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Wahlprogrammanalyse Berlin 2026 zur Bildungspolitik

Bildungspolitische Wahlprogrammanalyse Berlin 2026 (Cover der Publikation)
Bildungspolitische Wahlprogrammanalyse Berlin 2026 (Cover der Publikation)

Mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin am 20. September 2026 werden wichtige bildungspolitische Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Trotz insgesamt günstiger Prognosen für die Lehrkräfteversorgung bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen: Entlang der Lehrkräftebildung gehen viele angehende Lehrkräfte verloren, und insbesondere für berufliche Schulen drohen auch künftig Engpässe. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien sinkende Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Diese Analyse untersucht die bildungspolitischen Positionen der Parteien zur Lehrkräftebildung sowie zur schulischen und außerschulischen Potenzialförderung.

Aus Sicht des Stifterverbandes sollte die künftige Landesregierung die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung zur Priorität machen. Ein zentraler Hebel: den Schwund entlang der Ausbildungskette verringern.

Obwohl Berlin bereits flexible Zugangswege etabliert und weiterentwickelt hat, gehen zwischen dem Beginn des Lehramtsstudiums und dem erfolgreichen Abschluss des Referendariats weiterhin viele potenzielle Lehrkräfte verloren. Ergänzend braucht es qualitätsgesicherte und flexible Zugangswege, etwa durch Quer- und Seiteneinstieg, duale Studienmodelle, Ein-Fach-Lehrämter sowie eine stärkere Einbindung von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, insbesondere für die Gewinnung von Lehrkräften an beruflichen Schulen.

Die im September 2026 veröffentlichte Analyse zeigt, dass die Sicherung des Lehrkräftebedarfs von allen Parteien als wichtige bildungspolitische Aufgabe erkannt wird. Die vorgeschlagenen Maßnahmen konzentrieren sich jedoch häufig auf Personalbindung, bessere Arbeitsbedingungen, Entlastung der Lehrkräfte oder die Gewinnung zusätzlicher Zielgruppen. Zentrale Handlungsbedarfe, etwa die systematische Reduktion der Schwundquoten oder die langfristige Sicherung des Nachwuchses für das Lehramt an den beruflichen Schulen, werden dagegen kaum adressiert.

Auch die Bedeutung schulisch-außerschulischer Kooperationen wird parteiübergreifend anerkannt. Die Wahlprogramme setzen dabei insbesondere auf Ganztag, Berufsorientierung, Demokratiebildung sowie die Zusammenarbeit mit Kultur-, Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftspartnern. Dadurch entstehen wichtige Ansatzpunkte für eine stärkere Öffnung von Schule und eine bessere Vernetzung im Sozialraum. Mit Blick auf die Herausforderungen der Kompetenzentwicklung bleiben jedoch zentrale Potenziale ungenutzt. Es fehlt eine übergreifende Gesamtstrategie mit klaren Zielen, Qualitätsstandards und Unterstützungsstrukturen für schulisch-außerschulische Kooperationen. Zudem wird das Potenzial außerschulischer Bildungsangebote zur Förderung von MINT-Kompetenzen, Basiskompetenzen sowie sozial-emotionalen und überfachlichen Kompetenzen nur punktuell genutzt. Auch wirksame Enrichment-Angebote wie Schülerakademien, Schülerlabore oder Strategien zur stärkeren Beteiligung an Schülerwettbewerben spielen in den Wahlprogrammen kaum eine Rolle.

Fazit: Die zentralen Herausforderungen des Berliner Bildungssystems werden erkannt. Umfassende Konzepte zur nachhaltigen Sicherung des Lehrkräftebedarfs sowie zur strategischen Verankerung schulisch-außerschulischer Kooperationen als Bestandteil eines leistungsfähigen und chancengerechten Bildungssystems bleiben jedoch vielfach aus.

 

Parteiprogramme im Überblick

  • Die SPD verfolgt in ihrem Wahlprogramm vor allem eine qualitative Bindungs- und Professionalisierungsstrategie Eine praxisorientierte Professionalisierung soll gegenüber reiner Fachlichkeit priorisiert und in diesem Sinne die Schools of Education als zentrale Struktur der Lehrkräftebildung gestärkt werden. Um der Lehrkräftelücke zu begegnen, sollen Lehrkräfte mit internationalen Qualifikationen unter Ausnutzung länderübergreifend vereinbarter Spielräume leichter anerkannt und bei den Sprachanforderungen flexibler behandelt werden. Des Weiteren sollen multiprofessionelle Teams sowie Verwaltungs-, IT- und Schulsozialpersonal Lehrkräfte von fachfremden Aufgaben entlasten, Lehrkräfte ihre Stunden systematisch erfassen und die erhöhte Unterrichtsverpflichtung im Referendariat wieder zurückgenommen werden. Das SPD-Wahlprogramm enthält keine explizite Strategie für Quer- und Seiteneinsteigende. Auch lassen sich keine konkreten Aussagen zur Weiterentwicklung der Lehrkräfteausbildung hinsichtlich Ein-Fach-Lehramt beziehungsweise HAW-Beteiligung an Studiengängen für berufliche Schulen im Wahlprogramm finden.
     
  • Die Grünen setzen auf Strategien der Personalbindung, insbesondere durch bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer, machen jedoch keine Aussage zur Veränderung und Weiterentwicklung der Studienstrukturen für das Lehramt. Multiprofessionelle Teams und eine systematische Arbeitszeiterfassung sollen Lehrkräfte entlasten; die Unterrichtsverpflichtung im Referendariat soll wieder sinken. Begrüßenswert sind die Überlegungen, Lehrkräfte mit internationalen Abschlüssen leichter in den Berliner Schuldienst zu integrieren, sowie die Lehrkraft mit einem Fach einzuführen. Das Wahlprogramm der Grünen enthält keine explizite Strategie für Quer- und Seiteneinsteigende. Personen ohne pädagogische und fachdidaktische Ausbildung sollen jedoch vor dem Einsatz oder spätestens zu Beginn ihrer Tätigkeit an Schulen berufsbegleitend so vorbereitet werden, dass sie Unterricht fachgerecht erteilen können. Aus Sicht des Stifterverbandes ist die Verbindung von Öffnung und verbindlicher Qualifizierung richtig. Unklar bleiben jedoch, wie letztere erfolgen soll. Auch lassen sich keine konkreten Aussagen zur Weiterentwicklung der Lehrkräfteausbildung mit Bezug zur HAW-Beteiligung an Studiengängen für berufliche Schulen im Wahlprogramm finden. Unklar bleibt, warum lediglich Lehrkräfte in der Berufsbildung für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz qualifiziert werden sollen. Gemäß Beschluss der Bildungsministerkonferenz vom 10. Oktober 2024 sind Fähigkeiten im Umgang mit KI sind als fester Bestandteil in alle drei Phasen der Lehrkräftebildung – für alle Lehrämter – einzubetten.
     
  • Die LINKE verfolgt in ihrem Wahlprogramm eine klare Strategie zur Deckung des Lehrkräftebedarfs. Sie setzt eine Zielgröße von 3.000 Lehramtsabsolvierenden pro Jahr und will gesetzlich festschreiben, dass Ausbildungskapazitäten am prognostizierten Einstellungsbedarf ausgerichtet werden. Um den lehrkräftebildenden Hochschulen über die Hochschulverträge hinaus zusätzliche Mittel zu geben, fordert sie einen Bund-Länder-Staatsvertrag zur Finanzierung bedarfsgerechter Lehrkräfteausbildung, der aus Sicht des Stifterverbandes unrealistisch ist. Positiv zu sehen ist der differenzierte und auf dauerhafte Professionalisierung ausgerichtete Ansatz für den Quer- und Seiteneinstieg, die explizite Einbeziehung der HAW (insbesondere für das Lehramt an beruflichen Schulen) und der flexible Ein-Fach-Ansatz – Maßnahmen, die auch der Stifterverband im Masterplan fordert.
     
  • Die AfD fordert in ihrem Wahlprogramm eine Lehrerausstattung von 110 Prozent – wie diese erreicht werden soll, bleibt vage. Um mehr künftige Lehrkräfte für Mangelfächer zu gewinnen, wird ein Stipendienprogramm für Studienanfänger gefordert, verbunden mit der Verpflichtung zu einer späteren Lehrertätigkeit in Berlin. Des Weiteren wird die schrittweise Umstellung auf eine einphasige Lehrerausbildung in Form eines Dualen Studiums und perspektivisch die Gründung einer Pädagogischen Hochschule vorgeschlagen. Zwar begrüßt der Stifterverband die Einführung dualer Studienmodelle, aber als Ergänzung des bisherigen Studienangebots und Beibehaltung der bisherigen zweiphasigen Ausbildung. Der komplette Umbau zu einer einphasigen Lehrkräfteausbildung würde die wechselseitige Durchlässigkeit zu anderen akademischen Bildungsgängen erheblich einschränken und verspricht auch keine dauerhafte Deckung des Lehrkräftebedarfs. Unklar bleibt, welche Vorteile in der perspektivisch verfolgten Gründung einer Pädagogischen Hochschule gesehen werden. Überlegungen zur Öffnung des Lehramtsstudiums für weitere Zielgruppen bleiben unberücksichtigt.
  • Die CDU misst schulisch-außerschulischen Kooperationen eine hohe Bedeutung bei und greift diese in zahlreichen Bereichen auf. Positiv hervorzuheben sind der qualitative Ausbau des Ganztags mit verbindlichen Kooperationen zu Sportvereinen und Musikschulen, die deutliche Stärkung multiprofessioneller Teams sowie die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kinder- und Jugendhilfe und weiteren Fachkräften. Besonders umfassend fällt die Strategie zur Berufs- und Studienorientierung aus. Die CDU setzt auf feste Partnerschaften von Schulen mit Unternehmen, Hochschulen, Handwerksbetrieben, sozialen Einrichtungen und öffentlichen Arbeitgebern sowie auf Betriebsbesuche, Praxiscamps und Schülerpraktika, unter anderem in Zusammenhang mit einem neuen Wahlfach "Wirtschaft, Handwerk und finanzielle Bildung". Darüber hinaus sollen Praktiker aus Unternehmen verstärkt in den Unterricht eingebunden und Schülerfirmen gefördert werden. Auch Kooperationen mit Krankenkassen, Sportvereinen, Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, Hilfsorganisationen und Gedenkstätten werden ausdrücklich unterstützt. Positiv hervorzuheben ist zudem die geplante Weiterentwicklung der Koordinierungsstelle Außerschulische Bildung zu einer zentralen Qualitäts- und Beratungsstelle. Insgesamt enthält das CDU-Wahlprogramm weitreichende Aussagen zu schulisch-außerschulischen Kooperationen. Eine fachbereichsübergreifende Gesamtstrategie mit klar definierten Zielen, Qualitätsstandards und Zuständigkeiten fehlt jedoch. Zwar sollen Kooperationen in den Feldern Berufsorientierung, Demokratiebildung, Gesundheit, Sport und Ganztag systematisch ausgebaut werden, die Potenziale außerschulischer Bildungsakteure für die Förderung von Basiskompetenzen, sozial-emotionalen Kompetenzen und individueller Leistungsförderung werden jedoch nur teilweise berücksichtigt. Auch eine gezielte Strategie zur stärkeren Nutzung außerschulischer MINT-Angebote sowie die systematische Förderung von Enrichment-Programmen wie Schülerakademien oder Schülerwettbewerben über einzelne Maßnahmen hinaus bleiben aus.
     
  • Die SPD misst schulisch-außerschulischen Kooperationen eine hohe Bedeutung bei und setzt insbesondere auf deren Einbindung in Ganztag, auf Bewegungsangebote, Demokratiebildung und individuelle Förderung. Positiv hervorzuheben sind der Ausbau des Flex-Ganztags bis zu 6. Klasse, die Flexibilisierung der Stundentafel, die stärkere Verzahnung von Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten sowie der Ausbau von Kooperationen mit Sportvereinen, Musikschulen und außerschulischen Lernorten. Die SPD versteht Träger außerschulischer Bildung ausdrücklich als unverzichtbare Partner und will ihre Finanzierung durch ein Demokratiefördergesetz verlässlicher gestalten. Auch die Förderung multiprofessioneller Teams, die Zusammenarbeit mit externen Partnern in der Demokratiebildung sowie die engere Kooperation von Schulen und Wirtschaft im Bereich der Berufsorientierung stärken schulisch-außerschulische Bildungsangebote. Darüber hinaus sollen Schulen stärker für den Sozialraum geöffnet und mit Familienzentren vernetzt werden. Das Wahlprogramm greift die Potenziale außerschulischer Bildungsakteure nur in ausgewählten Bereichen auf. Während Kooperationen insbesondere in der Demokratiebildung, im Ganztag und in der Berufsorientierung eine wichtige Rolle spielen, bleiben andere zentrale Kompetenzfelder deutlich unterbelichtet. Dies betrifft vor allem die Förderung von MINT-Kompetenzen, Basiskompetenzen sowie sozial-emotionalen und weiteren überfachlichen Kompetenzen. Gerade mit Blick auf die bestehenden Herausforderungen im MINT-Bereich fehlt eine erkennbare Strategie, außerschulische Lernorte und Angebote stärker und systematischer in die schulische Förderung einzubeziehen. Auch Enrichment-Angebote wie Schülerwettbewerbe, Akademien oder andere Formate der Begabtenförderung werden nicht aufgegriffen. Insgesamt bleibt das Wahlprogramm damit hinter den Möglichkeiten schulisch-außerschulischer Kooperationen zurück. Über einzelne Handlungsfelder hinaus fehlt eine fachbereichsübergreifende Gesamtstrategie, die die Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungsakteuren systematisch verankert und dafür klare Ziele, Qualitätsstandards sowie verlässliche Unterstützungsstrukturen definiert.
     
  • Die Grünen messen der Öffnung von Schulen in den Sozialraum und schulisch-außerschulischen Kooperationen eine hohe Bedeutung bei und verfolgen einen umfassenden Bildungsansatz, der Lernen ausdrücklich über den Klassenraum hinausdenkt. Positiv hervorzuheben sind die systematische Förderung kultureller Bildung, die bessere Verzahnung von Kultur- und Bildungspolitik sowie die angestrebte Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kultureinrichtungen, Musikschulen, Jugendkunstschulen, Sportvereinen und Volkshochschulen. Darüber hinaus sollen Schulen stärker im Sozialraum verankert und mit außerschulischen Lernorten vernetzt werden. Die Weiterentwicklung des Ganztags, die Förderung multiprofessioneller Teams, die Stärkung von Familienzentren sowie die Zusammenarbeit von Bildungsbereich, Jugendhilfe und weiteren Unterstützungsstrukturen schaffen gute Voraussetzungen für nachhaltige Kooperationen. Positiv hervorzuheben sind zudem die Förderung demokratiebildender Angebote außerhalb des Unterrichts sowie die verpflichtende Begegnung mit verschiedenen Berufsfeldern durch Praktika und Praxistage. Insgesamt enthält das Wahlprogramm viele Anknüpfungspunkte für schulisch-außerschulische Kooperationen. Dennoch bleibt offen, mit welchen Qualitätsstandards, Unterstützungsstrukturen und Steuerungsmechanismen diese Kooperationen dauerhaft gesichert werden sollen. Eine fachbereichsübergreifende Gesamtstrategie für schulisch-außerschulische Kooperationen wird nicht formuliert. Die Potenziale außerschulischer Bildungsakteure für die Förderung von Basiskompetenzen, MINT-Kompetenzen und individueller Leistungsförderung werden nur teilweise aufgegriffen. Zwar werden Medienkompetenzzentren gestärkt, eine systematische Strategie zur stärkeren Nutzung außerschulischer MINT-Angebote fehlt jedoch. Auch Enrichment-Programme mit nachgewiesener Wirksamkeit, etwa Schülerwettbewerbe, Schülerakademien oder Schülerlabore, finden keine Berücksichtigung.
     
  • DIE LINKE misst schulisch-außerschulischen Kooperationen eine hohe Bedeutung bei und verfolgt einen breiten bildungs- und sozialpolitischen Ansatz. Positiv hervorzuheben sind die geplante Stärkung multiprofessioneller Teams, die Förderung politischer Bildung durch Kooperationen mit außerschulischen Trägern sowie die intensive Förderung außerschulischer Bildungsangebote im Ganztag. Die Partei setzt sich ausdrücklich für die Stärkung der vielfältigen außerschulischen Bildungslandschaft Berlins ein und will Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Angeboten intensivieren. Jugendkunstschulen, Musikschulen, Gartenarbeitsschulen und weitere Lernorte sollen gestärkt werden. Auch die Förderung demokratischer Beteiligung, die Stärkung von Medienkompetenzzentren, die Unterstützung von Jugendfreizeiteinrichtungen sowie die Öffnung schulischer Infrastruktur für den Sozialraum schaffen gute Voraussetzungen für eine stärkere Vernetzung schulischer und außerschulischer Bildungsangebote. Besonders hervorzuheben ist zudem die umfangreiche Strategie zur Berufsorientierung mit Werkstätten, Praktika, Praxislerngruppen und Schulpatenschaften. Insgesamt bleibt das Wahlprogramm dennoch hinter den Potenzialen schulisch-außerschulischer Kooperationen zurück. Zwar werden zahlreiche Kooperationsfelder benannt, eine fachbereichsübergreifende Gesamtstrategie mit klaren Qualitätsstandards, Zielen und Unterstützungsstrukturen fehlt jedoch. Die Finanzierung der Maßnahmen wird zwar häufig hervorgehoben, es bleibt jedoch offen, woher die dafür erforderlichen Mittel kommen sollen. Die Potenziale außerschulischer Bildungsakteure für die Förderung von MINT-Kompetenzen und Basiskompetenzen werden nur begrenzt berücksichtigt. Auch eine systematische Strategie zur stärkeren Nutzung außerschulischer MINT-Angebote findet sich nicht. Enrichment-Programme mit nachgewiesener Wirksamkeit, insbesondere Schülerwettbewerbe, Akademien oder Schülerlabore, werden ebenfalls nicht aufgegriffen.
     
  • Die AfD plant laut ihrem Wahlprogramm die Einführung von Ausländerregelklassen, die sich "möglichst nach den Curricula der Herkunftsländer" richten. Dies steht dem Anspruch entgegen, dass Schule den herausgehobenen Bildungsort bildet, der als einziger alle Kinder und Jugendlichen erreicht. Nur hier kann sichergestellt werden, dass in Kooperation mit anderen Bildungsakteuren jede und jeder individuell angemessen gefördert wird. Die Einführung von Ausländerregelklassen würde Diskriminierung und Segregation verstärken und die individuelle Förderung in einem gemeinsamen schulischen Umfeld erheblich erschweren. Damit besteht die Gefahr, bereits vorhandene herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten weiter zu verschärfen. Die AfD greift schulisch-außerschulische Kooperationen nur punktuell auf. Positiv hervorzuheben sind die Unterstützung von Kooperationen mit Unternehmen im Bereich der Berufsorientierung, die Förderung von Schülerwettbewerben sowie die geplante Zusammenarbeit von Schulen und Musikschulen im Rahmen musikalischer Bildung. Darüber hinaus setzt sich die Partei für den Ausbau der Jugendberufsagenturen sowie die Förderung handwerklicher Bildung ein. Insgesamt bleibt das Wahlprogramm jedoch deutlich hinter den Potenzialen schulisch-außerschulischer Kooperationen zurück. Kooperationen werden im Wesentlichen auf Berufsorientierung, musikalische Bildung und einzelne Wettbewerbsformate beschränkt. Die Potenziale außerschulischer Bildungsakteure für die Förderung von Basiskompetenzen, Demokratiebildung, sozial-emotionalen Kompetenzen und individueller Förderung werden nicht berücksichtigt. Zudem grenzt die AfD bestimmte außerschulische Akteure ausdrücklich aus und lehnt die Einbindung "politisch-ideologischer Lobbygruppen" in schulische Bildungsprozesse ab. Diese Argumentation knüpft an zentrale Narrative der AfD und ihr Demokratieverständnis an. Eine fachbereichsübergreifende Gesamtstrategie für schulisch-außerschulische Kooperationen fehlt ebenso wie Qualitätsstandards, Unterstützungsstrukturen und eine Strategie zur stärkeren Nutzung außerschulischer MINT-Angebote. Auch über Schülerwettbewerbe hinausgehende Enrichment-Programme wie Schülerakademien oder Schülerlabore werden nicht thematisiert.

Einordnung aus Sicht des Stifterverbandes

Parteiübergreifend besteht Einigkeit darüber, dass dem Lehrkräftemangel mit einer Kombination aus Personalgewinnung, Entlastung und Qualifizierung begegnet werden muss. CDU, SPD und GRÜNE setzen dabei vor allem auf Maßnahmen zur Personalbindung, bessere Arbeitsbedingungen, multiprofessionelle Teams sowie die Gewinnung international qualifizierter Lehrkräfte, während strukturelle Reformen der Lehrkräftebildung nur begrenzt verfolgt werden. Die AfD setzt mit der perspektivischen Gründung einer pädagogischen Hochschule auf eine umfängliche Strukturreform, deren Ziele sich jedoch aus dem Wahlprogramm kaum erschließen. Die LINKE legt das umfassendste Konzept vor, das Bedarfsplanung, Kapazitätsausbau, Quer- und Seiteneinstieg sowie die gezielte Einbindung von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften miteinander verknüpft.

Insgesamt fällt auf, dass zentrale Zukunftsfragen wie die systematische Steuerung von Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot, die Weiterentwicklung der Lehramtsstudiengänge und die Gewinnung von Lehrkräften für berufliche Schulen nur von wenigen Parteien umfassend adressiert werden. Keine einzige Partei adressiert explizit den Schwund entlang der Lehrkräfteausbildung, was aus Sicht des Stifterverbandes vordringlich wäre.

Schulisch-außerschulische Kooperationen spielen in allen Berliner Wahlprogrammen eine Rolle, werden jedoch unterschiedlich stark gewichtet. Besonders umfassend greifen CDU, GRÜNE, SPD und DIE LINKE das Thema auf. Die CDU legt den Schwerpunkt auf Berufsorientierung, Ganztag und institutionalisierte Partnerschaften mit Wirtschaft, Hochschulen und öffentlichen Einrichtungen. Die GRÜNEN verfolgen einen sozial-räumlichen Ansatz und setzen auf die Vernetzung von Schulen mit Kultur-, Bildungs- und Jugendeinrichtungen. Die SPD konzentriert sich vor allem auf Ganztag, Demokratiebildung und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungsträgern. DIE LINKE hebt insbesondere die Bedeutung der außerschulischen Bildungslandschaft, politischer Bildung sowie von Jugend- und Freizeitangeboten hervor. Die AfD beschränkt sich weitgehend auf Berufsorientierung, musikalische Bildung und einzelne Wettbewerbsformate.

Trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen zeigen sich mehrere Leerstellen, die allen gemein sind. Keine Partei entwickelt eine ressortübergreifende Gesamtstrategie mit klaren Zielen, Qualitätsstandards, Zuständigkeiten und Unterstützungsstrukturen für schulisch-außerschulische Kooperationen. Ebenso fehlt bei allen Parteien eine systematische Strategie zur Nutzung außerschulischer Bildungsangebote zur Förderung von MINT-Kompetenzen. Die Potenziale außerschulischer Bildungsakteure für die Förderung von Basiskompetenzen, sozial-emotionalen und weiteren überfachlichen Kompetenzen werden vielfach nur punktuell berücksichtigt. Schließlich thematisiert keine Partei systematisch Enrichment-Programme mit nachgewiesener Wirksamkeit, insbesondere Schülerakademien, Schülerlabore oder Strategien zur Erhöhung der Teilnahme an Schülerwettbewerben. Dadurch bleiben wichtige Potenziale individueller Förderung und Talententwicklung weitgehend ungenutzt.

Kontakt

Bettina Jorzik (Foto: Damian Gorczany)
Bettina Jorzik (Foto: Damian Gorczany)

Bettina Jorzik

ist Programmleiterin für Hochschullehre, Lehrkräftebildung und MINT sowie Leiterin der Zukunftsmission Bildung.

T 0201 8401-103

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