, den Erwerb von Sprachfähigkeiten und durch das Angebot von Kontakt-punkten an die deutsche Wirtschaft das Ankommen im Beruf und die Integration und den Verbleib in Deutschland besonders wirksam. Als Grundlage für den erfolgreichen Berufseinstieg und langfristigen Verbleib in Deutschland wurden außerdem Rahmenbedingungen für den Verbleib und das Leben in Deutschland identifiziert.
Handlungsempfehlungen
Die Daten zeigen, dass Zuwanderung über die Hochschule in vielen Punkten vorteilhaft ist im Vergleich zu anderen Wegen der Zuwanderung. Das betrifft sowohl den Berufseintritt als auch den weiteren Verbleib im Arbeitsmarkt. Wie können Hochschulen als erfolgsversprechender Weg der Zuwanderung nach Deutschland besser unterstützt und mit Ressourcen gestärkt werden?
- Zuwanderung über die Hochschulen muss politisch stärker in den Fokus rücken als erfolgreicher Weg der Fachkräftegewinnung und besser mit Programmen der direkten Fachkräftezuwanderung, wie Make it in Germany, verschränkt werden.
- Investitionen in Fachkräftezuwanderung und -integration sollten deutlich stärker in Hochschulen fließen, wo sie den größten Hebel zur Schließung der Fachkräftelücke haben. Dort müssen damit Services für die bessere Begleitung und Betreuung der internationalen Studierenden stark ausgebaut werden.
- Hochschulen und Unternehmen müssen stärker aufeinander zugehen:
Hochschulen müssen ihr Angebot an Deutschkursen und Praxiselemente im Studium ausbauen und curricular verankern sowie die Unterstützung bei Vermittlung in Praktika oder Nebenjobs früh im Studium durch die Career Services stärken.
Unternehmen müssen sich stärker mit Hochschulen vernetzten, um mögliche Praxisprojekte, Abschlussarbeiten und Studierendentätigkeiten an Hochschulen sichtbarer und zugänglicher machen.
- Soziale Vernetzung ist der Schlüssel für das Ankommen und Integrieren in Deutschland. Die Zuwanderung über die Hochschule bietet hierfür ein wertvolles Ökosystem. International Offices müssen diese soziale Komponente, zum Beispiel durch die Unterstützung im Zugang zu extra-Curricularen Angeboten an der Hochschule, stärker in den Blick nehmen und ausbauen.
- Bürokratie muss durch digitalisierte Prozesse abgebaut und Visa-Regeln vereinfacht und realitätsnah gestaltet werden. Außerdem müssen Angebote für eine finanzielle Unterstützung ausgebaut werden, um die nötige Rahmenbedingung für Internationals in Deutschland gewehrleisten zu können.
Nur mit gemeinsamen Initiativen aus Hochschulen, Wirtschaft und Politik, welche die Zuwanderung – insbesondere über die Hochschule – gezielt fördern, kann es gelingen, dass Internationals ihre Pläne eines Lebens in Deutschland erfolgreich umsetzten, und so positiv auf die Stabilisation und Transformation der deutschen Wirtschaft einzahlen können.
Das Discussion Paper ist eine gemeinsame Publikation des Stifterverbandes und DEGIS – der Deutschen Gesellschaft internationaler Studierender. Sie ist das Policy Lab der Lumeira Group. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für den Erfolg internationaler Studierender und Fachkräfte in Deutschland ein. Die Lumeira Group begleitet mit den Marken Fintiba und Expatrio jährlich mehr als 100.000 internationale Studierende auf ihrem Weg nach Deutschland und gehört zur börsennotierten CHAPTERS Group AG.
This discussion paper is also available in the English language.
Mit der Zukunftsmission Bildung möchte der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet.
Die Allianz für MINT-Fachkräfte hat in dieser Gemeinschaftsinitiative das Ziel, die Zahl an MINT-Absolventinnen und MINT-Absolventen zu erhöhen, um die Fachkräftelücke in MINT zu reduzieren.